Baustoff-City Weinfelden: Baupoliere sehen, wie Baustoffkreisläufe funktionieren
Wann haben Baupoliere:innen während ihres intensiven Arbeitsalltags schon die Gelegenheit, hinter die Kulissen der modernsten Recyclinganlage für mineralische Bauabfälle der Ostschweiz zu blicken? Im Rahmen ihres Unterrichts «Umweltschutz auf der Baustelle – Baustoff- und Wertstoffkreislauf» besuchten die Studierenden der Baukaderschule St.Gallen die Baustoff-City in Weinfelden.
Erst vor drei Jahren wurde die nassmechanische Aufbereitungsanlage, ein Teilstück der Baustoff-City, in Betrieb genommen. Hier werden verschmutzte mineralische Materialien gewaschen, getrennt und aufbereitet. «Die Anlage wird aufgrund der sich verändernden Vorschriften und der neuen Technologien permanent weiterentwickelt», erklärt Martin Feldmann, Geschäftsführer der BRT Baustoff Recycling Thurgau AG. Künstliche Intelligenz soll die Sortierung künftig unterstützen, beispielweise von roten Zementrückständen und schwarzem Gestein aus Belägen.
Diese Optimierung bei der Materialsortierung weckte das Interesse von Student Michael. Über die Führung sagt er ausserdem: «Ich finde es wichtig zu verstehen, was hinter dem Baustoffrecycling steckt. Wenn mich jemand danach fragt, will ich es erklären können.»
Zurück in den Kreislauf
Auf dem Areal der Baustoff-City in Weinfelden betreibt die KIBAG neben der nassmechanischen Aufbereitungsanlage der BRT Baustoff Recycling Thurgau AG einen Recyclingplatz zur Trockenaufbereitung, ein Betonwerk zur Verwertung von Recyclingmaterial sowie eine Schlammaufbereitungsanlage. «Ziel ist es, mineralische Bauabfälle möglichst sortenrein aufzubereiten und als hochwertige Baustoffe wieder in den Kreislauf zurückzuführen», erklärte Martin Feldmann.
Die Exkursion machte die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen für die Studierenden nahbar. Tim hebt hervor, wie wertvoll es sei, die Theorie direkt in der Praxis zu erleben: «Umweltschutz erhält einen immer grösseren Stellenwert. Es war spannend, dies vor Ort zu sehen.»
Flavio schätzte insbesondere den Einblick in einen Bereich, mit dem man im Alltag wenig Berührung hat: «Wichtig ist zu wissen, woher das Material kommt.» Michael war angetan davon, wie weit die Entwicklung bereits fortgeschritten ist: «Ich hätte nicht gedacht, dass aus Abfall wieder ein derart hochwertiger Baustoff entstehen kann.»
Die Turbowäsche
Martin Feldmann veranschaulichte den Nutzen der Baustoff-City Weinfelden mit einer Zahl: Rund 75 Prozent des angelieferten Materials können nach der Aufbereitung in der nassmechanischen Aufbereitungsanlage, wieder als Kies in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Das gewonnene Material erfüllt dabei die gleichen Anforderungen wie Primärkies und wird unter anderem für die Herstellung von Beton eingesetzt.
Eine andere Zahl, die den Studierenden in Erinnerung bleiben wird, dürften die 480 Kubikmeter Wasser pro Stunde sein, die durch die nassmechanische Aufbereitungsanlage zirkulieren. In der Turbowäsche werden beispielsweise Schlamm- und Schuttklumpen aufgelöst, bevor weitere Sortierverfahren Holz, Kunststoff und andere Fremdstoffe vom Kies trennen.
Die entscheidende Phase
Auf dem Gelände der Trockenaufbereitung der KIBAG betonte Martin Feldmann, wie bedeutend eine saubere Arbeit bereits auf der Baustelle ist. Je besser Material getrennt angeliefert wird, desto hochwertiger kann es später wiederverwendet werden.
Mit solchen Denkanstössen geht es nun für die angehenden Baupoliere in die entscheidende Phase ihrer Ausbildung. Im Dezember steht an der Baukaderschule St.Gallen die Simulationsprüfung auf dem Programm: Nach einem schriftlichen Teil in der Aula am GBS-Standort im Riethüsli absolvieren die Studierenden in der Maurerlehrerhalle in Gossau den praktischen Teil (Vermessung, Absteckung) und ein Führungsgespräch. Direkt nach der Prüfung erhalten die Baupoliere von den Experten:innen Ratschläge im Hinblick auf die eidgenössische Berufsprüfung in Sursee im Januar.
Flavio findet die Simulationsprüfung hilfreich: «Wir erhalten direkt Rückmeldungen und wissen, wo wir stehen.» Er kann sich sogar zusätzliche Zwischenprüfungen während der Weiterbildung vorstellen, um den Lernfortschritt noch besser einschätzen zu können. Während des einjährigen, berufsbegleitenden Studiums sei sehr viel Stoff vermittelt worden. «Mir half es, regelmässig mitzuschreiben und eigene Zusammenfassungen zu erstellen. Man lernt ständig Neues», sagt Flavio und dürfte dabei auch an den Rundgang durch die Baustoff-City in Weinfelden denken.
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