ABU-Kulturwochen: Plötzlich ist auf dem Ölgemälde eine Cola-Flasche
Mit verbundenen Augen durchs Kunstmuseum St.Gallen oder bei Rapper Kronov alle seine Gedanken in einen Song verpacken – die «Sonderwochen Kultur» des GBS St.Gallen boten erneut ein vielseitiges Kulturangebot. Die Lernenden loben das Spezialprogramm im Allgemeinbildenden Unterricht (ABU) mit seinen kreativen und unterhaltsamen Inhalten.
Findet den Fehler. Mehrere Minuten lang liess Kunstvermittlerin Nina Tschümperlin die Sanitärinstallateure EFZ das Werk von Thomas van Apshoven aus dem Jahr 1651 betrachten. Die Klasse konnte das Ölgemälde auf Kupferplatte der Stilrichtung Barock zuordnen. Da es im 17. Jahrhundert noch keine industriell hergestellten Farben gab, erkläre Nina Tschümperlin: «Der Künstler hat das Pigment manuell mit Öl verrührt. Die Farbe Königsblau musste beispielsweise aus einem kostbaren Gestein gewonnen werden. Damals war das preislich gleichzusetzen mit Gold.»
Das Gemälde gehört der Ausstellung «Sammlungsfieber» an, in welcher das St.Galler Kunstmuseum in mehrjährigen Präsentationen seine Bestände zeigt.
Kunstfälschung erkennen
Thomas von Apshoven bildet darauf eine Kunstkammer-Szenerie ab. Ein Raum voller Gemälde, Sammlungsobjekte und dem Maler David Teniers vor einer Staffelei. Dieses einem Wimmelbild ähnliche Kunstwerk war wie gemacht für den nachfolgenden Auftrag. Die Sanitärinstallateure suchten auf einer ausgedruckten Fälschung die Fehler und fanden nebst Mona Lisa auch eine Cola-Flasche.
Witzig war auch, als die Lernenden in Zweiergruppen eine Bildbeschreibung übten. Eine Person wurde mit verbundenen Augen durchs Kunstmuseum geführt und musste anschliessend erraten, welches Werk geschildert wurde.
Beatboxen, Tanz und Unizal-Schrift
Insgesamt 27 solcher Workshops standen den ABU-Klassen während der Kulturwochen zur Auswahl. Wie in den vergangenen Jahren bot beispielsweise die Tanzschule des Theaters St.Gallen zum Tanz und im Textilmuseum konnten eigene Modekreationen auf Papier gebracht werden. Neu war unter anderem der Workshop des Materialmarkts Offcut. Aus Restmaterialien liessen die Lernenden Bilder entstehen und setzten diese anschliessend in einen eigenen Kurzfilm um.
Im Stiftsbezirk machten sich die Klassen auf zu einem Rundgang zum Thema «Aufwachsen und Leben in einem Kloster» und lernten die Unizal-Schrift – mit Rohrfeder und Tinte.
Erstmals konnte auch der Workshop «Den Frauen auf der Spur» besucht werden. Dieser wurde vom Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz durchgeführt. Wer es mag, mit seiner Stimme zu experimentieren und zu singen, war einerseits beim Workshop «Beatboxen, Loopen und Circelsingen» von Alessandro Zuffellato an der richtigen Adresse.
Rappen zu Operngesang
Andererseits kam das Coaching von Rapper Kronov, alias Julian Konsulov, bei den Lernenden bestens an. «In einem Rap kann jede und jeder das ausdrücken, was in einem steckt», erklärte er den angehenden Elektroinstallateuren EFZ und den Unterhaltspraktikern EBA. Kronov selbst arbeitet derzeit gemeinsam mit seinem Vater an einem neuen Song. Darin rappt er zu den Opernklängen seines Vaters, Ivan Konsulov.
Wie kommt Kronov auf solche Ideen? «Für die schnelle Inspiration ist es immer gut, wenn ihr alles aufschreibt, was euch in den Sinn kommt. Packt alle Emotionen in einen Song», riet er den Lernenden.
Vom Begriff über das Reimwort zum Rap
Als Unterstützung empfahl der Rapper, eine Mindmap für die kreative Ideenfindung zu nutzen. Zudem zeigte er eine einfache Struktur, mit der sich ein Text Schritt für Schritt aufbauen lässt: Zuerst Begriffe zum Thema sammeln, dann Reimwörter suchen und schliesslich zwei Zeilen daraus formen. Sein Tipp: «Setzt die Reimwörter immer ans Ende des Satzes. Ein Beispiel mit euren Inputs: Wir träumen von Luxus, jedoch essen wir zuhause Couscous.»
Unterlegt mit dem passenden Beat machten sich die Lernenden daran, ihre eigene Story zu rappen, die von Anfang bis zu Schluss fesseln soll.