Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen

24.05.2022

# GBS Allgemein

"Digital 2nd life" ein GBS-Projekt an der Matex Academy, Gambia

Daniel Brülisauer
ICT System Ingenieur, GBS St.Gallen
Lesezeit

Die Ostertage vom 14. bis am 20. April 2022 verbrachte Daniel Brülisauer, ICT System Ingenieur, GBS St.Gallen in Gambia um Laptops und iPads in einer Schule zu installieren. 

Matex Academy, Gambia
Matex Academy, Gambia
Matex Academy, Gambia
Matex Academy, Gambia
River Delta, Gambia
Mangroven, Gambia
Gambia
Gambia

Angekommen am Internationalen Flughafen, der von der Grösse her etwa dem Flughafen Altenrhein entspricht. Ein Rollfeld, zwei Flugzeuge und zwei Aussentreppen zum Aussteigen auf das Vorfeld. Lustig war, dass ein Flughafenbus vor dem Flugzeug wartete. Bis alle Fluggäste dann schlussendlich ausgestiegen waren, dauerte es eine Weile. Der Bus fuhr eine Schlaufe und stoppte beim Ankunftseingang. Der Eingang war ca. 100 Meter Luftlinie vom Flugzeug, also eine Streckedistanz, die auch absolut gut zu Fuss zu meistern gewesen wäre. Da nun alle gleichzeitig aus dem Bus stiegen, kam es zum Stau bei der Zertifikatskontrolle. Das Reisegepäck wurde bei der Einreise gescannt und ich wurde gleich in einen Nebenraum befördert, wo es ums verzollen der Einfuhr ging. Ich habe darauf hingewiesen, dass ich 5 Laptops und 3 iPads dabei habe. Der Beamte begleitete mich dann nach draussen zu einem Plakat, auf dem die zur Einfuhr erlaubten Gegenständen aufgelistet waren. Dort war erwähnt, dass nur jeweils 1 Computer pro Person in Land eingeführt werden darf. Der Beamte vergewisserte sich, dass ich diese Mitteilung auch wirklich verstanden hatte. Zurück im Raum begann sein Kollege schon die Quittung für die Verzollung zu schreiben. Daraufhin habe ich erklärt, wofür die Computer verwendet werden und habe den Zollbeamten das entsprechende Schreiben der Gambischen Botschaft gezeigt. Dieses Dokument hat den Zollbeamten aber mitnichten beeindruckt. Daraufhin habe ich den Projektbeschrieb des GBS St.Gallen gemeinsam mit einer Proformarechnung mit Stempel und Unterschrift vorgezeigt. Diese Dokumente hatte ich vor meiner Abreise für alle Fälle noch ausgedruckt. Der Zollbeamte zeigte die Dokumente seinem Vorgesetzten was dazu führte, dass ich ohne weiteres vom Zoll entlassen wurde. 

Draussen wurde ich von Samuel, meinem persönlichen Fahrer, empfangen und ins Guesthouse gefahren, wo ich diesen Tag dann auch beendete. 

Am Freitagmorgen wurde ich um 10:30 Uhr abgeholt und die Fahrt sollte 30 Minuten dauern. Wir steckten aber im Stau fest, da ein Sattelschlepper voll mit Reissäcken beladen, gekippt ist. Wir kamen also erst um 13:00 bei der Schule an. Also wurden aus den erwarteten 30 Minuten schlussendlich 150 Minuten.

Die Schule war wegen den Frühlingsferien (Ramadan) zwar geschlossen, aber etwa 30 Schüler und die Lehrer wurden extra aufgeboten um mich zu empfangen. Nach zwei Willkommensliedern und der Begrüssungsrede eines Schülers wurde ich ins Klassenzimmer gebeten. Alle Schüler nahmen Platz und ich installierte vor aller Augen notdürftig die Laptops, Dockingstations und Netzkabel. Eine Steckerleiste mit englischem Stecker hatte ich in weiser Voraussicht schon zuhause vorbereitet, so dass wir alle Rechner am Strom anschliessen und starten konnten. Es war mucksmäuschenstill im Schulzimmer und alle Kinder starrten wie gebannt auf die Bildschirme. Um diese Stille zu überbrücken habe ich spontan eine freie Rede gehalten über die Wichtigkeit der Bildung, das GBS St.Gallen und die Berufe die wir ausbilden und herzliche Grüsse vom Rektor überbracht. Ich überreichte dann noch die Give-Aways Geschenke vom GBS St.Gallen und Süssigkeiten für die Kinder. Diese wurden jedoch nicht abgegeben, weil Ramadan war und die Schule keine Probleme mit den Eltern wollte.  

Anschliessend durfte ich noch das vorhandenen PC-Labor besichtigen. Sehr alte Rechner aber alle funktionsfähig mit Windows 7 und Windows 10. Da sie im PC-Labor über keinen Internetanschluss verfügen, werden die Updates usw. von der verantwortlichen Person zuhause heruntergeladen und dann auf die PC’s in der Schule aufgespielt. Die PC’s werden verwendet um die Grundkenntnisse der IT zu erlernen. Hardware und Software werden erklärt und das Schreibmaschinenschreiben geübt. Ebenfalls werden die Anwenderkenntnisse für Microsoft Office Programme geschult. Die Lehrperson hat einen eigenen Test zur Abfrage des Lerninhaltes erarbeitet und beim Bestehen der Prüfung erhält der Schüler/die Schülerein ein Zertifikat.

In einem anderen Schulzimmer wurde das Mittagessen für Samuel, meinen Fahrer, und mich aufgetischt. Der Direktor und seine Frau waren zwar beim Essen dabei, aber nur wir zwei hatten einen dampfenden Teller mit Reis, Pouletstücken und scharfer Gemüsesauce vor uns. Dazu je 1.5 Liter Wasser und je einen 1 Liter Fruchtsaft. Danach waren wir pappsatt. Wir haben die Verkablung der Laptops noch verbessert, bevor ich wieder ins Guesthouse gefahren wurde. Neben dem Guesthouse gab es ein mexikanisches Restaurant, wo ich das Abendessen genossen habe. Glücklicherweise konnte man dort in Dollar bezahlen, da ich noch über kein lokales Geld verfügte.  

Am nächsten Tag, nach einem selbstgemachten Frühstück, machte ich mich auf die Suche nach einem funktionierenden Geldautomaten, der auch wirklich Geld ausgab. Erst beim vierten Gerät war ich erfolgreich.  

Anschliessend wurde ich zur Schule gefahren, wo eine Art Training und Austausch mit der IT Lehrerin und einigen Lehrern stattfand. Wir haben gemeinsam Windows auf den PC’s aktiviert, Apple ID‘s erstellt und Apps heruntergeladen. Natürlich äusserten sie den Wunsch nach besseren HP all-in-one Geräten und wären auch in der Lage die Importgebühren zu übernehmen. Vielleicht besteht die Möglichkeit, mit Unterstützung des GBS St.Gallen, diesem Wunsch zu entsprechen.

Am späteren Abend, nach einem Kurzbesuch am tosenden Atlantik, war ich zurück im Guesthouse und koche mir mein Abendessen. Die zwei weiteren Tage habe ich genutzt um die Umgebung zu erkunden. In Begleitung eines Guide unternahm ich eine Flussfahrt auf dem Gambia River Delta und habe über die intakte Natur gestaunt. 500 verschiedene Vogelarten brüten in dem Sumpfgebiet und den Mangroven Wäldern. Austern wachsen an den Wurzeln der Mangroven. Der Fischbestand ist noch intakt.  

Gambia importiert fast alles. In den Export gehen Erdnüsse. Weiter landeinwärts ist der Öl- und Wirtschaftshafen, wo die Meerschiffe ihre Ladungen löschen. Wir können nur hoffen, dass es hier niemals zu einem Ölungllück kommt, welches diese wunderbare Naturlandschaft, die vielen Einheimischen ihr Einkommen sichert mit der Fischerei, dem Tourismus, dem Austernfang, nachhaltig schädigen würde. 

Am Dienstagabend flog ich via Paris wieder nach Hause in die Schweiz. 

Mein Fazit nach meinem Aufenthalt in Gambia:

  • Die Bevölkerung ist sehr freundlich und hilfsbereit, Ich habe mich jederzeit sicher gefühlt und konnte mich auch frei bewegen (im Gegensatz z.B. zu Südafrika) 

  • Die Bevölkerung spricht gut English und die Kommunikation ist einfach 

  • Die Infrastruktur (Strassen, Verkehrswege, Internet, Geldautomaten) im Land ist leider schlecht und verhindert ein wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung. Das Leben zu organisieren ist zeitaufwändig.

  • Innovation und Entwicklung wird oft durch private Initiativen angeschoben. Die staatlichen Institutionen sind nicht sehr fortschrittlich unterwegs. Die von mir besuchte Schule ist eine Privatschule. 

  • Trotz diverser Einschränkungen wird mit viel Engagement das Bestmögliche gemacht (z.B. Computerunterricht ohne Internet) 

  • Bestehende Projekte und Initiativen lohnen sich zu unterstützen. Essenziell wichtig ist die richtigen Ansprechspersonen zu finden und eine gute Kommunikation aufzubauen.  

  • Was sind die zukünftigen Skills die in Gambia in den nächsten 20-30 Jahren besonders benötigt werden und wie können Strukturen geschaffen werden um die Berufsbildung zu unterstützen? 

Daniel Brülisauer, ICT System Ingenieur, GBS St.Gallen