Fenster richtig planen: So vermeiden Bauplaner:innen typische Fehler
Kaum ein anderes Bauteil bündelt derart viele kritische Anforderungen gleichzeitig wie das Fenster. Energieeffizienz, Bauphysik oder Komfort treffen genau an dieser Schnittstelle aufeinander und reagieren empfindlich auf Planungsfehler. Die angehenden Dipl. Techniker:innen HF Bauplanung (Studienrichtung Architektur) erfuhren in einem Fachreferat an der Baukaderschule St.Gallen, wie Bauschäden verhindert werden können.
Als «eierlegende Wollmilchsau» bezeichnet Josef Knill, Inhaber und Geschäftsführer der Fensterinform GmbH, das Fenster. Obwohl es eines der komplexesten Bauteile sei, können Problemstellungen und Schäden an Fenstern und angrenzenden Gewerken oftmals mit wenig technischem Aufwand vermieden werden. «Häufig scheitert es jedoch an unklaren Verantwortlichkeiten zwischen Bauherrschaft, Planung und Ausführung oder an fehlenden bauphysikalischen Reserven», erklärte Josef Knill zu Beginn seines Fachreferats im Fach Konstruktion der Bauplaner:innen.
Josef Knill spricht aus Erfahrung: Mit der Fensterinform GmbH untersucht er als unabhängiger Experte Fenster und deren Bauanschlüsse und erstellt entsprechende Gutachten. Im Referat führte er die Studierenden praxisnah durch das SIA-Normenwerk. Die nationalen Regeln der Baukunde des Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA) lassen sich wie folgt gliedern:
- Strategische Planung: Bedürfnisformulierung und Lösungsstrategien.
- Vorstudien: Machbarkeitsprüfung und Auswahl des Vorgehens.
- Projektierung: Vorprojekt, Bauprojekt und Baubewilligungsverfahren.
- Ausschreibung: Offertwesen und Vergabe der Arbeiten.
- Realisierung: Ausführung, Bauleitung und Inbetriebnahme.
- Bewirtschaftung: Betrieb und Erhaltung des Gebäudes.
Empfehlung: Stichproben beim Fenstereinbau
Zusammenfassend erklärte Josef Knill den Studierenden, die sich im letzten Semester ihrer Weiterbildung an der Baukaderschule St.Gallen befinden: «Ein langfristig funktionierendes Gebäude ist das Ergebnis korrekte Planung, enger Zusammenarbeit aller Beteiligten, klar koordinierter Schnittstellen sowie der konsequenten Wahrnehmung normativer und gesetzlicher Hinweispflichten.» Wenn dieses Zusammenspiel funktioniert, dann können typische Stolpersteine – wie zum Beispiel unzureichende technische Spezifikationen bei der Ausschreibung – vermieden werden.
Der Experte erklärte den HF-Studierenden, dass sie in der SIA-Ausführungsphase 5.2 als Architekt:innen die Rolle des Dirigenten übernehmen. Gerade bei Fenstern gilt es, die Schnittstellen zwischen Fensterbauer, Elektriker , Baumeister usw. sorgfältig zu koordinieren.
Josef Knill empfiehlt zudem, gezielt Stichproben vorzunehmen: «Gerade Bauanschlüsse seht ihr später nicht mehr. Nehmt das erste Fenster vor Ort ab, prüft die Ausführungsqualität und haltet sie schriftlich fest. Falls etwas nicht passt, könnt ihr die Montage stoppen, bevor 50 weitere Fenster falsch eingebaut werden.»
Die richtigen Fragen stellen
Sein Referat ergänzte Josef Knill mit zahlreichen Praxisbeispielen – sehr zur Freude der Studierenden und von Dozent Daniel Skeledzic. «Wir haben die SIA-Normen zwar im Unterricht behandelt, aber wirklich verinnerlicht man sie erst im Umgang mit realen Herausforderungen», so Daniel Skeledzic. Josef Knill bringe dabei eine zusätzliche, wertvolle Perspektive in die Bauplanung von Fenstern ein.
Zum Abschluss thematisierte Josef Knill konstruktive Hinterläufigkeiten, bei denen Wasser unbemerkt hinter die Abdichtungsebene gelangt. Anhand eines Beispiels zeigte er, dass fassadenbündige Holz-Metall-Fenster funktionieren können. Voraussetzung dafür ist, dass die bauphysikalischen Anschlüsse geprüft werden und der Fassadenanschluss detailliert geplant wird. Genau solche Einblicke nimmt Student Pascal aus dem Referat mit: «Detaillierte Inputs von Expertinnen und Experten während des Unterrichts sind enorm wertvoll.»
Gastreferate und Exkursionen sind ein wichtiger Bestandteil des berufsbegleitenden Studiums an der Baukaderschule St.Gallen. Und immer wieder zeigt sich: Gute Kommunikation auf der Baustelle ist entscheidend. Josef Knill empfiehlt daher, als Bauplaner:in die richtigen Fragen zu stellen und Antworten einzufordern. Als Beispiel nennt er: «Wer kann mir verlässlich sagen, ob das funktioniert?»