Niki de Saint Phalle: Hängen diese Plakate bald am Bahnhof Solothurn?
Von der Zwischenpräsentation bis zur Schlusspräsentation haben die Studierenden der Schule für Gestaltung St.Gallen jedes Detail hinterfragt. Im Rahmen ihres Studiums Visuelle Gestaltung HF haben sie ihre Semesterarbeiten fokussiert, geschärft und ihre Ideen auf den Punkt gebracht. Künstler wie Banksy, Jean-Michel Basquiat oder Niki de Saint Phalle hätten ihre Freude daran.
Zum Abschluss des ersten Jahres ihrer berufsbegleitenden Weiterbildung widmeten sich die Studierenden der Visuellen Gestaltung HF dem Thema «Design Hero». Nach der Recherche über die Künstlerin oder den Künstler gestalteten die Studierenden acht verschiedene Werbemittel: ein F12-Plakat, ein F4-Plakat, ein Mini-Plakat, einen A5-Flyer, ein halbseitiges und ein viertelseitiges Inserat, ein Lanyard sowie eine 2 × 2 Meter grosse Fahne.
Marion und Maryna befassten sich zum Beispiel mit Niki de Saint Phalle. Nach der Zwischenpräsentation merkte Lehrgangsleiterin Maike Hamacher an, dass die beiden Studentinnen auf die berühmtesten Kunstwerke der französisch-schweizerische Künstlerin zu wenig eingegangen waren.
Fröhliche Nanas
Gemeint sind die Nanas, mit denen Niki de Saint Phalle ab Mitte der 1960er-Jahre ein neues Frauenbild zeigte: lebensfroh, stark und selbstbewusst. Maryna und Marion nahmen die tanzenden und farbenfrohen Frauenfiguren auf. Auf dem finalen Plakat für die fiktive Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn wurden die Nanas aus den Buchstaben herausgeschnitten. Die Schrift «Gill Sans» eignete sich ideal dafür.
Nach der Abschlusspräsentation lobten die Mitstudierenden, dass das Plakat die Fröhlichkeit der Nanas überzeugend transportiere.
«The Modena Paintings»
Dominic und Cedric blätterten für ihre Semesterarbeit in mehreren Büchern über Jean-Michel Basquiat. Ihre ganze Aufmerksamkeit erhielt letztlich der Ausstellungskatalog «The Modena Paintings», der 2023 anlässlich der Ausstellung in der Fondation Beyeler herausgegeben wurde.
In einer ersten Entwurfsphase fragten sich Dominic und Cedric, wie ihr Veranstaltungsplakat keine Zweifel darüber aufkommen lässt, dass es sich auf die acht grossformatigen Werke bezieht, die Jean-Michel Basquiat im Sommer 1982 innerhalb weniger Tage in Modena für eine geplante Einzelausstellung anfertigte. Die beiden Studierenden wollten verhindern, dass die Besucher:innen andere Gemälde des Amerikaners erwarten könnten.
«I wanted to be a star, not a gallery mascot»
Zuerst spielten sie mit dem Begriff «verloren», weil die Ausstellung gar nicht zustande kam. Ebenfalls überlegten sie sich, das Zitat «I wanted to be a star, not a gallery mascot» zu verwenden («Ich wollte ein Star sein, kein Galeriemaskottchen.»). Basquiat strebte nach künstlerischer Freiheit und wollte nicht für Marketingzwecke auf die Rolle des jungen, exotischen Stars reduziert werden.
Für die Zwischenpräsentation spielten Cedric und Dominic dann mit der Idee, für jedes der acht Werke ein eigenes Plakat zu entwerfen. Im Gespräch mit der Lehrgangsleitung um Maike Hamacher und Roland Stieger wurde angeregt, die acht Gemälde auf die acht Werbemittel zu verteilen.
An der Abschlusspräsentation zierte ein Ausschnitt von Basquiats «Untitled (Devil)» eines der Plakate. Mit einer Grösse von rund 2,40 × 5 Metern ist das Gemälde das grösste der Modena-Serie. Typisch für Jean-Michel Basquiat wurde die Farbe mit viel Energie und in mehreren Schichten aufgetragen. Cedric und Dominic hatten die Schmunzler auf ihrer Seite, als sie den expressiven Malstil augenzwinkernd als «grosses Geschmiere» bezeichneten.