Cyrill May ruft sein Potenzial ab – nicht nur beim FC St.Gallen
Der angehende Elektroniker Cyrill May hat beim FC St.Gallen seinen allerersten Profivertrag unterschrieben. In der neuen Saison der Super League gehört der Innenverteidiger bisher zu den Stammkräften. Das Förderprogramm Leistungssport der St.Galler Berufsfachschulen ermöglicht es ihm, seine Sportkarriere, die Berufslehre bei der Metrohm AG und den Unterricht am GBS St.Gallen zu kombinieren.
Cyrill May erlebte einen aufregenden Sommer, denn die komplette Saisonvorbereitung durfte er mit der ersten Mannschaft des FC St.Gallen bestreiten. Unter anderem war er mit den «Espen on Tour» in der Ostschweiz. Anschliessend stand er beim starken Saisonstart immer in der Startelf und grüsst mit dem FCSG nach vier Runden vom zweiten Platz der Super League.
Der Elektroniker EFZ im letzten Ausbildungsjahr ist sich sicher: «Ohne das Sportförderprogramm wäre mein Weg bis hierhin nicht möglich gewesen. Ich konnte die Trainings absolvieren und mir den Schulstoff, wenn notwendig, auf Moodle oder OneNote daheim oder während der Car-Fahrt selbstständig erarbeiten.» Diese hohe Selbstständigkeit sei «part of the game», sagt der Lernende der Metrohm AG.
Interviewschulung durch SRF-Kommentator
Cyrill May ist seinem Ausbildungsbetrieb, der ihm Freiheiten gewährt und vorwiegend Projektarbeiten halbtags umsetzen lässt, enorm dankbar. Auch GBS-Sportlehrerin Larissa Müller lobt er für ihre Unterstützung: «Sie entlastet mich in der Schule sehr, da sie alles Administrative und die Kommunikation mit den Lehrpersonen übernimmt. Ausserdem fragt sie oft, ob sie mir noch irgendwie helfen kann.»
Die Sporttalente kommen zudem in den Genuss eines jährlichen Teamevents des Förderprogramms Leistungssport. Im Februar erhielt Cyrill May deshalb eine Medienschulung. SRF-Kommentator Dominic Ledergeber vermittelte, dass Interviews geben Spass machen soll – und gelernt sein will. Der Fussballkommentator teilte seinen Workshop passend in zwei Halbzeiten auf: Die Lernenden des GBS, KBZ und BZGS St.Gallen erhielten zuerst Inputs rund ums Interview und erstellten anschliessend ein eigenes Video-Porträt.
«Ihr gebt das Interview fürs Publikum und nicht für die Person, die euch interviewt. So wie ihr euch in der Öffentlichkeit zeigt, so werdet ihr wahrgenommen», sagte Dominic Ledergerber. Man solle an Roger Federer und Marco Odermatt denken, die sehr authentisch und sympathisch rüberkommen.
Startelf-Einsätze in der Super League
Die Interviewschulung kam zum richtigen Zeitpunkt, denn das Interesse an Cyrill May nimmt rasant zu. In der Saison 24/25 stand der 1,91 Meter grosse Innenverteidiger vorwiegend noch für die U19 des FC St.Gallen im Einsatz. 20 von 23 Partien spielte er über die volle Distanz. Der Höhepunkt: Mitte April gewann Cyrill May mit seinem Team gegen die Grasshoppers den U19-Cupfinal.
Gegen Ende der vergangenen Spielzeit kam Cyrill May dann zu seinen ersten Einsätzen in der Super League. Bei der Niederlage gegen den FC Winterthur (1:4) und den Siegen in Sion (1:0) sowie über den FC Zürich (3:2) stand der Verteidiger erstmals in der Startelf. «Für mich ging beim Debüt daheim vor fast 20'000 Zuschauern ein Traum in Erfüllung», sagt Cyrill May. Der Unterschied zur U19-Meisterschaft empfand er als riesig. Er sagt: «Die Super League ist zwei drei Stufen höher anzusiedeln. Alles geht schneller, die Zweikämpfe werden härter geführt und die Atmosphäre im Stadion ist viel lauter. Daran musste ich mich zuerst gewöhnen.»
Lob vom Trainer und vom Sportchef
Wenige Tage später unterschrieb Cyrill May beim FCSG einen Vertrag über vier Jahre. In der Medienmitteilung lobt ihn Sportchef Roger Stilz: «Er ist schnell, spielintelligent und verfügt über gute technische Grundlagen. Wir werden ihn weiter fördern und freuen uns, dass wir die gemeinsame Zukunft jetzt auch vertraglich dokumentiert haben.»
Dem Sportchef blieb das Eigengewächs, das sämtliche Nachwuchsstufen innerhalb von Future Camps Ostschweiz durchlief, nicht verborgen. Bereits Monate vor der Vertragsunterzeichnung gehörte Cyrill May dem Talentpool an und war regelmässig bei der Profimannschaft im Training. Gegenüber dem «Tagblatt» lobte FCSG-Trainer Enrico Maassen: «Wir sind überzeugt von ihm. Er verfügt über tolle Anlagen und einen klaren Kopf, ist schnell und hat einen guten Spielaufbau.»
Auf Beruf und Fussball setzen
Cyrill May bleibt trotz der vielen positiven Stimmen und Vorschusslorbeeren bodenständig. Er ist froh, dass er dank dem Sportförderprogramm zweigleisig unterwegs sein kann. Wenn eine Verletzung seine Träume auf dem Fussballrasen jäh zerplatzen lassen würde, hätte er einen Beruf erlernt, der ihm gefällt. Er erklärt: «Das KV oder ein Beruf mit körperlicher Anstrengung wären nichts für mich gewesen. Als Elektroniker bin ich im Büro und ich fand Mathematik sowie Arbeiten am Computer schon immer cool.»
Cyrill May möchte gerne als Elektroniker weiterarbeiten und erwägt in ein paar Jahren eine Weiterbildung zum Mediamatiker oder im Informatik-Bereich. Zuerst will er sich aber weiterhin für einen Stammplatz in der ersten Mannschaft des FC St.Gallen aufdrängen und das QV im nächsten Sommer bestehen. Sein Potenzial wird er auch dank der Entlastung durch das Sportförderprogramm bestimmt voll abrufen.