Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen

13. Mai 2020

Lernenden Mut machen, ihre Sorgen mitzuteilen

Zum umfassenden Angebot an Aus- und Weiterbildungen, das am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen (GBS) geboten wird, gehört auch die Sozialberatung KSD. Jeden Mittwoch haben wir neue Fragen an das Beraterteam und erfahren interessante Fakten, Ansichten und Erläuterungen: 

Wer gehört zum Berater-Team? Könnt ihr euch ganz kurz vorstellen?
Nicole Borra: Klar, gerne. Wir sind zu zweit am GBS St.Gallen. Nicole & Nicole. Ich finde wir sind ein gutes Team und der gemeinsame Austausch ist uns sehr wichtig, zurzeit findet dieser nur über Teams statt. Wir haben die Abteilungen und Standorte aufgeteilt. Ich bin für alle Berufe am Riethüsli zuständig und für den Standort Schreinerstrasse sowie für das Schulhaus Bild. Nach meinem EFZ vor vielen Jahren habe ich später vom Büro in die Soziale Arbeit gewechselt und mit 32 Jahren an der Fachhochschule in Zürich meine Zweitausbildung begonnen. Das war für mich persönlich ein sehr guter Entscheid, auch mein Wohnortswechsel von Zürich ins Appenzellerland. Ich bin jetzt bereits 6 Jahre am GBS St.Gallen. Davor war ich an verschiedenen Schulen tätig. Die Arbeit mit Menschen finde ich nach wie vor sehr wichtig und bereitet mir Freude, auch sich mit unterschiedlichen Themen gemeinsam auseinanderzusetzen.
Nicole Bauer: Ich bin für die Dienstleistungsabteilung zuständig und bei den Bauberufen für den Standort Kirchgasse. Seit 15 Jahren gibt es das Angebot der Sozialberatung an unserer Schule. Ich bin sozusagen die Frau der ersten Stunde. Manchmal staune ich selber wie rasch die Zeit vergangen ist und wie viel Freude mir meine Arbeit mit den Lernenden und deren Bezugspersonen nach wie vor macht. Vor meinem Studium in Sozialer Arbeit war ich mehrere Jahre selbständig als Bewegungspädagogin tätig. In meiner KV Lehrzeit haben wir noch heftig darüber diskutiert, ob PC eine Zukunft haben werden. In den ersten Jahren konnte ich bei Elternabenden jeweils noch sagen, dass ich selber zwei Töchter in diesem Alter habe. Inzwischen sind sie längst erwachsen. Das Verständnis für Eltern und deren Herausforderungen während der Ausbildungszeit ihrer Kinder ist aber geblieben.

Mit welchen Anliegen werdet ihr derzeit konfrontiert?
KSD_Beratungsteam: Unsere Lernenden melden sich bei uns mit denselben Fragen und Problemen wie vor Corona. Schwierigkeiten sehen wir eher darin, dass die Probleme weniger sichtbar sind. Für unsere Lehrpersonen ist es viel anspruchsvoller geworden zu merken, wenn es ihren Lernenden nicht gut geht. Der persönliche Kontakt fehlt da. Erfreulich ist aber, dass sich Lernende teilweise direkt über den Teams Chat an uns wenden. Das freut uns.

Welche Themen beschäftigen die Lernenden häufig noch bevor die Corona-Zeit eintraf?
KSD_Beratungsteam: Ein Dauerthema sind Probleme im Lehrbetrieb. Diese sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von falscher Berufswahl bis hin zu Konflikten mit den Ausbildungsverantwortlichen oder im Team. Nicht wenige sind unzufrieden wie sie ausgebildet werden. Teilweise hat sich dies in der Corona-Krise verschärft. Bei der einen oder anderen Kündigung kommt der Verdacht auf, dass diese in diesen Zeiten etwas schneller ausgesprochen werden. Bei vielen dieser Fragestellungen muss zwingend das Amt für Berufsbildung miteinbezogen werden. Oft müssen wir den Lernenden Mut machen, sich dort zu melden und ihre Sorgen mitzuteilen. Nur so können gute Lösungen gemeinsam gefunden werden. Psychische Probleme, finanzielle Sorgen, Lernschwierigkeiten, Trauer, Arbeitsaufträge nicht erledigen können, Probleme zu Hause, zu viel gamen, Drogenkonsum und vieles mehr beschäftigen unsere Lernenden nach wie vor.

Auch nächsten Mittwoch haben wir wieder ein paar Fragen an Nicole & Nicole, unser KSD-Beratungsteam. Schau doch wieder in unserem GBS-Blog vorbei!