Blickfänge: Wenn Spenglerhandwerk zur Kunst wird
Ein Baum mit Ästen aus Kupfer, eine Hexe auf der Dachrinne und ein 25-Kilo-Briefkasten: Für den Kreativwettbewerb 2026 von Suissetec verfolgten die Spengler:innen EFZ verschiedene originelle Ideen. Das vorgegebene Thema «Blickfänge der Baukunst» forderte die Lernenden heraus.
In diesem Blog werden zufällig ausgewählte Projekte vorgestellt.
Was ist Kunst am Bau? Ist es etwas, das im Hauseingang stehen oder hängen kann, oder muss es auf dem Dach montiert werden? Anfangs war einigen Lernenden unklar, was genau unter dem Motto des Kreativwettbewerbs 2026 zu verstehen ist. Der Begriff lässt viele Interpretationen zu, die Möglichkeiten waren dementsprechend vielfältig.
Raphael Kirchner entschied sich schliesslich für einen Brunnen. Für ihn bot dieses Objekt den Vorteil, dass es sich gut verzieren lässt und normalerweise nicht von Spengler:innen entworfen wird. Levin Diethelm erkannte schnell, dass das vorgegebene Thema grossen kreativen Spielraum zulässt. Er sagt: «Ich hatte noch nicht viel Erfahrung mit den Materialien, die wir verwenden sollten, und war unsicher, was ich überhaupt herstellen könnte. Deshalb suchte ich mir Inspiration im Internet und in meiner Umgebung.» Mit der Zeit wurde ihm klar, dass ein Briefkasten die optimale Wahl für ihn ist, da er im Grunde wie ein kleines Haus aufgebaut ist.
Zeitaufwand: Knapp 100 Stunden
Auch Jonas Fässler wurde im Internet fündig. Er entschied sich für einen roten Panda, nachdem in seiner Social-Media-Timeline immer wieder ein Spengler auftauchte, der solche Tiere aus Blech herstellte. «Ich war von diesen Figuren so fasziniert, dass ich das einmal selbst in meiner Freizeit ausprobieren wollte», sagt er. Den Zeitaufwand habe er allerdings unterschätzt: Statt der geplanten 50 bis 70 Stunden benötigte er für den Panda schliesslich knapp 100 Stunden.
Auch Nora-Jeanne Spirig hält fest, dass sie zeitlich gefordert gewesen sei. Allein für das Gesicht ihrer Hexe, die mit verschränkten Beinen auf einer Rinne sitzt, hat sie etwa 30 Stunden aufgewendet. Im Berufskundeunterricht bei Urs Senteler lag auf der Entwicklung und der Planung. Im Überbetrieblichen Kurs wurde der praktische Teil von Marco Looser bewertet und das Projektportfolio wurde im Allgemeinbildungsunterricht bei Reto Künzli erstellt. In ihrer Dokumentation hält Nora-Jeanne Spirig denn auch fest, dass sie mit ihrem Ergebnis zufrieden sei. «Nach viel Experimentieren wird schliesslich erkennbar, dass es sich um eine Hexe handelt. Kaum ein anderes Thema hat mich bereits in meiner Kindheit so fasziniert wie die Zauberei», so die angehende Spenglerin EFZ.
Kunst am Bau(m)
An ihrem Beruf gefällt Nora-Jeanne Spirig besonders, dass sie viel draussen arbeitet. «Du siehst, was du machst, und bist oben auf dem Dach. Von dort blickst du auf alles hinunter und hast deine Ruhe», beschreibt sie die Faszination ihrer Tätigkeit. Mitschüler Livio Dux schätzt am Berufsalltag eines Spenglers vor allem die Abwechslung – nicht nur zwischen Werkstatt und Baustelle, sondern auch in den vielfältigen Arbeiten. «Sehr spannend ist natürlich auch der Werkstoff Metall, mit dem man fast alles herstellen kann», sagt er.
Sein Projekt für den Kreativwettbewerb trägt den originellen Titel «Kunst am Bau(m)». Die an einem Baum befestigte Laterne leuchtet sogar. «Besonders stolz bin ich auf den Gesamteffekt mit dem Licht, das durch die Glassegmente leicht gebrochen wird», erklärt Livio Dux. Damit die Oberfläche frei von Fingerabdrücken bleibt, wurde die Laterne zunächst vollständig poliert und anschliessend von der Autospenglerei Leutenegger in Flawil lackiert.
75 Prozent Blechanteil
Für die Laterne wählte Livio Dux hauptsächlich Kupfer als Grundmaterial. Die Streben fertigte er aus Kupfer-Titan-Zink, wodurch das Licht zusätzlich zur Geltung kommt, und ein spannender Kontrast entsteht. Für die Unterkonstruktion des Baumes verwendete er Aluminiumrohre, da diese stabil sind, sich gut bearbeiten lassen und von der Grösse optimal passten. Die Grundplatte besteht aus einer Siebdruckplatte, die mit farbbeschichtetem Aluminiumblech in Holzoptik verkleidet wurde.
Levin Diethelm hat in seinem Briefkasten fünf Blechsorten verbaut und hält auch den für den Kreativwettbewerb geforderten Anteil an sichtbarem Blech ein (75%). Er sagt: «Ich habe alle Blechsorten, mit denen wir im Berufsalltag zu tun haben, in mein Projekt integriert. Dabei wurde mir bewusst, dass sie auf den ersten Blick zwar ähnlich wirken, aber dennoch ganz unterschiedliche Eigenschaften und Charaktere haben.» Besonders spannend findet er, was sich alles aus Dünnblech herstellen lässt.
Nationale Prämierung in Bern
Die Arbeit an diesem Projekt haben ihm zudem die Augen geöffnet, «wie individuell unser Beruf eigentlich ist. Mit dem Material kann man fast alles umsetzen.» Entscheidend sei letztlich die Idee dahinter. Diese wiegt bei ihm zwischen 25 und 30 Kilogramm und wurde mit dem Auto an den GBS-Standort Kirchgasse transportiert.
Vielleicht ist sein Briefkasten am 11. März 2026 schon bald nach Bern unterwegs, wenn auf nationaler Bühne im Kultursaal die besten Arbeiten ausgezeichnet werden. Dafür muss er in der Vorausscheidung von Suissetec Ostschweiz gut abschneiden.