Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen
Das Wichtigste in Kürze
01.04.2019

Pflastern, betonieren und ein starkes Team bilden

Die 40 angehenden Bau-Poliere mit eidg. Fachausweis der Baukaderschule St.Gallen verbrachten soeben eine Projektwoche im Tessin.

Es wird gehämmert, gemeisselt, gespachtelt und ein feiner Staub breitet sich auf dem Gelände des Feriendorfs Campo Enrico aus. Stück für Stück werden die handgrossen, hellen Steine auf die Zufahrtsstrasse gepflastert. Vergangene Woche waren hier die Bau-Poliere am Werk, die im März an der Baukaderschule St.Gallen mit dem Vorbereitungslehrgang auf die eidg. Berufsprüfung begonnen haben. Die Stimmung unter den 40 Studenten ist locker und kameradschaftlich. Es wird gelacht und zugleich konzentriert gearbeitet. Stets mit dem Ziel vor Augen, dass der Weg, der die einzelnen Häuser des Feriendorfs miteinander verbindet, bis Ende Woche fertig gepflastert sein soll.

Doch die Männer haben bereits tatkräftig angepackt und liegen im Zeitplan weit vorne. Da staunen selbst Lehrgangsleiter Roland Lohri und Andreas Looser, die zusammen die Projektwoche leiten, nicht schlecht. «Was gibt es sonst noch zu tun?», witzeln einige Studenten. Kommt hinzu, dass das Anlegen von Steinen nicht einmal zu ihrer Kernkompetenz gehört. Dennoch konnten sie sich nach einer fachkundigen Erklärung rasch in die neue Aufgabe einarbeiten und freuen sich über ihre neuen Erfahrungen.

Die Arbeit geht noch lange nicht aus

Etwas weiter oben auf dem Gelände macht sich eine kleine Gruppe an den Wiederaufbau einer Steinmauer. Durch den Sturm Vaia, der im vergangenen Herbst über die Region fegte, wurde ein grosser Baum entwurzelt, der mit seiner Wucht auf die Steinmauer fiel und sie entzweite. Auch hier kommen die Studenten rasch voran und glänzen mit der Qualität ihrer Arbeit. Maurus Frei, Stiftungsmitglied und Forst-Ingenieur, ist sichtlich zufrieden. Ohnehin sei die Stiftung sehr dankbar für die Arbeiten, die allesamt ehrenamtlich für das Feriendorf ausgeführt werden. Die Fertigstellung der Zufahrtsstrasse Ende dieser Woche bezeichnet das Stiftungsmitglied denn auch als Höhepunkt.    

Die Projektwoche im Tessin hat bei der Baukaderschule St.Gallen längst Tradition. Es ist nun die siebte Durchführung, die wetterbedingt im Süden der Schweiz stattfindet. Seit Jahren besteht die Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Stiftung Campo Enrico Pestalozzi im kleinen Dorf Arcegno, das der Gemeinde Losone angehört. Das Feriendorf wurde 1929 auf Initiative des Luzerner Pfarrers Julius Kaiser gegründet. Auf einer Fläche von rund 35000 Quadratmetern bietet das Feriendorf in zehn Gebäuden Platz für über 300 Gäste, insbesondere auch für Menschen mit einer Behinderung. Zu tun gibt es auf dem Gelände allerhand: Die Instandhaltungsarbeiten gehen sozusagen nie aus. Ob nun bei den Steinplatten die Fugen neu gespachtelt werden, eine Stützmauer errichtet wird, die Mauer der Bocciabahn ausgebessert wird oder gar ein Tischtennis-Tisch aus je 200 Kilo schweren Betonplatten erstellt wird – die Baukaderschule St.Gallen und ihre Studenten haben hier im abgelegenen Dorf, das inmitten von Kastanienwäldern liegt, schon sichtlich Spuren hinterlassen.

Wichtig auch für Teambildung

Während die Hälfte der Studierenden weiter dem Gelände den letzten Schliff verpasst, damit der Betrieb in die neue Saison starten kann, sitzt die andere Hälfte in den Räumen der Jugendherberge in Locarno und wird auf Führungskompetenzen geschult. So liegt der eigentliche Fokus der Projektwoche auf der Persönlichkeitsbildung und auf der Lehrlingsausbildung. «Was erwartet ihr von den Lernenden, damit ihr selbst eure Erziehungs- und Führungsaufgabe gut erfüllen könnt?», fragt Dozent Reto Wambach in die Runde. «Respekt», «Ehrlichkeit», «Wille», «Pünktlichkeit» schreiben die Studierenden auf Klebezettel. Schnell wird klar, dass sie als angehende Vorgesetzte auf Vieles achten müssen und selbst die einfachsten Situationen komplexer sein können, als ursprünglich angenommen. «Übung macht den Meister – den Baumeister», resümiert Wambach. Ganz nebenbei versteht sich die Projektwoche im Tessin auch als Teambildung. So walten und schalten die Studierenden in Eigenverantwortung, teilen sich für die Arbeiten in Gruppen auf. So etwa besteht auch ein kleines Küchenteam, das mittags für die Verpflegung besorgt ist. Abends ziehen sie alle gemeinsam durch die Gassen Locarnos, ehe sie später in der Jugendherberge hoffentlich Erholung für den nächsten Arbeitstag finden.