Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen
Das Wichtigste in Kürze
01.04.2019

Zwei Studierende im Interview

Mario Schäppi aus Wil und Christian Hartmann aus Wattwil erzählen über das Erlebte im Tessin, die Herausforderungen und ihre persönlichen Ziele.

Studierende der Baukaderschule St.Gallen verbrachten soeben eine Projektwoche im Tessin. Die 40 angehenden Bau-Poliere mit eidg. Fachausweis brachten das Gelände Campo Enrico Pestalozzi im kleinen Dorf Arcegno in der Gemeinde Losone auf Vordermann. Im Theorieunterricht wurden sie auf Mitarbeiterführung geschult. Als Belohnung winkten frei gestaltbare Zeitfenster in Locarno, zusammen mit ihren Klassenkameraden. Im Interview geben Mario Schäppi (links im Bild), 28-jährig, Landschaftsgärtner und Christian Hartmann, 29-jährig, Elektromonteur aus Wattwil, Einblick in die besondere Woche. 


Vor gut drei Wochen haben Sie mit dem Vorbereitungslehrgang zum eidg. Bau-Polier/in an der Baukaderschule St.Gallen begonnen. Wie haben Sie diese Zeit bislang erlebt?

Mario Schäppi: Die Umstellung vom Baubetrieb zurück in die Schule ist gross.

Christian Hartmann: Ja, vor allem das lange Sitzen ist ungewohnt. Abends ist man ebenfalls erschöpft, aber einfach auf eine andere Art und Weise.

Mario Schäppi: Es braucht zwingend einen Ausgleich. Ich habe schon zuvor Kampfsport gemacht, habe mein Training nun aber intensiviert.

Hartmann: Sport steht auch auf meinem Programm. Im Winter begeistere ich mich für Skitouren und im Sommer für Biken und Wandern.


Welche Erfahrungen nehmen Sie aus der Projektwoche im Tessin mit?

Hartmann: Für die beiden Klassen ist es eine tolle Erfahrung, besonders auch rund um das Thema Persönlichkeitsfindung. Es geht nicht nur ums Krüppeln, das Arbeiten ist sogar zweitrangig. Im Vergleich zum Baustellenbetrieb, wie man ihn normalerweise kennt, verfügen wir hier mit 40 Männern auf dieser kleinen Fläche über ganz viel Power. Zugleich sind wir eine Zwangsgemeinschaft, und man muss sich darin zurechtfinden können. Meine bislang gemachten Erfahrungen sind durchwegs positiv.

Schäppi: Diese Woche stärkt den Klassenzusammenhalt auf alle Fälle. Es gibt zudem die Gelegenheit, seine Kameraden von anderen Seiten kennenzulernen und auch in anderen Zusammensetzungen.

Hartmann: Stimmt, es ist auch spannend zu sehen, wie andere dieselbe Aufgabenstellung beurteilen und umsetzen würden. Praktisch in jedem Gebiet gibt es einen von uns, der spezialisiert ist. Nun gilt es, dieses Potenzial zu erkennen und es auch zu nutzen.


Was freut Sie besonders?

Schäppi: Mich freut vor allem, dass genug Freizeit bleibt und somit die Gelegenheit, mit den Klassenkameraden Zeit zu verbringen.

Hartmann: Dem kann ich nur beipflichten. Es ist schön, dass wir Freiheiten haben.

Schäppi: Und dass wir mit unserer Arbeit der gemeinnützigen Stiftung helfen und damit etwas Sinnvolles tun, schätze ich sehr.

Hartmann: Genau, es ist etwas Sinnvolles und nicht einfach eine Alibiübung.


Gab es auch Herausforderungen in dieser Projektwoche?

Schäppi: Unsere beiden Klassen bestehen aus 40 Männern. Da treffen natürlich die unterschiedlichsten Persönlichkeiten aufeinander. Als Herausforderung würde ich es zwar nicht bezeichnen, aber es ist ein Herausspüren, bei wem nun welcher Spruch drin liegt. Eine gute Erfahrung, die uns schliesslich auch auf der Baustelle weiterbringt. Den Umgang unter uns Kollegen empfinde ich als kameradschaftlich und locker. Mir gefällt die gute Mischung: Wir sind zwischen 22 und 32 Jahre alt und haben verschiedene Erstausbildungen absolviert, von Stromer über Koch bis hin zu Multimediaelektroniker. Auch kommen wir aus verschiedenen Regionen aus der Schweiz. Das alles gibt eine Dynamik in die Runde.

Hartmann: Ungewohnt ist für mich, dass für eine kurze Zeit alle 40 Männer gleichzeitig hier im Feriencamp anpacken wollten. Wir mussten uns erst ein wenig zurücknehmen und auch einsehen, dass nicht einfach drauflosgearbeitet werden kann und erst die Arbeiten koordiniert werden müssen.

Schäppi: Genau auch weil einige eine Zusatzlehre absolvieren mussten, um diesen Berufsweg einschlagen zu können, ist die Motivation jedes Einzelnen gross. Man spürt richtig, dass wir alle etwas erreichen wollen und ein Ziel vor Augen haben.


Welche Ziele haben Sie persönlich?

Schäppi: Zuerst möchte ich diesen Fachausweis erlangen und Erfahrungen sammeln. Sicher ist auf jeden Fall, dass wir mit dieser Weiterbildung gefragte Fachkräfte sind. Einen grossen Vorteil sehe ich zudem darin, dass die Ausbildungen zum Baukader modular aufgebaut sind.

Hartmann: Ich habe vor, mich nach der Weiterbildung zum Bau-Polier zu spezialisieren. Spezialisten sind mehr denn je gefragt. Für welchen Bereich ich mich entscheide, möchte ich mir noch genau überlegen.