GVJ-Lernende experimentieren mit Farbpunkten und Landschaftsstimmungen
An der schwarzen Wand im Gang der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen sind vielfältige Arbeiten aus Landschaftsmalerei, Stillleben, Pointillismus und figurativer Acrylmalerei zu sehen. Die Lernenden des Gestalterischen Vorkurses für Jugendliche experimentierten und setzten sich dabei mit Farbenlehre, Raumwirkung und Maltechniken auseinander.
Miniatur-Landschaften
Entstanden sind im Fach «Zeichnen, Farbe, Form» Gouache-Arbeiten, in denen die Lernenden nicht nur Landschaften beobachteten und interpretierten, sondern sich gleichzeitig mit Farbenlehre auseinandersetzten.
Die Teilnehmenden der A-Klasse aus dem Gestalterischen Vorkurses für Jugendliche lernten mit dem Farbdreieck nach Goethe Primär-, Sekundär- und Tertiärfarben kennen und mischten sämtliche Farbtöne selbst. Verwendet werden durften ausschliesslich Primärfarben, daraus gemischte Sekundär- und Tertiärfarben sowie Weiss. «Bewusst ohne Schwarz», sagt Lehrperson Christine Aebi und erklärt: «Ziel war es, dunkle Töne nicht mit Schwarz abzudunkeln, sondern durch das Mischen anderer Farben lebendige Schatten und Tiefen entstehen zu lassen.» Dadurch wirken die Landschaften besonders farbig und atmosphärisch.
Gerade Tertiärfarben eignen sich hervorragend für Landschaftsmalerei, da sie viele Erd-, Braun- und Grüntöne enthalten, die in der Natur häufig vorkommen. So entstanden Miniatur-Landschaften mit ganz eigener Atmosphäre – von warmen Abendstimmungen bis zu kühlen, nebligen Szenen.
Installation mit Tulpen
Die zweite Bildserie entstand anhand einer installierten Tulpen-Komposition in der Mitte des Zeichnungssaals. Die arrangierten Blumen dienten als gemeinsames Stillleben, wobei jede lernende Person ihren eigenen Bildausschnitt auswählte und malerisch umsetzte.
Im Fokus stand dabei vor allem die räumliche Wirkung eines Bildes. Die A-Klasse des Gestalterischen Vorkurses beschäftigten sich mit Vorder-, Mittel- und Hintergrund und lernten, wie durch verschiedene Ebenen und Raumschichtungen Tiefe entsteht. Christine Aebi erklärt: «Dadurch entstand eine räumliche Tiefe, die den Blick durch das Bild führt. Das ist eine wichtige Grundlage sowohl für die Stillleben- als auch für die Landschaftsmalerei.»
Die Macht der Gewohnheit hätte die Lernenden dazu verleiten können, einen Tulpenstrauss gross in den Mittelpunkt ihres Formates zu stellen und den Rest als Hintergrund aufzufassen. Es ging jedoch nicht darum, ein klassisches Stillleben zu malen. «Im Gegenteil: Die Tulpen wurden teilweise zu fast beiläufigen Akzenten im Bild», sagt Christine Aebi.
Dank der vorgängigen Übungen zur Farbmischung zeigen die Arbeiten bereits eine grosse Differenziertheit in den Farbnuancen. Besonders anspruchsvoll war für die Lernenden dabei das genaue Mischen der beobachteten Farbtöne sowie das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Erst durch diese beiden Elemente entsteht eine glaubwürdige räumliche Wirkung.
Pointillismus
Für die dritte Bildserie setzten sich die Jugendlichen mit der pointilistischen Malerei auseinander. Ausgangspunkt war eine eigene Zeichnung aus dem ersten Semester, die nun malerisch neu interpretiert wurde. Dabei lernten sie das Phänomen der optischen Farbmischung kennen, ein zentrales Merkmal des Pointillismus.
Anders als beim klassischen Mischen von Farben auf der Palette werden die Farbtöne hier nicht direkt vermengt, sondern als kleine Punkte nebeneinandergesetzt. Verwendet wurden ausschliesslich reine Primär- und Sekundärfarben. Erst aus der Distanz verbindet das Auge die einzelnen Punkte zu neuen Farbtönen und Bildflächen. Christine Aebi erläutert: «Dieses Prinzip der optischen Mischung gilt heute als eine Art Vorläufer der Pixeltechnik. Vergleichbar ist das auch mit einem Mosaik: Aus der Nähe erkennt man einzelne Farbsteine oder Punkte, aus der Entfernung entsteht jedoch ein geschlossenes Bild.» Dasselbe Phänomen begegnet uns auch im Offsetdruck. Aus der Nähe kann man auf grossen gedruckten Plakaten die einzelnen Punkte aus Magenta, Cyan, Gelb und Schwarz erkennen.
Figurative Malerei: Familienporträts
Im Wahlprojekt «Figurative Malerei» blätterten die Lernenden zuerst in den Fotoalben ihrer Familien. Diese dienten als Ausgangspunkt für die Arbeiten mit Acrylfarben. Dies ermöglichte es den Lernenden, unterschiedliche Malweisen – von transparenten Farbschichten bis hin zu deckenden, expressiven Flächen – auszuprobieren. Das Konzept der figurativen Familienporträt-Malerei stammt von Claudia Züllig, unterrichtet wurden die Jugendlichen von Christine Aebi und Andrea Corciulo. Durch die persönliche Verbindung zu den Bildern entstanden Arbeiten mit einer spürbaren persönlichen Präsenz.