Interactive Media Design HF als Sprungbrett ins Unternehmertum
Als Gianluca Brühwiler den Vorkurs Design Essentials an der Schule für Gestaltung St.Gallen besuchte, kam er aus einer ganz anderen Welt. Der gelernte Fachmann Gesundheit EFZ hatte bis dahin wenig Berührungspunkte mit Design oder digitalen Gestaltungstools. Heute entwickelt der diplomierte Interactive Media Designer HF digitale Konzepte, gestaltet Markenauftritte und verfolgt gemeinsam mit Freunden eine eigene Start-up-Idee: Die atmungsaktive Unterhose «fraire».
«Ich wurde im Vorkurs förmlich in die Design-Welt hineingezogen», erinnert sich Gianluca Brühwiler. Im Vorkurs Design Essentials eignete er sich Grundlagen in Visueller Gestaltung, Interactive Media Design und Fotografie an. Der anschliessende berufsbegleitende HF-Studiengang Interactive Media Design bot ihm die Möglichkeit, dieses Wissen weiterzuentwickeln und mit technischen Kompetenzen zu verbinden.
Als Quereinsteiger waren Programme und Arbeitsweisen der Designbranche zunächst Neuland für ihn. «Vor dem Studium kannte ich Tools wie Figma gar nicht», sagt er. «Dank den Projekten im Unterricht habe ich mein technisches Know-how stark erweitern können.» Aktuell arbeitet Gianluca Brühwiler bei der Swifiss AG in Urnäsch als Sales- und Productmanager. Der Go-Live der Websites für drei Eigenmarken des Kosmetikherstellers war das letzte grössere Projekt.
Produkt soll sich dem Körper anpassen, nicht umgekehrt
Parallel zu Studium und Beruf arbeitete Gianluca Brühwiler gemeinsam mit seinen Freunden Maurice und Maxim an einem ganz anderen Projekt: dem Start-up fraire. «Während bei Sportbekleidung, Schuhen oder technischen Textilien ständig Innovationen stattfinden, hat sich bei Unterwäsche für Männer in den letzten Jahren wenig verändert», sagt Gianluca Brühwiler.
Maurice brachte die Grundidee ein und beschäftigte sich intensiv mit den Themen Gesundheit und körperliche Performance. Maxim ergänzte das Projekt mit seinem Know-how in Produktentwicklung, Marktanalyse und E-Commerce. Gianluca wiederum gab «fraire» als kreativer Kopf sein Design und prägte die visuelle Identität der Marke.
Gemeinsam entwickelten die drei Gründer ein zonenspezifisches Materialkonzept für eine Unterhose. So sollen eine bessere Luftzirkulation, eine gezielte Temperaturregulierung und ein optimiertes Feuchtigkeitsmanagement erreicht werden. «Unser Ansatz ist: Produkte sollten sich dem Körper anpassen und nicht umgekehrt», sagt Gianluca Brühwiler. «Jedes Material wird bei der Unterhose dort eingesetzt, wo es funktional sinnvoll ist.»
Entwickelt in St.Gallen, produziert in Europa
Der Name fraire ist kein Zufall. Er verbindet die enge Beziehung der Gründer mit dem Fokus auf Luftzirkulation und Funktionalität. Maurice und Maxim sind Brüder, Gianluca ein langjähriger Freund. Der Absolvent des Lehrgangs Interactive Media Design HF erklärt: «Was uns verbindet, ist mehr als ein Geschäftsmodell. Wir kennen uns seit vielen Jahren und verfolgen gemeinsam ein Ziel.»
Die ersten Prototypen von «fraire» entstanden in St.Gallen. Gemeinsam mit den Bekleidungsgestalter:innen EFZ des Couture-Lehratelier am GBS St.Gallen entwickelten die Gründer Schnitte und erste Muster. Jetzt arbeiteten sie mit einem Produzenten in Portugal zusammen, der die Serienproduktion übernahm. «Es war uns wichtig, die Produktion in Portugal selbst kennenzulernen», erklärt Gianluca Brühwiler. «Wir haben die Menschen getroffen, die unsere Unterhosen herstellen. Das gibt Vertrauen und ermöglicht eine enge Zusammenarbeit.»
Finanziert wurde die erste Produktionsserie durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne. Über 80 Unterstützerinnen und Unterstützer aus der ganzen Schweiz investierten rund 20'000 Franken in das Projekt. Mit diesem Kapital konnten die ersten 1000 Unterhosen in vier Grössen produziert werden.
Studium und Start-up kombiniert
Mittlerweile ist der Online-Shop live. Die ersten Bestellungen wurden ausgeliefert, aktuell konzentriert sich das Team auf den Aufbau einer Community und die Auswertung von Kundenfeedback. «Im Moment wollen wir vor allem lernen und verstehen, wer unsere Zielgruppe genau ist», erklärt Gianluca Brühwiler. «Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Der nächste Schritt wird sein, gezielt mit Werbung zu starten und das Projekt weiter zu skalieren.»
Viele seiner an der Schule für Gestaltung St.Gallen erlernten Kompetenzen kamen direkt im Aufbau von «fraire» zum Einsatz. «Durch das Studium habe ich viele grafische Arbeiten selbst umsetzen können», sagt er. «Ich habe das Verpackungsdesign gestaltet, mit Adobe-Programmen gearbeitet und den Aufbau der Website begleitet. Genau solche Themen aus dem Interactive Media Design konnten wir direkt für unser Start-up nutzen.»
Neben den fachlichen Inhalten schätzt Gianluca Brühwiler besonders die Unterstützung durch die Dozierenden. «Die Dozierenden waren bei Fragen jederzeit erreichbar», sagt er.
Ordly: Digitale Ordnung neu gedacht
Rückblickend auf seine Studienzeit empfiehlt Gianluca Brühwiler Studierenden vor allem eines: Eigeninitiative. «Von Anfang an wird viel Selbstständigkeit erwartet», erklärt er. «Man bekommt ein starkes Fundament durch die Schule und die Dozierenden. Gleichzeitig kann man selbst entscheiden, in welche Richtung man sich vertiefen möchte.»
Gerade für die Diplomarbeit sei es wichtig, ein Thema zu wählen, das persönlich interessiert. «Wenn man etwas bearbeitet, das Spass macht und einen wirklich beschäftigt, bleibt die Motivation viel höher. Dann arbeitet man auch ausserhalb des Unterrichts gerne daran weiter.» Gianluca Brühwiler arbeitete nebst Beruf und Start-up gerne an «Ordly» weiter, ein Konzept für die intelligente Organisation digitaler Informationen.
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