Migrationspolitik im Fokus: ABU-Unterricht in Freiburg
Der Abstimmungssonntag am 14. Juni 2026 begleitete die Klasse INA1b auf ihrer zweitägigen Exkursion. Die angehenden Applikationsentwickler:innen besuchten das Landesmuseum in Zürich und fuhren dann weiter nach Freiburg. Dort standen eine Stadtführung sowie ein gemeinsamer Allgemeinbildender Unterricht (ABU) an der Gewerblichen und Industriellen Berufsfachschule Freiburg (GIBS) auf dem Programm.
Das Stimmvolk hat am 14. Juni 2026 die Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz abgelehnt. Migration gehört zur Geschichte der Schweiz. Im Landesmuseum Zürich verglichen die Lernenden der INA1b die Migrationsgeschichte damals und heute. In Gruppen aufgeteilt befassten sie sich mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen. «Es war anhand dieser Personen interessant zu erfahren, dass es Migration schon früher gegeben hat», sagt Alea, Applikationsentwicklerin im ersten Ausbildungsjahr.
Die Lernenden erfuhren unter anderem von der Überfremdungsinitiative von 1970, welche forderte, den Ausländeranteil in jedem Schweizer Kanton ausser Genf auf maximal 10 Prozent zu begrenzen. Ebenfalls blickte die Ausstellung im Landesmuseum aufs 19. Jahrhundert, als viele Schweizer im Ausland bessere Lebensbedingungen suchten. Die Ausstellung verdeutlicht, dass Menschen damals wie heute aus ähnlichen Gründen migrieren: auf der Suche nach Arbeit und Sicherheit, aufgrund von Armut oder Krieg oder in der Hoffnung auf bessere Zukunftschancen.
Traditionsessen mit und ohne Senf
Die Informatiker:innen setzten ihre ABU-Reise anschliessend fort. Nächster Halt: Freiburg. Die Partnerschaft zwischen dem GBS St.Gallen und der GIBS Freiburg wurde vergangenen November intensiviert. Während der damaligen nationalen Austauschwoche trafen sich die beiden Schulleitungen und tauschten sich über Best-Practice-Beispiele und Herausforderung in der Schulentwicklung aus (mehr dazu). Aus diesem Kennenlernen entstand nun die erste gemeinsame Unterrichtseinheit zweier Klassen, finanziell Unterstützt von Movetia, der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität in der Bildung.
Zu Beginn diskutierten die Informatiker:innen aus der Ostschweiz mit den Heizungsinstallateuren und Automatikern aus dem Kanton Freiburg über die regionalen Unterschiede. Natürlich wurde die Olma-Bratwurst ohne Senf thematisiert. Die Freiburger können mit dem feinen Safranbrot Cuchaule in Kombination mit dem sogenannten Chilbisenf (Moutarde de Bénichon) dagegenhalten. GIBS-Lehrperson Christian Schöpfer liess die St.Galler Schulklasse während seiner vormittäglichen Führung durch die Saane-Stadt degustieren.
Was macht Schlagzeilen?
Die Lernenden spazierten unter anderem über die alten Stadtmauern, besichtigten die Kathedrale St.Nikolaus von Innen und erfuhren von Christian Schöpfer, dass im Murtentor eine öffentliche Kletterwand ist. Seit mehr als 30 Jahren wird der historische Turm als einzigartiger Trainingsort benutzt.
GBS-Lernende Alea hat Freiburg gefallen: «Die hügelige Landschaft ist mega und die Altstadt ist schön gross.» Simon fand es interessant, in einem anderen Schulhaus ABU-Lektionen zu haben und sich mit Lernenden im dritten Ausbildungsjahr auszutauschen. Gemeinsam blätterten die beiden Klassen in den Freiburger Nachrichten wund verglichen, welche News in den Regionen bewegten.
Während der St.Galler Kantonsrat an diesem Tag Ja zum Kopftuchverbot für Lehrerinnen sagte, gab im Kanton Freiburg ein neues Hallenbad zu reden. In Plaffeien im Sense-Oberland soll es für etwas mehr als 27 Millionen Franken gebaut werden. An der Urne wurde am 14. Juni gegen das Projekt abgestimmt. «Ich habe nicht gewusst, was hier in Freiburg läuft», sagt Simon. Die Freiburger Nachrichten vermeldeten zum Beispiel den Verblieb des US-Amerikaner Jonathan Williams beim Schweizer Basketballmeister Fribourg Olympic.
Zwei Tage voller Begegnungen und Eindrücke
In der letzten Lektion befassten sich die beiden Klassen mit der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» und der Änderung des Zivildienstgesetzes. Die Argumente der Befürworter:innen und der Gegner:innen wurden zusammengetragen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Mit dem abschliessenden Meinungsbild verabschiedeten sich die Lernenden voneinander und auf der Rückreise nach St.Gallen konnte die INA1b die zwei Tage Revue passieren lassen.