Berufsfachschulen im Dialog: GBS St.Gallen und GIBS Freiburg rücken näher zusammen
Bienvenue à Fribourg. Die Schulleitungen des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St.Gallen und der Gewerblichen und Industriellen Berufsfachschule Freiburg (GIBS) haben das Zeitfenster der nationalen Austauschwoche genutzt. Sie haben sich über Best-Practice-Beispiele und die Herausforderung in der Schulentwicklung ausgetauscht.
Diese Zahlen könnten zwar gerade so gut aus dem Jahresbericht des GBS St.Gallen stammen, zeigen aber den Stellenwert der Gewerblichen und Industriellen Berufsfachschule (GIBS) in Freiburg. Über 3500 Lernende besuchen die vielfältigen Bildungsangebote der GIBS Freiburg – von Brückenangeboten und Berufsmaturität bis hin zu Berufslehren wie Bekleidungsgestalter/-in EFZ, Carrosserielackierer/-in EFZ oder Bäcker/-in-Konditor/-in-Confiseur/-in EFZ. Mehr als 300 Lehrpersonen gestalten dort den Unterricht.
Nach seinem Besuch in der Saane-Stadt sagt GBS-Rektor Daniel Kehl: «Unsere Schulen sind sehr ähnlich und haben eine Herangehensweise, wie sie die Schulentwicklung vorantreiben.» Auch GIBS-Direktor Rolf Wehren sieht viele Pluspunkte im Treffen während der nationalen Austauschwoche, die zum dritten Mal von Movetia, der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität in der Bildung, organisiert wurde. Er wünscht sich künftig ein regelmässiges Format dieser Art und sagt: «Zwei Schuldirektionen kommen zusammen, diskutieren offen und machen eine Auslegeordnung – das ist genial!»
Unterrichten auf Französisch oder Deutsch
Rolf Wehren und seine Direktionskollegen berichteten unter anderem von der Herausforderung des bilingualen Unterrichtens. Bei 49 Berufen werden die Lektionen auf Französisch durchgeführt, bei 28 ist die Unterrichtssprache Deutsch. Im nächsten Schuljahr werden neue Berufe dazukommen, weil die Luxusuhren-Firma Rolex in Bulle eine neue Fabrik in Bulle baut. Unter anderen werden Uhrenmacher EBA an der Derrière-les-Remparts die Berufsfachschule besuchen.
Alexander Neuhaus, GIB-Vorsteher der Berufe Technik und Labor, erzählte über den Tag der offenen Türe für Oberstufenschüler/-innen und Lehrpersonen. Die GIBS stellt an diesem Anlass jeden Beruf durch die Lernenden vor und ermöglicht somit auch einen Einblick in den Schulalltag. Die Zahlen sind eindrücklich: Weit über 1000 Oberstufenschüler/-innen besuchten den Anlass und 70 Oberstufenlehrpersonen nahmen an Seminaren teil, die sich dem reibungslosen Übertritt in die Berufsfachschule widmeten.
Fokus auf Woche 0
Jürg Pfeiffer, Prorektor Technische Berufe und Schule für Gestaltung Lehrberufe, berichtete über das Mentoratssystem, das neuen Lehrpersonen am GBS St.Gallen einen optimalen Start ermöglicht. Für Lernende erleichtert der IT-Support die Anfangsphase. Die ICT-Lernenden im zweiten Ausbildungsjahr bieten diesen Service in den ersten beiden Schulwochen an fünf verschiedenen GBS-Standorten an.
«Fast 300 Tickets wurden letzten August erstellt», berichtete Michael Bossart, Prorektor Bauberufe. Der Effekt sei enorm gewesen und habe sich positiv auf die Nervosität der Lernenden und der Lehrpersonen ausgewirkt. Gut möglich, dass am GIB Freiburg eine ähnliche Hilfestellung mit Unterstützung der Informatiker/-innen für die sogenannte Woche 0 aufgegleist wird.
Geteilte Führungsverantwortung
Neben den Gesprächen um Stundenpläne und dem Recruting von neuen Lehrpersonen wurden seitens der Freiburger Kollegen auch Fragen zur Funktion des Lehrervertreters gestellt. Samuel Bertsch wurde am Gesamtkonvent des GBS St.Gallen gewählt und vertritt die Anliegen der Lehrpersonen im Rektorat. Daniel Kehl erklärt: «Samuel Bertsch ist unser bester Spiegel ins Lehrerzimmer. Er kann uns mitteilen, welche Auswirkungen Überlegungen des Rektorats auf die Arbeit der Lehrpersonen haben.»
Besonders während der Einführung der flacheren Führungsstruktur am GBS St.Gallen war der Lehrervertreter eine wertvolle Schnittstelle. Den Westschweizer Kollegen wurde berichtet, dass die geteilte Führungsverantwortung dazu geführt hat, dass die Schule stabiler aufgestellt ist. André Tinguely, GIBS-Vorsteher der Automobil- und Industrieberufe, schaute sich das Organigramm genau an. Auch aus seiner Sicht ist es ein Vorteil, dass die 38 Fachbereichs- und Lehrgangsleiter Führungsverantwortung für 8 bis 12 Personen übernehmen.
À bientôt à Saint-Gall
Die beiden Schulleitungen konnten während ihres Austausches viele solcher Inputs sammeln. Michael Bossart sagt: «Ich habe mir einige Ideen aufgeschrieben, die ich gerne vertiefen werde.» Um zu profitieren möchte er beispielsweise den Kontakt zu den Themen Förderbereich und Management Review intensivieren. Diesen Effekt hat sich Daniel Kehl vom erstmaligen Treffen erhofft. «Jetzt haben wir uns kennengelernt und die Gesichter zu den Namen gesehen. Das ist das Wichtigste für einen künftigen Austausch», sagt er. Ein Gegenbesuch in St.Gallen ist bereits in Planung.