«Glück auf!» – Bauführer erhalten Einblicke in den Untertagbau
Angehende Bauführer der Baukaderschule am GBS St.Gallen tauchten in reale Bedingungen des Untertagbaus ein. Bei der Besichtigung des VeruchsStollen Hagerbach befassten sie sich mit Spritzbeton sowie Tunnel-Sicherheitssystemen und erlebten eine Sprengung.
«Glück auf!» Dieser traditionelle Gruss der Bergleute begegnete den angehenden Bauführern im VersuchsStollen Hagerbach. Im Untertagbau arbeitet zwar keiner der Studierenden, beruflich daheim fühlen sie sich im Hoch- und Tiefbau. Dennoch kennen alle die Heilige Barbara.
Die Schutzpatronin der Bergleute begleite auch die Studierenden der Baukaderschule St.Gallen. Auf dem Programm standen eine Führung durch das rund fünf Kilometer lange Stollensystem, eine Spritzbetonvorführung im Massstab 1:1 sowie die Besichtigung der Betonanlage. Student Sandro gefiel es: «Für den Tunnelbau habe ich mich schon immer interessiert.» Während der Führung galt seine Aufmerksamkeit unter anderem der Messtechnik im Gotthard-Basistunnel. Dort bestimmten Vermessungsingenieure mit hochpräzisen elektronischen Tachymetern die Hauptpunkte im Tunnel.
Die Kraft einer Sprengung
Student Simeon schätzt den Praxiseinblick: «Man sieht 1:1, was im Untertagbau alles möglich ist.» Den grössten Mehrwert des Studiums sieht er im Austausch mit Mitstudierenden und Dozierenden sowie in den praxisnahen Einblicken. Von den verschiedenen Erfahrungen aus dem Berufsalltag kann auch Sandro profitieren. Er entschied sich für die Weiterbildung, weil er verstehen wollte, welche Arbeiten und Abläufe im Büro anfallen. «Zudem lernen wir im Unterricht viel über Organisation und den Umgang mit den Mitarbeitenden», sagt Sandro.
Ein bleibendes Erlebnis für die Bauführer-Klasse des Jahrgang 2026 bis 2028 war die Demonstrationssprengung im VersuchsStollen Hagerbach. Dabei handelt es sich um eine sichere Auflegersprengung mit echtem Dynamit. Obwohl kein Gestein herausgebrochen wird, ist die Wucht der Explosion deutlich spürbar: Eine kräftige Druckwelle rollte durch den Stollen.
Von nationaler Bedeutung
Zum Auftakt der Exkursion in Flums begrüsste Geschäftsführer Michael Kompatscher die Bauführer. «Wir entwickeln heute Lösungen, die in 50 Jahren relevant sein werden. Dafür braucht es einen geschützten Forschungsraum. Hier fehlt der Druck, den ihr von der Baustelle her kennt», erklärte er. So können Produkte weiterentwickelt, nachhaltiger gemacht und Geräte unter realen Bedingungen optimiert werden.
Seit 1970 dient der VersuchsStollen Hagerbach als Testumgebung für Forschung und Entwicklung. Das eigene Baustoffprüflabor gibt es seit 1984. Letztes Jahr hat der Bundesrat den VersuchsStollen Hagerbach offiziell als Forschungsinfrastruktur von nationaler Bedeutung anerkannt.
Heute arbeiten Hochschulen, Industrie und Fachleute gemeinsam an Themen wie innovativen Baustoffen, CO₂-Speicherung, Wasserstofftechnologien und Digitalisierung. Ebenso erforscht wird die Nutzung des unterirdischen Raums für Energie, Logistik und sogar zukünftige Raumfahrtmissionen.
Welche Betonmischung eignet sich im Brandfall?
Ernst Gloor übernahm die Führung durch den Stollen, der rund fünf Kilometer lang ist. Ein Schwerpunkt dabei war die Sicherheit im Tunnelbau. Die verheerenden Brände im Mont-Blanc-Tunnel (1999) und im Gotthard-Strassentunnel (2001) haben die Entwicklung von Sicherheitskonzepten beschleunigt. Im VersuchsStollen Hagerbach wurde ein hochhitzebeständiger Spezialbeton entwickelt und getestet, der Tunnelbränden mit Temperaturen von bis zu 1350 Grad Celsius während zwei Stunden standhält.
Herkömmlicher Beton hingegen kann bei extremer Hitze schwere Schäden erleiden: Das im Beton eingeschlossene Wasser verdampft, erzeugt einen hohen Innendruck und lässt die Oberfläche abplatzen. Dadurch kann die Stabilität des Bauwerks erheblich beeinträchtigt werden. Allein dieses Beispiel machte den Studierenden deutlich, welche Bedeutung Forschung und Entwicklung für den Untertagbau von heute und morgen haben.