Fit for Life: Praktische Tipps für die Zeit nach der Berufslehre
Steuererklärung, Bewerbung, mentale Gesundheit oder Geldanlage: Das Leben bringt viele Herausforderungen mit sich. In der ABU-Sonderwoche «Fit for Life» erhielten die Lernenden des GBS St.Gallen praxisnahe Inputs für ihren nächsten Lebensabschnitt. In Workshops und Gesprächen mit Expert:innen konnten sich die Abschlussklassen gezielt auf die Zeit nach dem Lehrabschluss vorbereiten.
Was war das für ein Gefühl, als die erste Steuererklärung eintraf? Alles richtig zu machen, braucht einiges an Überwindung und Know-how. Deshalb konnten die Lernenden während der ABU-Sonderwoche «Fit for Life» nach einem Input ihre eigene Steuererklärung ausfüllen. Diejenigen mit Wohnort im Kanton St.Gallen machten sich dabei gleich mit der neuen Webapplikation E-Tax SG vertraut. Die Lehrpersonen agierten währenddessen als Coaches.
Die Themen der Projektwoche wurden zuvor mit einer Umfrage unter den Abschlussklassen ermittelt. Die Lernenden äusserten ihr Bedürfnis deutlich: Der Fokus der Workshops soll auf der Praxis liegen. Caritas Schweiz legte in ihrer Sequenz beispielsweise den Schwerpunkt auf die Budgetplanung. Etwa darauf, wie man den Auszug aus dem Elternhaus plant. Und im Foyer am GBS-Standort Demutstrasse zeigte eine Tischmesse auf, welche Wege sich nach dem Lehrabschluss eröffnen.
Die Möglichkeiten wurden durch die Weiterbildungsanbieter Akademie St.Gallen, Baukaderschule St.Gallen, IFA Höhere Fachschule für IT und Digital Business, Schule für Gestaltung St.Gallen, WISS und ZbW präsentiert. Auch die Berufsmaturität am GBS St.Gallen war vor Ort und informierte über ihre Möglichkeiten nach der Lehre (berufsbegleitend oder in Vollzeit).
Die Balance zwischen Stress und Erholung finden
Im Workshop von WorkMed, Zentrum Arbeit und psychische Gesundheit, setzten sich die Lernenden aktiv mit ihrer persönlichen mentalen Gesundheit auseinander. Rachel Affolter liess sie reflektieren, welche Lebensbereiche für sie besonders wichtig sind – zum Beispiel Freundschaften, Arbeit oder Hobbys – und erkennen, welche Hauptpfeiler ihnen Stabilität und Energie geben.
Ziel war es, sich der eigenen Stärken bewusst zu werden und neue Möglichkeiten der Selbstfürsorge zu entdecken. Rachel Affolter erklärt: «Stress und Belastungen gehören zum Leben. Das A und O ist es, herauszufinden, wie man damit umgeht. Es gilt, eine Balance zwischen Stress und Erholung zu finden.»
Stress abbauen lässt sich auch durch Bewegung. Deshalb wurde ein weiterer Workshop im «well come FIT St.Gallen West» angeboten. Dort machten die Lernenden Bekanntschaft mit Hyrox, einer internationalen Wettkampfserie, die Kraft, Ausdauer und mentale Härte kombiniert.
«Gambling vs. Investieren»
Jenuthan Nagaratnam vermittelte Grundlagen zu Anlagestrategien. Im Workshop «Gambling vs. Investieren» erhielten angehende Gebäudeinformatiker und Multimediaelektroniker einen praxisnahen Crashkurs für ihre finanzielle Zukunft. Anhand von Aktien, Obligationen und ETFs (Exchange Traded Funds) erarbeiteten die Lernenden verschiedene Finanzinstrumente in Gruppen an einer Flipchart.
Ausserdem ging Jenuthan Nagaratnam auf risikobehaftete Finanzinstrumente wie Futures (Vertrag über zukünftigen Preis), CFD (Wette auf Preisänderung ohne Besitz) oder Swap (Tausch von Zahlungsströmen) ein. «Und unterschätzt die Gier und den Fear-of-Missing-Out-Effekt nicht. Es ist ein psychologischer Stress, die Entwicklungen permanent im Auge zu behalten», sagt Jenuthan Nagaratnam. In diesem Zusammenhang erklärte er, dass Hebelprodukte kein Investieren sind, sondern spekulativ. Schon kleine Marktbewegungen können das eingesetzte Geld vervielfachen oder komplett vernichten.
In einer Simulation konnten die Teilnehmenden anschliessend verfolgen, wie sich ihre Investitionen in Aktien, ETFs und Anleihen über ein bis zwei Jahre entwickeln. Spielerisch wurde deutlich: Diversifizieren, Geduld bewahren und rational bleiben – und lieber die Finger von Plattformen wie Polymarket lassen, denn die Grenze zum Glücksspiel ist oft schmal.
Erfolgreich bewerben
Michael Brasser zeigte in seinem «Fit for Life»-Workshop, wie man sich erfolgreich auf eine Stelle nach dem Lehrabschluss bewirbt. «Seien Sie sowohl im Bewerbungsschreiben als auch im Vorstellungsgespräch sich selbst», rät der Stellenleiter der Berufs- und Laufbahnberatung St.Gallen.
Er empfahl den Lernenden, Stelleninserate genau zu lesen und zu prüfen, ob Fähigkeiten und Voraussetzungen mit dem Stellenprofil übereinstimmen. «Erfüllen Sie die Anforderungen zu mindestens 75 Prozent, lohnt sich das Schreiben einer Bewerbung mit allen Unterlagen – etwa einem tabellarischen Lebenslauf und Arbeitszeugnissen», erklärte Michael Brasser.
Der Bewerbungsexperte verwies darauf, dass manche Firmen ihre Stellen gar nicht mehr ausschreiben. Deshalb sollten die Lernenden auch ihr persönliches Netzwerk nutzen. Michael Brasser sagt: «Sprechen Sie mit Freunden, Bekannten und früheren Arbeitskollegen. Suchen Sie Adressen von Firmen im Internet, in Mitgliederlisten von Verbänden oder von Gewerbevereinen.» Eine Liste von Jobportalen findet sich unter berufsberatung.ch sowie beim RAV St.Gallen.
Bewerbungsschreiben mit KI
Auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz thematisierte Michael Brasser, etwa um Texte zu prüfen und anzupassen, Feedback einzuholen oder Rechtschreibung und Grammatik zu kontrollieren. «Individualisierung ist jedoch entscheidend: Fügen Sie eine persönliche Note hinzu», empfiehlt Michael Brasser.
Solche Inputs zeigen den Wert der ABU-Spezialwoche «Fit for Life». Die Lernenden wollten in den letzten Wochen vor dem Qualifikationsverfahren etwas Handfestes für die Zeit danach mitnehmen und erhielten zahlreiche Gelegenheiten, dies in den unterschiedlichsten Lebensbereichen zu tun.