Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen

03.06.2022

# Gestaltung

In seiner ersten Klasse sass Manuel Stahlberger: Roman Menzi im Porträt

Linda Müntener
Linda Müntener
Kommunikation
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Nur wenige Lehrpersonen sind schon so lange an der Schule für Gestaltung tätig, wie er: Roman Menzi unterrichtet hier seit über 30 Jahren, unter anderem das Aktzeichnen. Teil 1 unserer Kursleiter-Serie.

Ursprünglich war Roman Menzi einmal ein Mann fürs Grobe. Als Erstausbildung hatte er Bildhauer gelernt, arbeitete den ganzen Tag in der Steinbearbeitung. Doch schon während der Ausbildung begann er mit dem Aktzeichnen. Die Zeichnungen versteckte der Lehrling damals noch unter dem Bett – aus Scham. Doch diese Art Kunst faszinierte ihn. Der Künstlerkollege – und ebenfalls Kursleiter an der Schule für Gestaltung – Karl Fürer hatte ihn, als jungen Kursleiter in der Steinbearbeitung mentoriert und gefördert und letztlich auch zur Bewerbung für die damals ausgeschriebene Stelle als Lehrperson am GBS bewogen. «Ohne Karl wäre ich heute vermutlich nicht hier», sagt Roman Menzi.

Mit etwas Feingefühl

Roman Menzi gibt als Leiter nicht nur öffentliche Kurse im Aktzeichnen, er unterrichtet auch die Jugendlichen im Gestalterischen Vorkurs, im Fach Form und im dreidimensionalen Gestalten. Er arbeitete zudem achtzehn Jahre an der gestalterischen Berufsmaturität. Der erfahrene Künstler trifft hier auf junge Leute, die sich teils noch in einer Findungsphase befinden und sich ausprobieren möchten. Was es dafür braucht? «Feingefühl», sagt Roman Menzi. Oder: «Ich mag es noch immer, meine Erfahrung, meine Geduld und meine Zeit mit den Jugendlichen zu teilen.» Autorität funktioniere in der Gestaltung nicht, ist er überzeugt. Die Fixierung aufs Bewerten der Schülerinnen und Schüler sieht er im Schulsystem kritisch. «Man stellt die Leistungsstarken in den Mittelpunkt und vergisst die anderen», sagt Menzi, in dessen erster Klasse der heute bekannte St.Galler Zeichner und Komiker Manuel Stahlberger sass. Erst wenn Schülerinnen und Schüler merken, dass man ihnen etwas zutraue, dann entwickeln sie sich auch weiter. Diese pädagogische Freiheit schätze er an der Schule für Gestaltung. «Sie ist ein Privileg ohnegleichen», sagt er.

Kursteilnehmende von Jung bis Alt

Die Bandbreite des Teilnehmerfelds im öffentlichen Aktzeichnen-Kurs ist riesig. Neben den 16jährigen Teilnehmenden des Gestalterischen Vorkurses zeichnen Frauen und Männer bis ins hohe Alter in Roman Menzis Kurs mit. Gerne schafft der Kursleiter eine Atmosphäre, in der sich die Teilnehmenden wohl fühlen. Allen voran das Modell. Dass sich die Person auf dem Podest wohlfühle, sei entscheidend für den Erfolg des Kurses. Deshalb gibt es Regeln. Erst wenn alle Teilnehmenden vor dem leeren Blatt stehen oder sitzen, zieht sich das Modell aus. Eine Frage der Achtung. Auch Geduld sei wichtig, sagt Menzi, denn Aktzeichnen sei ein unermüdliches Beobachten und Korrigieren, ein fortwährender Neubeginn.

Die Kunst bleibt

Im Sommer geht Roman Menzi in Pension, mit der Kunst ist es aber nicht zu Ende. Er hat ein Atelier für Gestaltung und Restaurierung in Ebnat-Kappel, das er weiterhin betreiben wird. Hier macht er Farbanalysen oder baut Kunstausstellungen mit auf, etwa im Kunstmuseum Winterthur. Zurzeit ist er an den historischen Farbuntersuchungen und der Restaurierung der Bauten auf dem St.Galler Freibad Drei Weieren beteiligt. Langweilig werde ihm also sicherlich nicht, sagt Roman Menzi und schmunzelt. Ein wenig Wehmut schwinge mit, wenn er an den Abschied von der Schule denke. «Doch es ist auch wichtig, Platz für Jüngere zu machen.»