«Die Fotografie holt mich aus der Komfortzone»
Um in der Kulturbranche Fuss zu fassen, ist Sara Spirig von Weesen nach St.Gallen gezogen. Die gelernte Interactive Media Designerin arbeitet mittlerweile als selbstständige Fotografin. Das berufsbegleitende HF-Studium Fotografie hat ihr die Türe zur St.Galler Kulturszene weiter geöffnet.
Sara, wo bist du daheim?
Sara Spirig, selbstständige Fotografin: Weesen ist meine Heimat und die Stadt St.Gallen meine Wahlheimat. Weesen ist das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin und meine Familie ist auch heute noch in der Region zuhause. Nach St.Gallen bin ich wegen des gestalterischen Vorkurses für meine Berufslehre als Interactive Media Designerin gekommen.
Mittlerweile hast du an der Schule für Gestaltung St.Gallen dein HF-Studium Fotografie erfolgreich abgeschlossen. Deine Diplomarbeit «Heiwärts» setzt sich mit deinem Verhältnis zu Weesen und St.Gallen auseinander.
Fünf Jahre nachdem ich von Weesen nach St.Gallen gezogen bin, empfinde ich heute viele sehr gegensätzliche Gefühle in Bezug auf meine Heimat. Auf der einen Seite fühle ich mich in Weesen tief verwurzelt und die Natur ist wunderschön. Andererseits ist St.Gallen viel weniger konservativ als Weesen, hat Charme und ist ein grosses Dorf. Meine Diplomarbeit «Heiwärts» ist die direkte Auseinandersetzung mit dieser Ambivalenz.
Passend zum vorgegeben Thema Hybrid…
Zuerst wollte ich keine persönliche Diplomarbeit, sondern begann distanziert. Mit dem Thema Hybrid musste ich mich sowieso zuerst vertraut machen, denn ich bringe es mit Technik in Verbindung. Zum Beispiel mit Hybrid-Fahrzeugen. Mit «Heiwärts» habe ich ein Fotoprojekt umgesetzt, das zu meiner Person passt. Durch diverse Bildbesprechungen mit der Lehrgangsleitung Désirée Good und Christan Schnur wurde ich in den richtigen Pfad gelenkt. Daraufhin schrieb ich das Konzept nochmals um und wurde persönlicher.
Was fasziniert dich an der Fotografie? Im Privaten und während deiner Lehre als Interactive Media Designerin EFZ hattest du schon vor deinem HF-Studium Berührungspunkte zur Fotografie.
Die Fotografie holt mich aus der Komfortzone. Ich fotografiere aktuell primär mit Menschen. Da man aber häufig nicht weiss, wen man vor sich hat, ist da eine gewisse Anspannung mit dabei. Das ist die Herausforderung für mich als Fotografin, die ich jedes Mal gerne annehme. Zusammen kreieren wir und erreichen ein Ergebnis. Dieses soll so sein, dass ich selber und mein Gegenüber zufrieden sind.
Heute arbeitest du als selbstständige Fotografin. Wie hast du von deiner Weiterbildung an der Schule für Gestaltung St.Gallen profitiert?
Ich habe an Selbstvertrauen gewonnen. In den Diskussionen mit meinen Studierenden habe ich festgestellt, dass sie bei einem Projekt oftmals die gleichen Schwierigkeiten sahen. Ausserdem konnten wir immer auf die Lehrgangsleitung zugehen. Désirée Good und Christian Schnur liessen uns an ihren Erfahrungen aus dem Berufsalltag eines/einer Fotografen/-in teilhaben. Und wir hatten die Gelegenheit, auszuprobieren und konnten so den eigenen Bildstiel weiterentwickeln.
Wie meinst du das?
Durch die Projekte habe ich immer besser gesehen, wo meine Stärken und wo meine Schwächen liegen. Ich hatte dank meiner bisherigen Berufslaufbahn und meinen Interessen bereits eine Vorstellung davon, wie meine Bilder aussehen sollten. Ich musste meine persönliche Bildsprache nicht neu definieren, sondern erhielt während dem Studium den passenden Rahmen dafür. Nach jeder intensiven Semesterarbeit wurde mir immer stärker bewusster, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Weiterbildung hat mir geholfen, mich an die Fotografie zu binden.
Wie kommst du als selbstständige Fotografin zu Aufträgen?
Ich habe das Gefühl, langsam in der St.Galler Kulturszene Fuss zu fassen. Hin und wieder arbeite ich nebenbei als Freelancerin in meinem alten Berufsfeld als Webdesignerin. Wenn ich so zurückdenke, ist meine Ausbildung zur Interactive Media Designerin EFZ die ideale Basis für mein heutiges kreatives Schaffen. Ich setzte mich gerne mit verschiedenen Auftragstypen auseinander, auch weil ich noch nicht so lange selbstständig bin und deshalb noch nicht so viele Bestandskunden habe. Aktuell mache ich zum Beispiel Portraits oder Reportagen für das Magazin Saiten und die NZZ am Sonntag sowie Architektur-Aufträge. Ebenfalls werde ich für Mitarbeiterportraits für KMU’s und diverse Portraits von anderen Kreativschaffenden angefragt. Eines meiner eindrücklichsten Projekte 2023 war das Shooting mit der St.Galler Rockband Velvet Two Stripes. Da waren wir ein komplettes Team samt Model und Makeup-Artistin – pure Frauen-Power. Zusammen mit der Band haben wir während eines ganzen Tages die Aufnahmen, inklusive Cover und Inlays, für ihre neue Platte geschaffen. Das war sehr bereichernd und hat total viel Spass gemacht.