«Poliere:innen und Vorarbeiter:innen mit eidg. Fachausweis finden praktisch immer Arbeit»
Mit der Teilnahme an der eidgenössische Berufsprüfung sind die Bauvorarbeiter:innen und die Baupoliere:innen der Baukaderschule St.Gallen ins neue Jahr gestartet. Entscheidend während den Prüfungstagen in Sursee sind Praxiserfahrung, kritisches Denken und Mathematik. Curdin Pinggera, Präsident der Prüfungskommission, erklärt im Interview, warum die Vermessung zur grössten Herausforderung wird und weshalb der eidgenössische Fachausweis die berufliche Zukunft absichert.
Was müssen die Kandidatinnen und Kandidaten für die eidgenössische Berufsprüfung mitbringen?
Curdin Pinggera, Präsident der eidg. Prüfungskommission und Geschäftsleiter bei Schenk: Sie müssen vor allem Praxiserfahrung mitbringen. Die Prüfung bildet den realen Arbeitsalltag von Bauvorarbeiter:innen und Baupolier:innen ab. Das gesamte Spektrum von der Arbeitsvorbereitung, dem Raportierungsausmass bis hin zur Kontrolle, ob das Bauwerk nach den Plänen der Architekt:innen und Ingenieur:innen ausgeführt wird. Wir erwarten nicht, dass jemand in allen Bereichen über alles Bescheid weiss, und fragen keine Details zu Spezialgebieten ab. Stattdessen legen wir Wert darauf, dass jemand die Ergebnisse einer Vermessung kontrollieren kann – nicht blind darauf vertraut.
In welchem Prüfungsteil sind die Kandidaten:innen besonders stark?
Bei den Führungsgesprächen sieht man klar, dass die Schulen, insbesondere die Baukaderschule St. Gallen, gute Arbeit leisten. Die Absolventen:innen sind zunehmend gut vorbereitet und wissen, was im Gespräch auf sie zukommt. Sie treten sicher auf, halten den Blickkontakt, kommunizieren ruhig und strukturiert. Die Sozialkompetenzen haben deutlich zugenommen, was sich auch in den mündlichen Noten zeigt.
Wo stehen die Prüfungsteilnehmenden vor den grössten Herausforderungen?
Dieses Jahr wieder bei der Vermessung. Beim Rechnen geht zu viel Zeit verloren, die dann in der anschliessenden praktischen Umsetzung fehlt. Viele tun sich schwer mit Grundlagen: Beispiele sind der Satz des Pythagoras, Verhältnisrechnen oder das Zurückrechnen des Radius aus der Fläche eines Halbkreises.
Wie hat sich der Stellenwert der eidgenössischen Berufsprüfungen in den vergangenen Jahren verändert?
Er hat massiv an Bedeutung gewonnen. In akademischen Berufen finden viele nach dem Studium nicht sofort eine Stelle. In unserem Bereich ist es umgekehrt: Wer Polier:in oder Vorarbeiter:in mit Fachausweis ist, findet praktisch immer Arbeit. Ein Fachausweis schützt deine berufliche Zukunft. Wenn der Arbeitgeber Konkurs geht oder man körperlich nicht mehr auf dem Bau arbeiten kann, bietet der Fachausweis einen gesicherten Weiterbildungs‑ und Karriereweg.
Reicht das Zertifikat den nicht, dass die Studierenden nach ihrer Zeit an der Baukaderschule St.Gallen erhalten?
Ich vergleiche das gerne mit der Autofahrausbildung. Du fährst auch nicht nur auf dem Werkhofareal herum und sagst dann: Ich brauch keine Autoprüfung.
Was raten Sie jungen Berufsleuten, die über einen Karriereweg vom Bauvorarbeiter zum Bauführer nachdenken?Unbedingt machen! Unser duales System ist hervorragend. Egal aus welchem Verhältnis man kommt: Mit Unterstützung des Bundes und der Arbeitgeber stehen einem viele Wege offen. Diese Weiterbildungsmöglichkeiten öffnen Türen.
Wie wird sichergestellt, dass die eidgenössische Berufsprüfung national vergleichbar bleibt?
Das macht das Prüfungsredaktorenteam, bestehend aus sechs Personen, je zwei aus den verschiedenen Sprachregionen. Gemeinsam erarbeiten wir die Prüfungen, übersetzen sie und stellen sicher, dass der Schwierigkeitsgrad und die Praxisnähe schweizweit gleich sind. Oft stammen Prüfungsaufgaben direkt aus realen Bauprojekten.
Sie sind selbst Geschäftsleiter des Bauunternehmens Schenk. Was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitenden?
Vor allem Haltung und Ehrlichkeit. Jede und jeder dient dem ganzen Betrieb. Wichtig ist auch, den Kopf mit zur Arbeit zu nehmen und das Gelernte anzuwenden. Junge, die Verantwortung übernehmen und sich weiterbilden, unterstützen wir immer.