Gestaltung lebt vom Miteinander: HF-Studierende inspirieren sich gegenseitig
Wie entsteht eigentlich ein Designfestival? Die Studierenden der Schule für Gestaltung St.Gallen, Studium Visuelle Gestaltung HF, bekamen im ersten Semester die Gelegenheit, sich in der Designszene zu orientieren. Sie recherchierten bestehende Festivals, legten Thema, Rahmen und Format ihres fiktiven Festivals fest und entschieden, welche Gäste eingeladen werden. Während des gesamten Projekts erhielten die Studierenden nicht nur von den Dozierenden wertvolle Rückmeldungen, sondern auch aus der Klasse.
Zahlreiche Gedanken werden im Verlauf einer Semesterarbeit verfolgt, ebenso viele Ideen wieder entworfen. Suzana Mitrovic hat sich dafür entschieden, die vielseitigen Kulturen und Herkünfte der in der Schweiz lebenden Menschen in einer Plakatausstellung zu repräsentieren. Von ihren Mitstudierenden erhielt die angehende Visuelle Gestalterin HF den Vorschlag, ein Festival zu planen, bei dem Portfolios präsentiert werden können. «Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil ich von Beginn an ein Plakat-Festival mit einem Wettbewerb vorgesehen hatte», erklärt Suzana Mitrovic. Sie schätzt den Austausch innerhalb der Klasse. Alle kämen zwar aus unterschiedlichen Branchen, hätten aber dieselbe Leidenschaft für Gestaltung.
An der Umsetzung von Suzana Mitrovic wird besonders die Liebe zum Detail gelobt und das Logo ihres Heimatfestivals. «Bei der Schrift habe ich mich für Futura 100 Bold entschieden, weil ich die Idee hatte, verschiedene Schriften wie Arabisch, Griechisch oder Serbisch zu verwenden, damit die kulturelle Vielfalt bereits im Logo erkennbar ist», erklärt sie.
Die Grenzen neu denken
Die Visuellen Gestalter:innen im ersten Semester entwickeln ihr eigenes, fiktives Festival – von der ersten Idee bis zur visuellen Umsetzung. Gestalterisch entworfen wurden Moodboard, Bildkonzept, Key Visual, Typografie-Konzept, Flyer und eine abschliessende Präsentation. Maryna Medianik zum Beispiel konzipierte ein Festival mit Künstler:innen, die in den Bereichen Robotik, generative Systeme, kinetische Installationen und digitale Kunst arbeiten. Sie lädt Grafiker:innen dazu ein, die Grenzen zweidimensionaler Gestaltung neu zu denken.
Beissen die Tourismusverbände an?
Sonja Schrofer hat sich ein Festival ausgedacht, dass in der Bodenseeregion auf Schiffen und an Häfen stattfindet. Auf unterschiedlichen Routen finden verschiedene Workshops statt. Die Besucher:innen müssen dabei keinem vorgegebenen Ablauf folgen, sondern können sich ihre Zeit am jeweiligen Ort selbst einteilen. Lehrgangsleiterin Maike Hamacher lobt: «Die Verbindung von Bewegung und Design ist ein toller Ansatz. Jeder Tourismusverband hätte Freude an deiner Idee Float, weil sie den Austausch fördert.»
Inspirierende Inputs
Studentin Nina Thoma bezeichnet solche Rückmeldungen als grossen Pluspunkt ihrer bisherigen Weiterbildung. Sie sagt: «Man kann Kontakte knüpfen und profitiert besonders von den Gruppeninputs im Unterricht. Das bringt viel mehr als nur allein zu arbeiten.» Bei ihrem Festival Umwäg entstehen durch Gespräche auf einer gemeinsamen Wanderung von Gais nach Trogen neue Perspektiven. Unterwegs werden Workshops von eingeladenen Gestalter:innen geleitet.
Auch Vivien Huber sieht unterschiedliche Standorte vor. In der Stadt St.Gallen sollen Objekte und Orte mit Hilfe von Motion Design temporär beleuchtet werden. Passend nennt sie ihr Festival Blink. «Beim Brainstorming bin ich auf das Stichwort Blinzeln gestossen. Ein Blinzeln ist ein kurzer, flüchtiger Moment. Genau wie die Motion-Design-Projektionen des Festivals, die nur für wenige Minuten erscheinen und gleich wieder verschwinden», erklärt Vivien Huber.
Lehrgangsleiter Roland Stieger bezeichnet den Namen als ideal und gibt gleich der ganzen Klasse ein Feedback, das für die weiteren Semestern motiviert: «Ihr habt einen grossartigen Weg als Klasse zurückgelegt. Ich würde mir wünschen, eins solches Festival gemeinsam mit euch umzusetzen.»