Openair St.Gallen: Strom für eine Stadt auf Zeit
Die Infrastruktur des Openair St.Gallen im Sittertobel ist aussergewöhnlich: Jahr für Jahr entsteht dort mitten in einem Naturschutzgebiet eine temporäre Kleinstadt, wie man sie in der europäischen Festivallandschaft kaum ein zweites Mal findet. Automatiker:innen EFZ und Automatikmonteur:innen EFZ haben sich am Ort umgesehen, wo Ende Juni täglich gegen 30'000 Menschen feiern werden.
Wenn Nina Chuba am Openair-Samstag ihren Hit «Wildberry Lillet» auf der Sitterbühne zum Besten gibt, dann sind alle Scheinwerfer auf sie gerichtet und die Bässe vibrieren. Gleichzeitig sind an den Verpflegungsständen die Fritteusen im Dauereinsatz, während Getränke in grossen Mengen gekühlt werden. Da ein Festival wie das OpenAir St.Gallen enorme und stark schwankende Stromlasten verursacht, müssen Lastspitzen zuverlässig abgefangen werden.
«Wir bauen in wenigen Wochen eine Stadt für vier Tage», erklärt Marcel Büchler, technischer Leiter der gesamten Elektroinstallationen auf dem Festivalgelände. Automatikmonteur Besar ist begeistert vom Aufwand, der jährlich fürs Openair geleistet wird. Vor diesem Ausflug hätte er seinen Beruf gar nicht mit dem Musikhighlight in Verbindung gebracht. «Solche Exkursionen geben einen spannenden Einblick und sind abwechslungsreich», sagt Besar.
Stabiles Netzwerk steht zur Verfügung
Automatiker:innen programmieren, überwachen und optimieren Steuerungs- und Energiemanagementsysteme. Diese verteilen den Stromverbrauch intelligent, reduzieren Lastspitzen und verhindern so Netzüberlastungen oder Ausfälle. Deshalb war es für die drei Klassen im ersten Ausbildungsjahr besonders spannend, während der QV-Woche gemeinsam mit den Automatikmonteur:innen EFZ einen Ausflug ins Sittertobel zu unternehmen. In Gruppen wurden das Openair-Gelände sowie die zwei Wasserkaftwerke an der Sitter, Burentobel und Grafenau, besichtigt.
Automatiker Luciano fand die Infrastruktur unterhalb der Sitterbühne mit der benötigten Trafostationstechnik am spannendsten. Marcel Büchler erklärte den Lernenden, dass mit Stromverteilern von 32 oder sogar 125 Ampere sichergestellt wird, dass weder Kühlschränke noch die IT-Infrastruktur im entscheidenden Moment den Geist aufgeben. Über Netzwerk-Switches wird jede einzelne Kasse an das festivaleigene Netz angeschlossen. Dadurch läuft das Cashless-Bezahlsystem an jedem Stand.
125-Ampere-Anschluss für den Day Dance
Da der Sittertobel-Kessel nur über begrenzte Zufahrtswege verfügt, ist die Logistik des Auf- und Abbaus eine Meisterleistung. Marcel Büchler erklärte den Lernenden auch, dass für den Day Dance ein 125-Ampere-Anschluss gebraucht wird. Die Stromkabel zur Fläche des Day Dance sind unter dem Festivalboden verlegt. Doch wie findet man die vergrabenen Leitungen im nächsten Jahr wieder, wenn im Sittertobel längst wieder Kühe grasen? Die exakte Position beim Verlegen via GPS-Koordinaten eingemessen.
Die Geschichte des Openairs St.Gallen
Vor zwei Jahren hielt Polygraf Manuel Thoma die Entwicklung des renommierten Musikfestivals fest. Im Dokumentationsfilm für seine Vertiefungsarbeit im Allgemeinbildenden Unterricht blickt er auf die Zeit zwischen 1977 und 2023 zurück. Er führte Interviews mit dem heutigen Festivaldirektor Christof Huber und mit Festivalgründer Freddy Geiger.