«Gastro Erasmus»: Wo ist das Rindsfilet?!
Die Köchinnen und Köche des GBS St.Gallen blicken auf einen erfolgreichen und unvergesslichen Wettbewerb in der Südtürkei zurück. Am «Gastro Erasmus»-Kochwettbewerb punkteten sie mit ihrem Teamspirit und ihrer Improvisationskunst.
Auf den zeitlichen Stress während des Kochens, hatten sich die sechs Lernenden des GBS St.Gallen eingestellt. Plötzlich brach allerdings Hektik aus, als das Rindsfilet im Kühlschrank fehlte, der mit Teams aus anderen Ländern geteilt wurde. Die zwei Portionen für den Gruppenwettkampf von Gabriel Angst, Leopold Ganz und Andrin Lanter waren nicht mehr auffindbar. Gabriel Angst sagt: «Man weiss bei einem solchen Wettkampf nie, was einen erwartet. Wir haben gut improvisiert.»
Glücklicherweise entdeckte das GBS-Team am Vortag gemeinsam mit den Lehrpersonen Roland Fuchs und Sepp Herger ein Chateaubriand auf einer Restaurantkarte. So unternahmen sie einen weiteren Ausflug nach Side und kauften dem Wirt ein Rindsfilet ab. Der anschliessende Teamwettkampf gelang den Dreien. Leopold Ganz stellt zufrieden fest: «Wir waren ideal in der Zeit und konnten dem Gericht sogar noch etwas Kreatives hinzufügen. Wir haben einen schönen Teller geschickt und das Mise en place war das Beste über alle Tage hinweg.»
Medaillenregen fürs Team GBS St.Gallen
Der Eindruck von Leopold Ganz täuschte nicht, denn die sechs Lernenden im zweiten Lehrjahr reisten mit einer stolzen Ausbeute in die Schweiz zurück. Im Teamwettbewerb gab es gleich zwei Pokale, weil auch das Trio um Helen Schaefer, Svenja Wolf und Maurin Thurnherr überzeugte.
«Unsere Zusammenarbeit in der kleinen Küche hat sehr gut funktioniert», bilanziert Svenja Wolf. Als bei ihr die Mayonnaise nicht fest werden wollte, rührte Maurin Thurnherr kurz vor Schluss eine Frischkäsesauce an. Helen Schaefer sagt: «Die Hilfsbereitschaft und die Absprache in den Teams war super. Es herrschte ein ruhiges und fokussiertes Klima.» Speziell gelobt wurden von der Jury die beiden Desserts, eine katalanische Creme und eine bayerische Creme mit karamellisierter Ananas.
Im Einzelwettbewerb konnten die Lernenden aus drei von vier Disziplinen wählen: Pasta, Fisch, Hauptgang oder Dessert. Die Umsetzung gelang vorzüglich, denn der Medaillenregen an der Schlusszeremonie des «Gastro Erasmus»-Kochwettbewerb dauerte mit stolzen 10 Gold-, 7 Silber- und 1 Bronzemedaille lange an.
In den Wochen vor dem Wettkampf in der Südtürkei trainierten die Lernenden intensiv in der Küche von Gastro St.Gallen. Hier das Video-Interview mit Helen Schaefer:
Pasta-Tipps von Team Slowakei
Die sechs angehenden Köchinnen und Köche aus der Schweiz haben sich nicht nur mit 30 Teams aus 15 Nationen gemessen, sondern auch viele Kontakte geknüpft. Im Zentrum stand bei allen die Freude am Kochen. Helen Schaefer schildert: «Wir lernten viele neue Personen kennen und kamen ins Gespräch mit Menschen, die aus ganz anderen Ländern, Ausbildungen und Leben stammen. Die Unterschiede innerhalb Europas und jedem Land sind sehr spannend und beeindruckend.» Es sei schön, eine derartige Verbundenheit zu spüren.
Die Freundschaft pausierte auch während des Wettkampfs nicht. Das Team des GBS St.Gallen lieh der estländischen Mannschaft die Pastamaschinen aus und die Slowaken halfen mit Materialien und Ratschlägen für das Pastagericht aus.
Twist im Menü: Thunfisch statt Lachs
Helen Schaefer arbeitet gerne mit Lebensmittel und bezeichnet ihren Beruf als gute Lebensschule. Andrin Lanter mag es kreativ zu kochen: «Ich freue mich, wenn die Gäste glücklich sind und ich eine positive Rückmeldung erhalte.» Das Lob der Jury verdienten sich die Köchinnen und Köche, in dem sie vor der Abreise in die Südtürkei übten, ausprobierten und planten. Die Gerichte wurden individuell weiterentwickelt und überarbeitet – oft auch während der Zimmerstunde und an freien Tagen.
Eine der grössten Herausforderungen während des Wettkampfs im Hotel Raga war das Kochen am Gasherd. Zudem mussten alle Lebensmittel vor Ort eingekauft werden. Vom Gemüsemarkt ging es weiter zum Fischmarkt und als letzte Station hielt der Bus beim Metzger. Die Auswahl war ansprechend, aber die Lernenden fanden nicht alle Zutaten. Deshalb waren kleine Menüänderungen notwendig. Statt Fenchel wurde zum Beispiel Stangensellerie verwendet. Wegen der stürmischen See waren keine Seezungen mehr erhältlich, und der Lachs für das Tatar musste durch Thunfisch ersetzt werden. «Wir konnten in der Südtürkei wertvolle Erfahrungen machen, im Speziellen was das Mise en Place, das Zeitmanagement und den Umgang mit Zeitdruck angeht», sagt Helen Schaefer stellvertretend für das ganze Team.