Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen

26.08.2021

# GBS Allgemein

Poseidon tanzt Hip Hop

Linda Müntener
Linda Müntener
Kommunikation / BM-Vorbereitung
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Das Künstlerkollektiv Kulturkosmonauten probt in diesen Tagen mit Klassen des Berufsvorbereitungsjahres eine Aufführung. Dabei steht der gemeinsame Prozess im Zentrum. Dieser ist lebhaft. Ein Probebesuch.

«Es ist Krieg, Leute! Das muss erst mal klar werden», ruft Pamela Dürr in die Halle. Eine Gruppe Jugendliche steht im Talhof verteilt, zum imaginären Publikum gewandt, in den Händen zwei Steine, einer spricht, das Skript in der Hand. Dienstagmorgen, Probe für das Theaterprojekt «Alles auf Anfang». Pamela Dürr ist künstlerische Leiterin des Kollektivs Kulturkosmonauten, das mit Schülerinnen und Schülern aus allen Klassen des Berufsvorbereitungsjahres während neun Tagen eine Präsentation erarbeitet. Heute ist sie auf Probebesuch und gibt Inputs. Alles auf Anfang - die Jugendlichen üben den Prolog noch einmal. Und sind schon etwas selbstsicherer.

Künstler*innen-Tandems leiten die Gruppen

Die Kulturkosmonauten arbeiten in diesen Tagen mit fünf verschiedenen Gruppen. Die Workshops sind verteilt auf den Jugendkulturraum Flon, den Talhof, die GBS-Aula, den Raum für Kultur Pool und das Palace. Jede Gruppe wird von einem Künstler*innen-Tandem aus verschiedenen Bereichen begleitet. Im Talhof leiten Elzbieta Bednarska (Regie) und Raoul Doré (Installation/Video) das Geschehen. Am neunten Tag findet eine Aufführung vor Freund*innen, Bekannten und Familie statt, am zehnten Tag wird das Erarbeitete gemeinsam reflektiert und dokumentiert.

Probe des Prologs: Regisseurin Elzbieta Bednarska spornt die Jugendlichen an.

Kreativität und Teamwork fördern

Im Mittelpunkt der Workshops, von denen bereits 19 am GBS durchgeführt wurden, steht der gemeinsame Prozess. Die Jugendlichen bringen sich ein und entwickeln das, was am Ende auf der Bühne präsentiert werden soll, aktiv mit. Das geht nur mit Teamwork. «Denn eigentlich ist es unmöglich, innert neun Tagen eine solche Aufführung auf die Bühne zu bringen», sagt Pamela Dürr. An dieser Herausforderung wachsen alle. Die Jugendlichen geben sich gegenseitig konstruktive Kritik, entdecken Neues und lernen die anderen, aber auch sich selber besser kennen. All das, wofür im regulären Unterricht nicht immer Platz ist. Die Jugendlichen müssen sich artikulieren, erfahren Wertschätzung und Widerstand – und haben die Möglichkeit, über sich selber hinauszuwachsen. Das soll nicht zuletzt die vier Schlüsselkompetenzen fördern, die das GBS verfolgt: Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und kritisches Denken.  

 

Während die einen auf der Bühne im Einsatz sind, arbeiten die anderen hinter den Kulissen an Bild und Video.

Die eigenen Fähigkeiten einbringen

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt sich an diesem Morgen, Tag vier des Workshops im Talhof. Die Gruppe befasst sich zum übergreifenden Thema «Alles auf Anfang!» mit einem griechischen Epos, in dem die vermeintliche Heimkehr Odysseus' zum Anfang einer langen Irrfahrt wird. Wie sie das darstellen, liegt an ihnen. So kommt es, dass Poseidon in einer Szene mit Athene Hip Hop tanzt – um seine Coolness und Überlegenheit zu verbildlichen, und, weil die Darstellerin auch in ihrer Freizeit Hip Hop tanzt. «Die Schülerinnen sollen ihre eigenen Fähigkeiten einbringen können», sagt Pamela Dürr, «auch darum geht es hier.»

Die Probe ist lebhaft. Eine Schülerin schlägt vor, wie man die Schaukel, auf der Athene sitzt, dekorieren könnte. Eine andere hat eine Idee für das Kostüm von Poseidon. Und ein Schüler schlägt vor, den Satz in seiner Szene anders zu betonen, damit die Botschaft besser rüberkommt. Man kann wortwörtlich dabei zuschauen, wie etwas entsteht. Regisseurin Elzbieta Bednarska fordert und fördert die Darsteller*innen so, dass sie nach jeder Wiederholung noch präsenter auf der Bühne sind. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe. Ab und an mahnt sie zur Konzentration, betont, dass das Stück nur funktioniert, wenn jeder seinen Teil beiträgt – auch jene, die zuhinterst auf der Bühne stehen. «Es braucht uns alle.»

Noch laufen die Proben. Am 31. August und 1. September führen die Schülerinnen und Schüler das Geübte auf. Wir sind gespannt!

Aufführungen:

Dienstag, 31. August, 18:30 Uhr, im Jugendkulturraum Flon, St.Gallen, unter der Leitung von Helen Prates de Matos (Szenografie) und Anna von Schrottenberg (Schauspiel)

Dienstag, 31. August, 20:00 Uhr, im Talhof, St.Gallen, unter der Leitung von Elzbieta Bednarska (Regie) und Raoul Doré (Installation/Video)

Mittwoch, 1. September, 18:30 Uhr, in der Aula des GBS-Schulhauses im Riethüsli, St.Gallen, unter der Leitung von Vanessa Nebenführ (Schauspiel) und Tobias Stumpp (Film)

Mittwoch, 1. September, 18:30 Uhr, im Pool – Raum für Kultur, St. Gallen, unter der Leitung von Ann Katrin Cooper (Choreographie) und Tobias Spori (Tanz)

Mittwoch, 1. September, 20 Uhr, im Palace, St.Gallen, unter der Leitung von Arwen Oertlin-Burmeister (Schauspiel) und Enrico Lenzin (Musik).

Der Eintritt ist frei, es ist eine Anmeldung unter info@kulturkosmonauten.ch erforderlich. Die Zuschauerzahl ist beschränkt. Informationen zu den Schutzmassnahmen gibt es unter der Nummer 079 510 95 45. Es besteht Maskenpflicht.