Ist dieses Umweltkatastrophen-Bild echt oder fake?
Wahr oder manipuliert? Die beiden Journalisten Sara Leuthold und Pascal Nufer führten mit mehreren ABU-Klassen einen Workshop über Fake News durch. Ihre wichtigste Botschaft an die Lernenden: Denkt mit, hinterfragt was euch angezeigt wird und recherchiert selbst.
Überflutete Strassen in einer Grossstadt. Das Bild, das Pascal Nufer den Lernenden in der Aula des GBS St.Gallen einblendete, liess beim ersten Hinsehen niemanden kalt. Auf den zweiten Blick war dann doch die Mehrheit der Jugendlichen der Meinung, dass es sich um eine Fälschung handelt. «Das ist cool, dass ihr schon so weit seid und das erkennt. Das Resultat hätte vor einem halben Jahr noch anders ausgesehen», sagte Pascal Nufer, Journalismus-Dozent an der ZHAW und ehemaliger Asien-Korrespondenz fürs Schweizer Radio und Fersenehen SRF.
Sara Leuthold erklärte: «Fake News sind gemacht, damit wir etwas glauben, anklicken oder weiterleiten.» Sie ist Programmentwicklerin und Produzentin bei SRF und führte gemeinsam mit Pascal Nufer durch diese Spezial-Lektionen im Allgemeinbildenden Unterricht. Beide Journalisten empfehlen den Lernenden die Bildprüfung «Reverse Image Search» über Google und einen Quellencheck.
Journalismus: Mehr als nur Fragen stellen
Um sich gegen Desinformation wappnen zu können, wurde unter anderem darüber gesprochen, wie die Arbeit einer Journalistin und eines Journalisten aussieht. Die Medienschaffenden stellen verschiedene Meinungen gegenüber, prüfen Quellen, erstellen Bilder und recherchieren.
Sara Leuthold brachte ihre Dokumentation «Blindflug» als Beispiel. Während eines Jahres setzte sie für das SRF die DOK-Serie um, die zwei blinde Männer auf ihren Reisen nach Athen oder Berlin begleitete. «Wir stellten uns zuerst die Frage, welchen Fokus wir setzen wollen», begann Sara Leuthold und erklärte weiter: «Unser Credo war, dass Inklusion Spass macht. Wir wollten zwei schlaue, selbstständige junge Männer zeigen, die beweisen, dass man auch mit einer Sehbehinderung reisen und entdecken kann.»
Entstanden sind letztlich drei Sendungen, die um die 45 Minuten dauern. An die Lernenden gerichtet sagte Pascal Nufer: «Ihr seht den Prozess bis zur finalen Ausstrahlung: Recherchieren, schneiden, wieder anschauen, mit den Protagonisten im Gespräch sein und überlegen, was bei den Zuschauenden ankommt.»
Fake wird enttarnt
Um den Begriff Fake News zu verdeutlichen, nutzten Pascal Nufer und Sara Leuthold eine Ausführung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: «Fake News beschreiben weniger die unbeabsichtigten Fehler im Nachrichtengeschäft, sondern absichtliche Fälschungen.» Solche wurden den Lernenden entweder in Bildern oder als Text regelmässig eingeblendet.
Die auf Instagram angezeigte Headline «SRF berichtet: KI ersetzt bis 2027 die Hälfte aller Lehrstellen» konnte mittels Quellencheck rasch widerlegt werden. Auf SRF oder anderen Newsportalen gibt es keine Artikel über das Thema. «Gebraucht euer Hirn und eure Finger und überprüft mit Hilfe von Google und traditionellen Newsseiten», appellierte Sara Leuthold.
Zum Abschluss konnten die Lernenden in Gruppen selbst Texte entwerfen, die seriös und emotional wirken sowie glaubwürdig aussehen. Dabei durften sie selbst eine unklare Quelle, eine haltlose Schuldzuweisung oder Zahlen ohne Beleg einbauen – was sichtlich Freude bereitete. Vor allem half dieser Perspektivenwechsel die Sinne für wahren oder manipulierten Inhalt zu schärfen.