Neue Berufslehre für Fachfrau/Fachmann Servicetechnik Haushaltgeräte EFZ nimmt Form an
Die Schweiz soll eine neue Berufsausbildung erhalten: Fachfrau/Fachmann Servicetechnik Haushaltgeräte EFZ. Vertreterinnen und Vertreter aus Verband, Betrieben, Schulen, Kantonen und dem Bund arbeiten derzeit gemeinsam an der Entwicklung des neuen Berufsbildes. Christof Rietmann, Fachbereichsleiter am GBS St.Gallen, bringt seine Erfahrungen ein.
Ab August 2029 sollen die ersten Fachfrauen und Fachmänner Servicetechnik Haushaltgeräte EFZ ausgebildet werden. Der Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz geht davon aus, dass ein jährlicher Bedarf von rund 200 Fachfrauen und Fachmänner Servicetechnik Haushaltgeräte besteht. Schliesslich sind in Schweizer Haushalten mehr als 20 Millionen Elektrogrossgeräte im Einsatz. Damit diese möglichst lange genutzt werden können, braucht es Fachpersonen, die Geräte installieren, warten und reparieren. Genau hier setzt die neue Ausbildung an. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf Haushaltsgrossgeräten; Kleingeräte werden ergänzend berücksichtigt», erklärt GBS-Fachbereichsleiter Christof Rietmann.
Er war an den bisherigen acht Treffen vom Team für Berufsentwicklung beteiligt, die aus etwa 20 Personen besteht. Ebenso wichtig sei für das neue Berufsbild der direkte Kontakt mit Kundinnen und Kunden: «Die Servicetechniker:innen arbeiten vorwiegend auswärts, insbesondere bei Privatpersonen und Liegenschaftsverwaltungen. Deshalb gehört der Umgang mit unterschiedlicher Kundschaft klar zur Ausbildung.»
Entwerfen, überprüfen und optimieren
Der FEA, Fachverband der Schweizer Haushaltgerätebranche, hat das Projekt initiiert und treibt die Entwicklung der neuen beruflichen Grundbildung gemeinsam mit Branche, Bund und Kantonen voran. Laut FEA-Präsidentin und Ständerätin Tiana Moser stärkt die neue Ausbildung den ökologischen Gedanken. Schon früh habe die Haushaltsgerätebranche das Kühlschrankrecycling organisiert und fördere die Kreislaufwirtschaft durch Ersatzteilbewirtschaftung und Reparatur von Geräten.
Die Entwicklung eines neuen Berufsbildes ist komplex und verlangt breite Zusammenarbeit. Die Steuergruppe ist breit abgestützt: Neben dem FEA und Branchenvertretern wie V-ZUG und FORS sind auch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI sowie die Kantone bzw. die Schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) eingebunden. Christof Rietmann berichtet: «In den Meetings wurden die Bildungsinhalte gemeinsam erarbeitet. Wir haben definiert, welche Handlungskompetenzen Lernende in den drei Lehrjahren erwerben sollen.» Dabei sei intensiv diskutiert worden. Zuerst wurden in kleineren Gruppen Entwürfe mit Themenfeldern erarbeitet, die anschliessend im Plenum überprüft und optimiert wurden.
Artikel 15 der Niederspannungs-Installationsverordnung
Dabei konnte das GBS St.Gallen einen wichtigen Beitrag, dank den vorhandenen Erfahrungen aus verwandten Berufen, leisten. Etwa aus den Bereichen Multimediaelektronik, Elektroinstallation, Automation oder Kältetechnik. «Wir bilden am GBS St.Gallen bereits viele der geforderten Kompetenzen aus», erklärt Chirstof Rietmann. «Neu hinzu kommen vor allem die sogenannten Nassgeräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler.»
Auch der Austausch mit den GBS-Lehrpersonen Mathias Spreiter und Christoph Brügger aus den Kälteberufen sei wichtig gewesen. Die Kältesystem-Monteure:innen EFZ absolvieren zum Beispiel während der Berufsausbildung die Fachprüfung, um elektrische Geräte fachgerecht anschliessen zu dürfen. Auch die Steuergruppe des neuen Berufsbilds Fachfrau/Fachmann Servicetechnik Haushaltgerät EFZ warf ein Augenmerk auf Artikel 15 der Niederspannungs-Installationsverordnung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI). «Wir haben uns dafür entschieden, dass die Fachfrauen und Fachmänner Servicetechnik Haushaltsgerät während der Ausbildung die nötigen Kompetenzen erwerben sollen, damit sie nach dem Qualifikationsverfahren prüfungsreif sind», so Christof Rietmann.
Schulstandort in Olten
Die Frage nach der Dauer der Ausbildung wurde intensiv diskutiert. Während verwandte Elektroberufe meist vier Jahre dauern, entschied sich die Steuergruppe für eine dreijährige Lehre mit eineinhalb Schultagen pro Woche im ersten Lehrjahr. «Ich habe Stundenpläne verwandter Berufe verglichen und mich dafür eingesetzt, dass für die Vielzahl an Geräten genügend Unterrichtslektionen zur Verfügung stehen», sagt Christof Rietmann. «Der Kompromiss war ein zusätzlicher halber Berufsschultag im ersten Lehrjahr.»
Der Start der neuen Ausbildung ist für Sommer 2029 geplant. Zunächst soll es schweizweit einen Schulstandort geben: die Gewerblich-Industrielle Berufsfachschule in Olten. «Lieber starten wir an einem Ort mit genügend angehenden Fachfrauen und Fachmänner Servicetechnik Haushaltgeräte EFZ, als später Standorte wieder schliessen zu müssen», erklärt Christof Rietmann. Das GBS St.Gallen hat sich als zusätzlicher Ausbildungsstandort bereits beworben.