«Bauleiter/-innen sollen den Ansporn haben, sich weiterzuentwickeln»
Seine berufliche Laufbahn führte Kevin Monteleone mehrfach an die Schreinerstrasse 5 in St.Gallen. Nach der Berufsausbildung zum Maurer EFZ fand er zuerst aufgrund seiner Zweitlehre zum Hochbauzeichner EFZ zurück ans GBS St.Gallen und anschliessend besuchte er die berufsbegleitende Weiterbildung zum eidg. dipl. Bauleiter (Hochbau) an der Baukaderschule St.Gallen. «Mehrere Aspekte meines Berufs erfüllen mich, sowohl fachlich als auch persönlich», sagt Kevin Monteleone im Interview.
Kevin, was gefällt dir an deinem Job als Chefbauleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Forma Architekten AG?
Kevin Monteleone, Chefbauleiter Forma Architekten AG: Besonders befriedigend ist das Ergebnis unserer Arbeit – aus Plänen und Ideen entstehen konkrete Gebäude. Wir erschaffen Lebensräume, sei es ein Zuhause für eine Familie oder ein angenehmer Arbeitsplatz. Dieses sichtbare Resultat motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Ebenso schätze ich die Vielfalt der Kontakte. Ich arbeite mit unterschiedlichsten Menschen zusammen – von Bauherren und Architekten über Unternehmer bis hin zu Hilfsarbeitern. Dieser Austausch ist nicht nur bereichernd, sondern ermöglicht es mir auch, meinen Horizont zu erweitern. Auch die Verantwortung und die Herausforderungen in meinem Beruf faszinieren mich. Die Einhaltung von Qualitätsstandards, Terminen und Budgets ist anspruchsvoll. Der Druck kann gross sein, aber genau das macht die Arbeit spannend und erfüllend. Insbesondere, wenn am Ende alles zusammenpasst und die gesteckten Ziele erreicht werden.
Dahinter verbirgt sich viel Teamarbeit.
Ja, ein weiterer wichtiger Punkt in meinem Berufsalltag ist die Teamarbeit und das Zwischenmenschliche. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Parteien erfordert Fingerspitzengefühl und Kommunikationsstärke. Es bereitet mir Freude, gemeinsam mit meinem Team Lösungen zu finden. Wenn am Ende alle involvierten Personen zufrieden sind, weiss ich, dass sich die Arbeit gelohnt hat.
Welchen Nutzen hat die Weiterbildung an der Baukaderschule St.Gallen für dich?
Ich habe mich sowohl fachlich als auch persönlich stark weiterentwickelt. Mir wurde ein breites Spektrum an Fähigkeiten vermittelt, die für die Tätigkeit als Bauleiter wichtig sind. Einerseits lernte ich dank dem Unterrichtsinhalt viele technischen Grundlagen, andererseits habe ich dank unserem Berufsmix innerhalb der Klasse einiges mitbekommen.
In welchen Bereichen hast du dich persönlich weiterentwickelt?
Ich kann besser mit einer hohen Belastung umgehen. Damals besuchten wir Bauleiter an einem Abend unter der Woche und am Samstag die Schule. Daneben arbeitete ich Vollzeit. Diese intensive Zeit hat mir gezeigt, dass ich mit Druck umgehen kann und leistungsfähig sowie fokussiert bin. Dabei hilft mir meine Einstellung: «Nicht Jammern, sondern machen.» Vom Typ her nehme ich die Situation an, meistere sie, geniesse den Zwischenerfolg und mache weiter. Wenn es heute stressiger wird, dann sage ich mir, dass ich es während der Weiterbildung auch geschafft habe.
Was ist dir aus deiner Zeit während des Studiums in bester Erinnerung geblieben?
Die Zusammenarbeit mit den Studierenden und ganz allgemein den Zusammenhalt innerhalb der Klasse empfand ich als sehr positiv und spannend. Wir waren eine vielseitige Gruppe, die sich aus Baupolieren, Schreinern, Küchen- und Gartenbauern zusammensetzte. Von allen diesen Berufsgattungen und den verschiedenen Erfahrungen konnte ich mit meinen damals 23 Jahren profitieren. Da der Lehrgang im Jahr 2012 neu gestartet war, erinnere ich mich auch gut an die Entwicklung, die die Baukaderschule St.Gallen durchgemacht hat. Die Dozierenden verstanden immer besser, mit welchen Herausforderungen ein Bauleiter konfrontiert ist. Die Qualität des Unterrichts stieg kontinuierlich.
Welchen Ratschlag hast du für die Studierenden im Hinblick auf die Höhere Fachprüfung?
Ich lerne im Team besser als alleine. Wir haben während der Intensiv-Vorbereitungswoche und auch in der Freizeit wiederholt zusammengesetzt und uns ausgetauscht. Dabei haben wir uns gegenseitig abgefragt, Lösungen erarbeiten und uns gepusht. Das habe ich sehr geschätzt.
Ein Bildungsziel des Lehrgangs liest sich wahrscheinlich einfacher auf Papier, als es dann zu erarbeiten ist: «Die Weiterbildung befähigt Absolvierende, ihre Arbeit gegenüber dem Auftraggeber in technischer, ökonomischer, rechtlicher, ökologischer und ethischer Hinsicht zu verantworten.»
Natürlich gibt es gesetzliche Vorgaben und eine vorgeschriebene Vorgehensweise bei Einsprachen, aber vieles basiert auf gesundem Menschenverstand. Im Unterricht werden die Grundlagen vermittelt und Denkanstösse mitgegeben. Weil das Studium berufsbegleitend ist, kann ich das Gelernte direkt im Arbeitsalltag anwenden. Andererseits habe ich Schulthemen wie Ausschreibungen, Baustelleneinrichtung oder Terminplanung schon im Betrieb mitbekommen. Sowieso muss ein Bauleiter meiner Meinung nach auf dem aktuellsten Stand sein und den Drang haben, sich zu informieren und weiterzuentwickeln. Es sollte ein persönlicher Ansporn sein, über technische, ökologische und rechtliche Begebenheiten Bescheid zu wissen. Diese Aspekte kontrolliert ein Bauleiter und wünscht sich, dass sie so ausgeführt sind wie er und der Auftraggeber es gerne hätten.
Bei Forma Architekten legt ihr Wert auf die Aus- und Weiterbildung. Ein Mitarbeiter von dir besucht an der Baukaderschule St.Gallen den Lehrgang HF Bauplanung Studienrichtung Architektur und eine Mitarbeiterin hat dieses Diplom bereits erhalten.
Wir als Vorgesetzte gehen voran und ermutigen, eine Weiterbildung zu besuchen. Wir wollen nicht stehen bleiben. Deshalb nehmen Mitarbeiter von uns auch Einsitz in Bildungskommissionen oder korrigieren die QV-Abschlussprüfungen der Hochbauzeichner. Ich persönlich habe bei den Bauleitern auch schon die Prüfungen der Intensiv-Vorbereitungswoche auf die eidgenössische Diplomprüfung korrigiert. Diesen Juni schaue ich bei der Baukaderschule St.Gallen im Unterricht vorbei, um zu sehen, ob ich mein Wissen als Dozent weitergeben will und kann.