Trockenmauerwoche im Naturpark Beverin: Maurer arbeiten in der Berg-Idylle
Eine Woche lang tauschten sechs Maurer EFZ und EBA des GBS St.Gallen die gewohnte Baustelle gegen die eindrückliche Berglandschaft des Naturparks Beverin. Robin zeigt sich begeistert: «Es ist eine mega coole Erfahrung. Wir bauen hier Trockensteinmauern – etwas, das wir auf der Baustelle nicht jeden Tag machen. Und die Aussicht hier oben ist wunderschön.»
Nur das Bimmeln der Kuhglocken und ab und zu ein Windstoss durchbrechen die Idylle. Auf über 1800 Metern über Meer, knapp oberhalb der Baumgrenze, errichteten die Lernenden eine Trockenmauer, die einen Alpweg sichert. Die bestehende Stützmauer war zuvor bis auf die Fundamentsteine zurückgebaut worden und musste fachgerecht wiederhergestellt werden. «Unsere Arbeit ist sehr wertvoll», erklärt Sven Pfändler, Fachbereichsleiter Maurer:-innen EFZ/EBA am GBS St.Gallen. «Ohne diese Stützmauer würde der Weg dem Hang zum Opfer fallen. So bleibt die Zufahrt erhalten und der Bauer kann die Alp weiterhin bewirtschaften.»
Die Trockenmauerwoche des GBS St.Gallen im Naturpark Beverin fand zum zweiten Mal statt. Gemeinsam mit Fabian Freuler vom Naturpark Beverin, Trockenmauer-Spezialist Karl Gerber von felsenfalter.ch und Sven Pfändler lernten die Maurer das traditionelle Trockenmauer-Handwerk kennen.
Handwerk, das bleibt
Trockenmauern werden ohne Mörtel gebaut. Jeder Stein muss sorgfältig ausgewählt und präzise gesetzt werden. Genau diese Verbindung von Theorie und Praxis machte die Spezialwoche für die Lernenden besonders spannend. Für Robin, der seine Lehrabschlussprüfung vor wenigen Wochen abgeschlossen hat, besteht die grösste Herausforderung darin, die passenden Steine zu finden: «Am Anfang geht es darum, wie genau man die Steine setzt.»
Dass der Maurerberuf sichtbare Resultate liefert, gefällt Robin: «Am Abend sieht man, was man gemacht hat. Man ist draussen, kann die Natur geniessen und körperlich arbeiten.» Auch Lars aus dem ersten Lehrjahr schätzt die Vielseitigkeit seines Berufs: «Mir gefällt, dass man viel Bewegung hat, draussen ist und immer wieder Neues lernt.» Während der Trockenmauerwoche habe er gelernt, dass nicht jeder Stein einfach verwendet werden kann, damit es schöne Fugen gibt. «Wir können nicht einfach jeden Stein nehmen», sagt er.
Wertvolles Kulturgut erhalten
Zu Beginn der Woche hielt Fabian Freuler, Projektleiter Natur, Landschaft und Arbeitseinsätze sowie stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks Beverin, einen Vortrag über die Region. Er freut sich, dass die Lernenden gekommen sind: «Angehende Maurer können mauern, das merkt man an der Qualität. Die Teilnehmenden unterstützen die Berglandschaften und helfen mit, wertvolles Kulturgut zu erhalten.» Gleichzeitig kann den Lernenden während ihres Einsatzes die Region nähergebracht werden.
Trockenmauern gehören zur Kulturlandschaft des Naturparks Beverin und tragen zum Landschaftsbild bei. Die Projekte werden sorgfältig ausgewählt. «Wir priorisieren die Aufträge nach verschiedenen Faktoren», erklärt Fabian Freuler. «Dazu gehören beispielsweise der historische Wert oder die Lage an viel begangenen Wanderwegen. Beim aktuellen Projekt braucht der Bauer diese Strasse, um die Alp zu bewirtschaften.»
Mehr geschafft als geplant
Bereits seit mehreren Jahren arbeitet der Naturpark Beverin mit der Baugewerblichen Berufsschule Zürich zusammen und macht dabei gute Erfahrungen. Die Projekte für die Berufsfachschulen lassen sich gut ein Jahr im Voraus planen. Da die sechs GBS-Lernenden – vier Maurer EBA sowie zwei Maurer EFZ – rasch vorankamen, konnten sie sogar einen zweiten Landwirt unterstützen. Zuerst musste die beschädigte Mauer zurückgebaut werden, bevor mit dem Wiederaufbau begonnen werden kann.
Zum Abschluss der Sonderwoche erhielten alle Teilnehmenden ein Zertifikat, das ihre erworbenen Kompetenzen im Trockenmauerbau dokumentiert.