Unterrichten im Metaverse – inspiriert geht es weiter
Mit dem Metaverse-Projekt «XReate» werden Voraussetzungen für eine virtuelle Unterrichtsumgebung geschaffen, in der sich Lernende und Lehrpersonen unabhängig von Landesgrenzen begegnen und austauschen. Unter der Leitung des GBS St.Gallen verfolgen die Projektpartner Newcastle College (England), Talland (Alkmaar, Holland), IES El Rincon (Las Palmas, Spanien) und OSAO Koulutuskuntayhtymä (Oulu, Finnland) ein Ziel: Sie möchten ihren Unterricht um praktische Anwendungen und Beispiele aus dem virtuellen Raum ergänzen. Beim abschliessenden Meeting in St. Gallen wurden die Grundlagen für ein Folgeprojekt gelegt – angereichert mit inspirierenden Inputs von Experten/-innen.
Das Projekt-Team von «XReate» weiss mittlerweile genau, welche Lernsettings im Metaverse möglich sind. Chemielaboranten/-innen können in der virtuellen Umgebung Experimente durchführen, ohne dass bei einem Fehler Gefahr oder finanzielle Konsequenzen drohen. Informatiker/-innen können ein Robo-Race gemeinsam coden und Grafiker/-innen in internationalen Arbeitsgruppen ein Unterrichtssequenz über Poster-Design durchführen.
Beim Treffen am GBS St.Gallen wurde das «XReate»-Team in seinem Vorhaben bestärkt, unter anderem von Laraine Redmond, CFO und General Manager der Pixelmolkerei AG und Gründerin des Meta Hospital VR Training Center. Für diese Plattform werden VR-gestützte Trainingsmodule für Fachkräfte im Gesundheitswesen entwickelt. Laraine Redmond verwies während ihres Impulsreferats auf eine Studie des Imperial College London.
Das Ergebnis: Das Training mit der VR-Softwarelösung der Pixelmolkerei AG wirkt deutlich besser als klassische Lernmethoden. 83 Prozent der VR-geschulten Teilnehmenden konnten den Arbeitsprozess selbstständig meistern. In der Gruppe, die nach klassischen Methoden wie Lesen, Videos und Zuschauen lernte, schaffte es niemand. «Im virtuellen Raum sind die Lernenden fokussierter und weniger abgelenkt, zum Beispiel durch Smartphones oder andere Personen», erklärt Laraine Redmond.
Wer entwickelt die Software?
Anhand des Meta Hospital VR Training Center zeigte Laraine Redmond auf, welche Partner bei der Entwicklung einer solchen Lernumgebung im Idealfall involviert sind. Sie empfiehlt: «Investiert einen fixen Teil eures Budgets für nachhaltige, langlebige Lerninhalte. Werdet Teil der Community, welche in Europa wirkungsvolle VET-Virtual-Reality-Trainings von Handlungsabläufen produziert. Euer Mitwirken mit den Steakholdern ist entscheidend, um diese Entwicklung nachhaltig im Lehrplan zu verankern.»
Genau an diesem Punkt steht jetzt das von Movetia unterstützte Projekt «XReate». Nach zwei Jahren und der Erstellung von Prototypen geht das Projekt planmässig zu Ende. Es gab Treffen in Purmerend NL (Januar 2023), Las Palmas E (Januar 2024), Oulu FIN (September 2024), Newcastle GB (März 2025) und St.Gallen (September 2025). «Wir haben uns auf diesem Weg immer wieder herausgefordert», sagt Daniel Kehl, Rektor am GBS St.Gallen. Ein wichtiges Learning sei, dass die Bildungsinstitutionen selbst zwar keine professionelle Software entwickeln können, aber verstanden haben, wie die VR-Technologien funktionieren und welche spezifischen Use Cases sich daraus ableiten.
Denkanstösse von Experten/-innen
In einem Folgeprojekt werden nun die nächsten Schritte zur Gewinnung weiterer Partner, zur optimalen Verankerung in den Lehrplänen sowie zur Nutzung bestehender VR-Anwendungen geplant. Für die konkrete Ausarbeitung des Erasmus+-Projektantrags hat die holländische Partnerschule Talland während den vier Tagen in St.Gallen wertvolle Ideen sammeln können. Das lag nicht zuletzt an den eingeladenen Experten/-innen im Bereich AR, XR und VR, die zahlreiche Anwendungsbeispiele zeigten und Denkanstösse gaben.
Édouard Lamboray von der Schweizer Bildungsorganisation Educa rief in Erinnerung, dass lehren und lernen im digitalen Bildungsraum einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten und Technologie erfordert. Von der Pädagogischen Hochschule Zürich reiste Martin Berger an. Er leitet das Forschungs- und Entwicklungsprojekt Immerse, das sich auf die Integration von XR und KI-Tools in die Hochschul- und Berufsbildung konzentriert. Unter anderem stellte er den Prototypen eines KI-Avatars vor, mit welchem Lernende Gespräche mit schwierigen Kunden simulieren können. «KI-gestütztes Training kann die Berufsbildung sinnvoll ergänzen, besonders für Lernende mit begrenzten Möglichkeiten zur praktischen Ausbildung am Arbeitsplatz», sagt Martin Berger. Die Lernenden meldeten zurück, dass sie das Training als wirksam empfinden.
Weiter zeigte Martin Berger, wie angehende Elektrofachkräfte die Erstprüfung einer elektrischen Anlage auf VR-Brillen trainieren. Lernende, welche die immersive Lernumgebung Volt VR nutzten, verbesserten sich um fast eine ganze Note.
Von der Bandara VR GmbH, die Volt VR entwickelt hat, war Sabrina Curschellas anwesend. Sie berichtete aus der Erfahrung von über 150 entwickelten 360°-, AR- und VR-Inhalten.
Warum kommt uns Gamen nicht wie lernen vor?
Interessante Parallelelen zum Gamen zog Sebastian Rangger. Der Gründer der Rangger Game Prototyping GmbH sagt: «Spielen bedeutet ständiges Lernen und Üben – ohne dass es sich danach anfühlt.» Games zeichnen sich durch sofortiges Feedback, klar sichtbaren Fortschritt und selbstbestimmte Freiheit aus. Schulen dagegen arbeiten mit verzögertem Feedback, Prüfungen nach Monaten und einem einzigen Zahlenwert als Bewertung. «Auch beim Scheitern unterscheiden sich die Systeme», sagt Sebastian Rangger. Games erlauben es, weiter zu probieren und den Schwierigkeitsgrad flexibel anzupassen. Die Reise ist das Ziel. In der Schule dagegen gilt Scheitern häufig als Makel.
Sebastian Rangger macht sich dafür stark, dass Lernen als Abenteuer gestaltet wird, in dem Neugier belohnt, Feedback ernst genommen und kleine Fortschritte sichtbar gemacht werden. Besonders mit der Unterstützung von VR als nächster Entwicklungsstufe des Game Designs.
Womit sich der Kreis zur ersten internationalen Berufsschule im Metaverse wieder schliesst. Den Prototyp für die «XCreate»-App haben Paul Smyth und Murray Lambert, Gamedesigner vom Newcastle College, entwickelt. Während eines Treffens des Projektteams im vergangenen Jahr wurde getestet, wie die Benutzeroberfläche aussehen soll und wie die Schaltflächen reagieren. Die Basis für weitere Meilensteine aus dem Projekt «XReate» ist gelegt.