Charme erhalten, Zukunft planen: Bauplaner:innen unterwegs am Marktplatz
Die beiden Gebäude am Marktplatz 10 und 12 in St.Gallen gehören zum Inventar der schützenswerten Bauten. Die angehenden Dipl. Techniker:innen HF Bauplanung (Studienrichtung Architektur) der Baukaderschule St.Gallen wurden von Denkmalpfleger Matthias Fischer und dem verantwortlichen Architekten Heinz Studer durch die Liegenschaften geführt. Was muss bei der Sanierung dringend beachtet werden?
Student Benj war vor der bevorstehenden Exkursion zum Thema Denkmalpflege mitten in der St.Galler Altstadt neugierig: «Ich bin gespannt, was alles dahintersteckt. Man hört immer wieder, dass man bei denkmalgeschützten Gebäuden bei Sanierungen fast nichts machen darf.» Schnell räumte Matthias Fischer von der städtischen Denkmalpflege mit den Vorurteilen auf. Denkmalpflege bedeutet keineswegs Stillstand. Vielmehr geht es darum, den Bestand zu verstehen und respektvoll weiterzuentwickeln.
So erklärte Matthias Fischer auf dem Stockwerk des ehemaligen Restaurants Schwarzer Adler am Marktplatz 12, wie wichtig es ist, frühzeitig den Kontakt zur Denkmalpflege zu suchen. Grundlegende Informationen wie Inventarblätter müssen eingeholt werden.
Die Vergangenheit miteinbeziehen
Die Inventarblätter zeigen am Beispiel Marktplatz 12 unter anderem, dass der Kern des Gebäudes ins 17. Jahrhundert zurückreicht und im späten 19. Jahrhundert aufgestockt und in seiner Fassadengestaltung verändert wurde. Zudem geben Inventarblätter Aufschluss darüber, welche Teile eines Gebäudes schützenswert sind, etwa Treppen, Decken oder Täferwände, und in welchen Bereichen ein grösserer Spielraum besteht.
Auch historische Quellen spielen eine wichtige Rolle. Alte Fotografien aus Archiven oder der Kantonsbibliothek liefern Hinweise auf frühere Zustände und helfen bei der Planung. Matthias Fischer liess ein altes Foto herumreichen und erklärte: «Wenn man neue Fenster setzen will, erkennt man hier zum Beispiel, wie die Fensterteilung ist, unter anderem bei den Sprossen. Auch sieht man, dass die Fenster dunkel und nicht weiss sein müssen.»
Den Charme beibehalten
Im Fokus der Exkursion der Bauplaner:innen standen die Liegenschaften am Marktplatz 10 und 12, ehemals bekannt als Café Pfund und Restaurant Schwarzer Adler. Die Gebäude wurden von der AG für Städtisches Wohnen übernommen und werden sorgfältig saniert. Architekt Heinz Studer gewährte den Studierenden Einblicke in die Projektarbeit. In den oberen Geschossen sind künftig 1.5- bis 2-Zimmer-Wohnungen geplant, während andere Räume aufgrund von Lärmvorschriften zu Büros umgenutzt werden sollen.
Auch die Terrasse beim Schwarzen Adler wird überarbeitet und soll auf das Niveau des ersten Obergeschosses gesenkt werden, damit die zukünftigen Bewohner:innen den Innenhof ideal nutzen können.
Parallel dazu sind technische Erneuerungen wie Elektrik und Haustechnik vorgesehen, jedoch stets mit dem Ziel, den historischen Ausdruck nicht zu verfälschen. «Wir verfolgen dabei die Philosophie, dass auf den ersten Blick nicht erkennbar sein soll, dass etwas neu ist», erklärt Heinz Studer. Ein Beispiel dafür ist ein Boden in einer Stube, der bewusst nicht nivelliert wird. Seine Unebenheit gehört zum Charme des Hauses.
Mit Skizzen das Gespräch suchen
Dieser Mosaikparkett ist HF-Student Andi aufgefallen. Er interessierte sich während der Exkursion unter anderem für die Oberflächenmaterialien. Mit seiner Erfahrung als Zimmermann und Vorarbeiter kennt Andi die Herausforderungen bei denkmalgeschützten Liegenschaften. Besonders der Brandschutz sei häufig ein Diskussionspunkt.
Matthias Fischer und Heinz Studer geben den angehenden Planerinnen und Planern einen wertvollen Tipp mit auf den Weg: Nicht mit fertigen Projekten zur Denkmalpflege gehen, sondern frühzeitig mit Skizzen und Ideen den Dialog suchen.
Weiter erläuterten beide, dass Sanierungen bei denkmalgeschützten Liegenschaften ein fortlaufender Prozess sind. Von der ersten Kontaktaufnahme über Startbesprechungen mit Handwerkern bis hin zu Baustellenbegehungen – immer wieder müssen neue Erkenntnisse berücksichtigt werden. Gerade bei historischen Gebäuden können Überraschungen unter Böden oder hinter Wänden auftauchen.