Honig- und Wildbienen: Visuelle Gestalterin zeigt, dass es beide braucht
Das Ziel der HF-Diplomarbeit von Rita Kurmann ist klar formuliert: Der Schweizer Bevölkerung soll bewusstwerden, dass es nicht nur Honigbienen gibt. Es gibt noch viele andere Bienenarten, die für die Bestäubung unserer Pflanzen extrem wichtig sind. Mit einem selbst gestalteten Buch leistet die Absolventin des Lehrgangs Visuelle Gestaltung Aufklärungsarbeit.
Fleissig wie eine Biene. Rita Kurmann hat für ihr Buch verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten ausprobiert und nach eigenen Angaben unzählige Male wieder von vorne begonnen. Die Disziplin aufzubringen, immer wieder mit neuer Motivation in einen Entwurfsprozess zu starten, sei hart gewesen. «Aber der Kampf hat sich gelohnt», sagt die Absolventin des HF-Studiums Visuelle Gestaltung. Sie rät den Studierenden, sich nicht aufhalten zu lassen: «Knie dich in den Designprozess rein. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du wieder einen Lauf hast und mit dem Ergebnis zufrieden bist.»
Hilfreich war, dass Rita Kurmann ihr Ziel nicht aus den Augen verlor. Mithilfe ihres Diplomprojekts möchte sie junge Erwachsene über die Honig- und Wildbienen aufklären. Missverständnisse und Unwissenheit in Bezug auf das Bienensterben sollen in ihrem Buch aufgeklärt werden. «Auf das Thema bin ich dank meiner Kollegin, die Imkerin ist, gekommen. Die Honigbienen machen weltweit nur einen kleinen Teil aller Bienenarten aus. Auch in der Schweiz können wir über 600 Arten von Wildbienen finden. Bis jetzt», sagt Rita Kurmann.
Gründe für das Bienensterben
Während ihrer Recherche stiess Rita Kurmann auf den nationalen Imkerdachverband «apisuisse» und auf die Honigbienenorganisation «Free the Bees». Letztere informiert auf ihrer Webseite, dass von einst über 600 heimischen Wildbienenarten bereits mehr als 10 Prozent ausgestorben seien. Deren 45 Prozent seien gefährdet, darunter die Honigbiene. Die Gründe für das Bienensterben werden einerseits in den Pestiziden verordnet, welche die Bienen belasten.
Andererseits haben viele Wildbienenarten spezielle Lebensraumanforderungen. Sie nisten sich zum Beispiel in hohlen Stängeln oder in Totholz ein. Verschwinden solche Lebensräume durch Urbanisierung und intensive Landwirtschaft, wirkt sich das negative auf den Bestand der Wildbienen aus. «apisuisse» empfiehlt Blumenwiesen zu sähen und Blumenbeete zu pflanzen. «Free the Bees» verfolgt unter anderen den Ansatz der nachhaltigen Honigproduktion und bietet Schulungen für Imker an.
Allein dieser kurze Abstecher in die Welt der Bienen verrät, weshalb die Recherchephase viel Zeit in Anspruch nahm. Rita Kurmann erklärt: «Ich musste mir zuerst ein solides Grundwissen aneignen. Dieses dann zu ordnen und zu strukturieren, war für mich der schwierigste Part der Arbeit.» Nach reiflicher Überlegung entschied sie sich für die gegenüberstellende Mechanik. Die Texte über die Honigbienen sind auf den linken Buchseiten und diejenigen über die Wildbienen immer rechts angeordnet.
Die Mechanik des Buches
Als gelernte Polygrafin EFZ ist es sich Rita Kurmann gewohnt, aufgrund von Richtlinien und Vorgaben strukturiert zu designen. Im berufsbegleitenden HF-Studium hat sie nun gelernt, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Sie sagt: «Der Kreativität wird freien Lauf gelassen, das Bauchgefühl gestärkt.» Sätze wie «Das geht nicht» oder «Das ziehe ich gar nicht erst in Betracht» werden aus dem Repertoire gestrichen.
Die Texte in ihrem Buch unterscheiden sich inhaltlich, wenn die beiden Bienenarten unterschiedliche Eigenschaften aufzeigen. Sind sie in etwas gleich, werden beide Seiten mit dem gleichen textlichen Inhalt bespielt. Die Honigbienentexte sind in einem Blocksatz formatiert. Dies soll auf die Lebensart im Bienenhaus hinweisen. Die Bienenvölker, die von Imkern gehalten werden, leben häufig in Kästen.
Die Texte sind in einem strikten Layoutraster angeordnet und brechen nicht aus der Gestaltung aus. «Das soll auch ein wenig auf den Fakt der Zuchtbiene aufmerksam machen und auf die Gefangenschaft hinweisen», schildert Rita Kurmann.
Die Seiten über die Wildbienen folgen keinen Regeln, denn Wildbienen suchen ihren Nistplatz selber aus und leben in der freien Natur. «So verhalten sich auch die Texte. Sie kennen keine Raster und fliegen wild umher, sind schräg oder schlängeln über die Seite», so Rita Kurmann. Ihre Beschreibungen wecken definitiv die Lust, in ihrer Diplomarbeit zu blättern.