Hoch hinaus: An der «bewusst Sein»-Premiere gemeinsam gewachsen
Bewusst erleben, bewusst handeln, bewusst zusammen unterwegs: An der erstmals durchgeführten Themenwoche «bewusst Sein» am GBS St.Gallen erlebten rund 1200 Lernende im ersten Lehrjahr eine äusserst abwechslungsreiche Zeit. In insgesamt 16 Workshops standen mentale, körperliche und soziale Gesundheit im Mittelpunkt.
Während der «bewusst Sein»-Woche sahen sich die Lernenden mit kniffligen Aufgaben konfrontiert: Im Workshop Kooperationsspiele bauten sie beispielsweise aus Spaghetti einen möglichst hohen Turm, der oben mit einem Marshmallow abschloss. In der Natur kochte eine andere Klasse gemeinsam über dem Feuer und baute einen Klappstuhl (Workshop Erlebnis Wald 1).
Während den vielfältigen Workshops von A wie Atemtechnik und Y wie Yoga machten sich die Lernenden ebenso viele Gedanken: Wie gehe ich mit Stress um? Was tut meiner Gesundheit gut? Weshalb lohnt es sich, die Welt manchmal etwas bewusster wahrzunehmen?
Lachen vereint
Die Idee zur neuen Themenwoche am GBS St.Gallen entstand aus einem Bedürfnis von Berufskunde- und Allgemeinbildungslehrpersonen. Die Lernenden sollten direkt nach dem Ausbildungsstart genügend Zeit erhalten, sich mit Themen wie Gesundheit, Respekt, Teamgeist und Achtsamkeit auseinanderzusetzen.
Für Mitorganisator Reto Künzli vom ABU-Leitungsteam ist der Mehrwert klar: «Wir erleben sehr schöne Momente ausserhalb des Schulzimmers. Es macht Freude, die Lernenden Lachen zu sehen und miteinander unterwegs zu sein. Die Lehrpersonen erleben und spüren ihre Klasse zudem zu einem frühen Zeitpunkt der Ausbildung von einer ganz anderen Seite.»
Sozialberatung KSB: Reden hilft
Die positive Stimmung und die aktive Beteiligung der Lernenden zeigen, dass das Programm ankam. Jeden Morgen begann die Themenwoche zudem mit einem gemeinsamen Einstieg in der Aula. Dort stellte sich unter anderem die Sozialberatung KSB vor und machte auf ihr vertrauliches Unterstützungsangebot aufmerksam. Wer bei beruflichen, schulischen sowie privaten Herausforderungen nach Lösungen sucht, darf beim Team der Sozialberatung KSB einen kostenlosen Termin vereinbaren.
Anschliessend wurden die Workshops besucht. Maksmiljan, Lernender Informatiker EFZ Applikationsentwicklung, nahm mit seiner Klasse am Vormittag an der Fitnesstrendsportart Hyrox teil. Neben der körperlichen Leistung standen Teamgeist, Motivation und gegenseitige Unterstützung im Mittelpunkt.
Am Nachmittag besuchten die Informatiker:innen den Workshop «ready4life» der Lungenliga OST und beschäftigten sich mit den Auswirkungen von Stress auf Körper und Psyche. Auch der Umgang mit Social Media wurde kritisch hinterfragt. Maksmiljan nahm dabei wertvolle Erkenntnisse mit: «Ich habe viele spannende Informationen mitgenommen – zum Beispiel zu Depressionen, dem Hormon Melatonin sowie dazu, wie Bildschirmzeit und Blaulicht unseren Schlaf beeinflussen können.»
Die Sinne geschärft
Während der Themenwoche standen Erlebnisse im Vordergrund. Beim Workshop «Aus Liebe zum Essen» von foodwaste.ch rotierten die Lernenden in Gruppen zwischen thematischen Tischen und diskutierten, wie sie bereits beim Einkauf Food Waste vermeiden können, wie sie Lebensmittel optimal aufbewahren und was die Haltbarkeitsdaten wirklich bedeuten. Nach dem sie Schokolade und Vollkorn-Kracker degustierten, erklärten die Workshop-Leiterinnen Annekathrin Jezler und Miriam Buchmann den Jugendlichen, dass sie Lebensmittel meistens auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum problemlos essen können. Die Sinne sagen, ob das Lebensmittel noch gut ist oder nicht.
In einem weiteren Workshop zeigte Virgil Desax von Obvita zeigte eindrücklich, wie er als vollblinder Mensch seine Umwelt mit Hören, Tasten, Riechen und Schmecken wahrnimmt.
Laut und leicht – frech und frei
Mit viel Bewegung, Improvisation und Humor tauchten die Klassen im Workshop «laut und leicht – frech und frei» in die Welt der Stimme ein. Die ABU-Lehrpersonen Anja Venter und Bertolt Specker zeigten, wie Stimme entsteht, weshalb Atmung und Körperhaltung wichtig sind und wie man verständlich und selbstbewusst auftritt. Dabei wurde den Lernenden schnell klar: Die Stimme entsteht nicht nur im Hals, sondern im ganzen Körper.
Positive Rückmeldung seitens der Lernenden
Wie nah ist zu nah? Eine klare Antwort darauf hat Andreas Hartmann, der während der «bewusst Sein»-Woche durch den Workshop Selbstbehauptung führte: «Wenn du merkst, dass dir jemand zu nahekommt, darfst du reagieren und deine Grenzen klar zeigen.» Bei Andreas Hartmann stärkten die Lernenden mit praktischen Übungen, Reflexionen und Gruppenerfahrungen ihr Bewusstsein für sich selbst und für einen respektvollen Umgang mit anderen.
In den Wald konnte eine Klasse angehender Bäcker:innen-Konditor:innen-Confiseur:innen EFZ. Für Timea als Pfadfinderin war der Workshop «Erlebnis Wald» bei Erlebnispädagoge Pascal Haltiner von fajro.ch ein Heimspiel. Timea gefiel es, dass gezeigt wurde, dass der Wald mehr zu bieten hat, als allgemein angenommen. Gesucht wurde für ein Parfüm nach den besten Düften im Wald und mit Seilen wurden Waldschaukeln gebaut. Timea schätzte besonders die gemeinsame Zeit mit den anderen Lernenden: «Ich finde es gut, dass wir in Gruppen eingeteilt werden, weil man so auch andere aus der Klasse besser kennenlernt.»
Tibor, Lernender Applikationsentwicklung, sagte nach dem besuchten Workshop «ready4life»: «Ich finde Inputs zur Stressbewältigung wichtig, weil man dabei Dinge lernt, die im normalen Unterricht nicht unbedingt vorkommen.» Besser könnte das Fazit zur Premiere der Themenwoche «bewusst Sein» am GBS St.Gallen nicht ausfallen.