Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen

20. Mai 2020

Beratungen sind vertraulich

Jeden Mittwoch haben wir neue Fragen an Nicole & Nicole, unser KSD-Sozialberatungsteam, und erfahren interessante Fakten, Ansichten und Erläuterungen:

Aufgrund der Corona-Zeit berät ihr die Lernenden ja online. Welche Erfahrungen macht ihr damit?
KSD_Beratungsteam: Wir machen überraschend gute Erfahrungen mit der Videoberatung. Die Lernenden nutzen die Möglichkeiten von Teams für das Distance Learning an ihrem Schultag, wie aber auch um mit uns in Kontakt zu kommen. Sie chatten uns an und wir vereinbaren einen Video-Termin. Manche Fragen können auch über den Chat beantwortet werden. Einige Lernende bevorzugen ein Gespräch über das Telefon ohne Kamera. Das ist selbstverständlich auch möglich.

Sich der Sozialberatung mit einem persönlichen Thema anzuvertrauen, ist bestimmt mit Überwindung und Bedenken verbunden. Weshalb können sich die Lernenden mit einem guten Gefühl an euch wenden?
KSD_Beratungsteam: Das ist eine wichtige und zentrale Frage. Es ist uns ein grosses Anliegen aufzuzeigen, dass unsere Beratungen (Video, Telefon, vor Ort) vertraulich sind. Auch wenn Lehrpersonen wissen, dass ein Beratungstermin während des Unterrichts stattfindet, ist der Inhalt des Gesprächs vertraulich. Die Schweigepflicht müssen wir dann brechen, wenn Lernende selbst- oder fremdgefährdend sind. Es kommt selten vor, aber wir besprechen es mit dem Lernenden, wie wir dann vorgehen müssen.

Können Lernende auch «nur» chatten mit euch, oder braucht es zwingend ein Videogespräch, bzw. ein Telefongespräch?
KSD_Beratungsteam: Wie wir bereits oben aufgezeigt haben, können Lernende auch im Chat mit uns im Austausch sein. Wir haben viele gute Erfahrungen im Teams mit Video oder Chat gemacht. Wir wollen diese erweitere Möglichkeit von Beratung auch nach der Corona-Zeit beibehalten.

Auch nächsten Mittwoch haben wir wieder ein paar Fragen an Nicole & Nicole, unser KSD-Beratungsteam. Schau doch wieder in unserem GBS-Blog vorbei!
 

Hast du andere Kurz-Interviews verpasst? Kein Problem: Hier kannst du alle Fragen und Antworten zur Sozialberatung nachlesen:

Zum umfassenden Angebot an Aus- und Weiterbildungen, das am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen (GBS) geboten wird, gehört auch die Sozialberatung KSD. Ein wichtiges Angebot, das längst nicht Jedem bekannt ist. Was macht denn eigentlich die Sozialberatung?
Nicole Borra: Wir beraten bei Fragen oder Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Lehrstelle, der Berufsfachschule oder mit der persönlichen Lebenssituation. Vor allem auch jetzt während der Corona-Zeit tauchen Ängste und Unsicherheiten auf, sei es im Zusammenhang mit der Lehrstelle, wie sich im Homeoffice organisieren oder weil sich zu Hause Probleme verschärfen.
Nicole Bauer: Gerade die Lernenden der Dienstleistungsabteilung hat die Corona-Krise hart getroffen. Da kommen viele Emotionen und auch Unverständnis über Entscheide hoch. Auch wenn wir als Schule da wenig ändern können, ist es wichtig, dass sich die Lernenden gehört und ernst genommen fühlen.

An wen richtet sich das Beratungsangebot?
KSD_Beratungsteam: An alle Lernenden oder die mit Lernenden am GBS zu tun haben. Das können Ausbildner, Eltern, Lehrpersonen sein.

Braucht es nicht grosse Überwindung, sich bei Schwierigkeiten an «fremde Personen» zu wenden und anzuvertrauen?
Nicole Borra: Das müsstest du die Lernenden fragen. Aber klar braucht es auch Überwindung. Das kenne ich selber ja auch.
Nicole Bauer: Da spielen unsere Lehrerkolleginnen und Lehrerkollegen eine wichtige Rolle. Wenn sie die Lernenden motivieren sich bei der Sozialberatung zu melden, ist die Hürde etwas kleiner. Selber bin ich auch so eine, die man anstupsen muss...

Wer gehört zum Berater-Team? Könnt ihr euch ganz kurz vorstellen?
Nicole Borra: Klar, gerne. Wir sind zu zweit am GBS St.Gallen. Nicole & Nicole. Ich finde wir sind ein gutes Team und der gemeinsame Austausch ist uns sehr wichtig, zurzeit findet dieser nur über Teams statt. Wir haben die Abteilungen und Standorte aufgeteilt. Ich bin für alle Berufe am Riethüsli zuständig und für den Standort Schreinerstrasse sowie für das Schulhaus Bild. Nach meinem EFZ vor vielen Jahren habe ich später vom Büro in die Soziale Arbeit gewechselt und mit 32 Jahren an der Fachhochschule in Zürich meine Zweitausbildung begonnen. Das war für mich persönlich ein sehr guter Entscheid, auch mein Wohnortswechsel von Zürich ins Appenzellerland. Ich bin jetzt bereits 6 Jahre am GBS St.Gallen. Davor war ich an verschiedenen Schulen tätig. Die Arbeit mit Menschen finde ich nach wie vor sehr wichtig und bereitet mir Freude, auch sich mit unterschiedlichen Themen gemeinsam auseinanderzusetzen.
Nicole Bauer: Ich bin für die Dienstleistungsabteilung zuständig und bei den Bauberufen für den Standort Kirchgasse. Seit 15 Jahren gibt es das Angebot der Sozialberatung an unserer Schule. Ich bin sozusagen die Frau der ersten Stunde. Manchmal staune ich selber wie rasch die Zeit vergangen ist und wie viel Freude mir meine Arbeit mit den Lernenden und deren Bezugspersonen nach wie vor macht. Vor meinem Studium in Sozialer Arbeit war ich mehrere Jahre selbständig als Bewegungspädagogin tätig. In meiner KV Lehrzeit haben wir noch heftig darüber diskutiert, ob PC eine Zukunft haben werden. In den ersten Jahren konnte ich bei Elternabenden jeweils noch sagen, dass ich selber zwei Töchter in diesem Alter habe. Inzwischen sind sie längst erwachsen. Das Verständnis für Eltern und deren Herausforderungen während der Ausbildungszeit ihrer Kinder ist aber geblieben.

Mit welchen Anliegen werdet ihr derzeit konfrontiert?
KSD_Beratungsteam: Unsere Lernenden melden sich bei uns mit denselben Fragen und Problemen wie vor Corona. Schwierigkeiten sehen wir eher darin, dass die Probleme weniger sichtbar sind. Für unsere Lehrpersonen ist es viel anspruchsvoller geworden zu merken, wenn es ihren Lernenden nicht gut geht. Der persönliche Kontakt fehlt da. Erfreulich ist aber, dass sich Lernende teilweise direkt über den Teams Chat an uns wenden. Das freut uns.

Welche Themen beschäftigen die Lernenden häufig noch bevor die Corona-Zeit eintraf?
KSD_Beratungsteam: Ein Dauerthema sind Probleme im Lehrbetrieb. Diese sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von falscher Berufswahl bis hin zu Konflikten mit den Ausbildungsverantwortlichen oder im Team. Nicht wenige sind unzufrieden wie sie ausgebildet werden. Teilweise hat sich dies in der Corona-Krise verschärft. Bei der einen oder anderen Kündigung kommt der Verdacht auf, dass diese in diesen Zeiten etwas schneller ausgesprochen werden. Bei vielen dieser Fragestellungen muss zwingend das Amt für Berufsbildung miteinbezogen werden. Oft müssen wir den Lernenden Mut machen, sich dort zu melden und ihre Sorgen mitzuteilen. Nur so können gute Lösungen gemeinsam gefunden werden. Psychische Probleme, finanzielle Sorgen, Lernschwierigkeiten, Trauer, Arbeitsaufträge nicht erledigen können, Probleme zu Hause, zu viel gamen, Drogenkonsum und vieles mehr beschäftigen unsere Lernenden nach wie vor.