«100 Beste Plakate 25»: Impulse für morgen
Die besten Plakate des Jahres 2025 aus den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen nach St.Gallen. Die Ausstellung «100 Beste Plakate 25 – D A CH» wird am 28. August 2026 um 19 Uhr in der Aula des GBS St.Gallen eröffnet. Im Interview freut sich Organisator Philip Kerschbaum über die Siegerwerke aus der Schweiz und auf ein Jubiläum.
Philip, worauf dürfen wir uns bei der Ausstellung «100 Beste Plakate 25 – D A CH » freuen?
Philip Kerschbaum, Präsident des Vereins Alumni HF KGD der Schule für Gestaltung St.Gallen und Inhaber des Design-Studio Modo: Die Ausstellung zeigt Spitzenleistungen aus den Bereichen Fotografie, Illustration, Typografie und Grafikdesign. Es ist dieses Jahr ein sehr starker Jahrgang. Bei der Vernissage in Berlin hatte ich die Gelegenheit, die Plakate intensiv zu betrachten, und dabei sind mir einige interessante Tendenzen aufgefallen. Auffällig präsent sind beispielsweise Leuchtfarben sowie Veredelungen und Effekte wie Silberdruck. Solche gestalterischen Mittel erzeugen eine starke visuelle Präsenz und ziehen die Aufmerksamkeit unmittelbar auf sich. Gleichzeitig gibt es als Gegenpol zahlreiche schwarz-weisse Arbeiten, die durch ihre Reduktion und Prägnanz überzeugen. Gerade dieser Kontrast macht den Reiz der diesjährigen Auswahl aus: Auf der einen Seite stehen hochkomplexe, künstlerisch verdichtete Arbeiten, auf der anderen Seite Plakate, die mit minimalen Mitteln eine starke Aussage erzeugen. Das erinnert mich an das Zitat des polnischen Grafikers Roman Cieślewicz: «Ein Plakat ist eine Idee, ein Wort, ein Zeichen.»
Letztes Jahr wurde ein neuer Rekord bejubelt: 63 der 100 ausgezeichneten Plakate kamen aus der Schweiz. Auch jetzt ist die Freude gross, denn das hohe Niveau konnte gehalten werden. Erneut entfallen deutlich mehr als die Hälfte der 100 besten Plakate auf Schweizer Gestalter:innen. Philip, wie erklärst du dir diese anhaltende Dominanz?
Die 62 ausgezeichneten Schweizer Gewinner:innen sind eine beeindruckende Zahl. Sie zeigt einmal mehr, wie stark das Schweizer Grafikdesign im Vergleich innerhalb der DACH-Länder aufgestellt ist, sowohl konzeptionell als auch gestalterisch und in der Umsetzung. Auch aus Sicht der Jury der «100 besten Plakate» fällt immer wieder auf, wie hoch die Ausführungs- und Druckqualität der Schweizer Plakate ist. Oft stimmt hier einfach alles – von der Idee über die Gestaltung bis hin zur Produktion.
Die Jury besteht aus namhaften Grafikdesigner:innen und Plakattheoretiker:innen.
Am Ende zeichnet die Jury nur 100 Plakate aus, und die Auswahl ist entsprechend streng. Jedes einzelne Kriterium wird intensiv diskutiert und bewertet. Die zentrale Frage lautet immer: Welche Arbeiten gehören wirklich zu den besten? Umso mehr freut es mich, dass sich die Schweiz in diesem Jahr erneut so stark präsentieren konnte. Das ist keineswegs selbstverständlich. Noch vor vier Jahren lag Deutschland bei den ausgezeichneten Arbeiten vorne. Interessant ist zudem, dass in der ersten Vorauswahl 2025 sogar mehr deutsche als Schweizer Plakate vertreten waren. Deshalb ist dieses Ergebnis ein schönes Zeichen für die anhaltend hohe Qualität des Schweizer Grafikdesigns.
Welche Themen und Botschaften prägen die diesjährige Auswahl?
Inhaltlich begegnen einem viele Kulturthemen sowie Kulturinstitutionen und deren Protagonist. Daneben sind gesellschaftliche und politische Themen stark vertreten, etwa Klimaschutz, soziale Bewegungen oder Positionierungen gegen Rechtsextremismus. Politische Plakate sind zwar präsent, dennoch würde ich mir wünschen, künftig noch mehr herausragende Arbeiten in diesem Bereich zu sehen. Plakate besitzen das Potenzial, Menschen zum Handeln zu bewegen, zur politischen Teilhabe zu motivieren oder gesellschaftliche Debatten anzustossen. Mit starken Konzepten und überzeugender gestalterischer Umsetzung könnten solche Themen noch stärker vertreten sein.
2026 feiert die Ausstellung «100 beste Plakate» ein Jubiläum. Was ist dazu geplant?
Zum 25-jährigen Jubiläum hat der Verein ein besonderes Projekt realisiert: die «100 Besten der 100 Besten». Aus sämtlichen Gewinnerplakaten der vergangenen 25 Jahre, rund 2500 Arbeiten, wurden nochmals die herausragendsten ausgewählt. Zu sehen ist diese Ausstellung in Berlin und China. Die ausgewählten Arbeiten stammen aus der gesamten Geschichte des Wettbewerbs, von frühen Gewinnerplakaten aus den 2000er-Jahren bis zu aktuellen. Persönlich freut es mich besonders, dass auch ein Projekt vertreten ist, an dem ich beteiligt war: das Alumni-Plakat für eine Veranstaltung im Sitterwerk St.Gallen, das 2016 für das Referat von Ralph Schraivogel und anschliessender Führung im Sitterwerk entstanden ist. Ausserdem ist auch Andreas Übele, früherer Gastdozent an der Schule für Gestaltung St.Gallen, vertreten. Für alle Beteiligten ist die Aufnahme in diese Auswahl eine besondere Auszeichnung. Zu den 100 besten Plakaten des Jahres zu gehören, gilt bereits als Ritterschlag. Die Aufnahme in die «100 Besten der 100 Besten» ist dann sozusagen die eigentliche Krönung.
Der Wettbewerb existiert in seiner heutigen Form seit 25 Jahren für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seine Geschichte reicht jedoch deutlich weiter zurück.
Ursprünglich wurde der Wettbewerb vor 66 Jahren in Ostdeutschland gegründet und konzentrierte sich zunächst auf dort entstandene Plakate. Später wurde er auf ganz Deutschland ausgeweitet und mit der Beteiligung der Schweiz und Österreichs schliesslich zum heutigen DACH-Wettbewerb weiterentwickelt. Zwar gibt es Gestalter:innen, die sich über die Jahre wiederholt durchsetzen, doch das liegt vor allem daran, dass sie zu den Besten ihres Fachs gehören und ihre hohe Qualität konstant unter Beweis stellen. Wer mehrfach ausgezeichnet wird, erhält diesen Erfolg nicht automatisch, sondern muss die Jury jedes Jahr aufs Neue überzeugen. Gleichzeitig zeigt die Geschichte des Wettbewerbs, dass selbst hervorragende Gestalter:innen nicht jedes Jahr unter den Gewinner vertreten sind.
Woran liegt das?
Manchmal hört man über mehrere Jahre hinweg nichts von ihnen, bevor sie später wieder in den Rängen auftauchen. Das hängt oft mit den Rahmenbedingungen zusammen: Welche Aufträge werden vergeben? Wie offen sind Kunden für neue und unkonventionelle Wege? Welche Budgets und zeitlichen Ressourcen stehen zur Verfügung? Viele herausragende Plakatideen entstehen erst dann, wenn genügend Spielraum für Experimente in Gestaltung, Fotografie, Druck oder Technik vorhanden ist.
Beginnend mit der Eröffnung im Kulturforum der Staatlichen Museen zu Berlin, setzt die Wanderausstellung ihre Reise durch die DACH-Länder sowie unter anderem in Seoul fort und endet im Museum für angewandte Kunst in Wien. Gibt es dieses Jahr neue Austragungsorte?
Neu wird sie in der Schweiz an der Schule für Gestaltung Basel gezeigt, in Deutschland in Offenbach und erstmals auch in China, genauer gesagt in Macao.Besonders spannend finde ich das grosse Interesse aus China. Dass sich ein Land ausserhalb des deutschsprachigen Raums so intensiv für diese Ausstellung interessiert, ist ein starkes Zeichen für die internationale Ausstrahlung und Qualität des Grafikdesigns aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die chinesischen Institutionen schätzen die hohe gestalterische Qualität und verfolgen die hiesige Plakatszene mit grossem Interesse.