VA-Prämierungsfeier: 37 Überflieger ausgezeichnet und zwei Katzen nicht vergessen
Hinter jeder Vertiefungsarbeit stecken Neugier, Ausdauer und unzählige Stunden engagierter Arbeit. Für ihre hervorragende Leistung über mehrere Wochen hinweg im Allgemeinbildenden Unterricht (ABU) wurden 37 Lernende geehrt. Mit ihrem Feinmotorik-Würfel etwa belegten Lyandra Graden, Melina Miskos und Julia Sennhauser den ersten Platz bei den vierjährigen Lehren der Bauberufe. Die Zeichnerinnen EFZ Fachrichtung Architektur brachten es in ihrer Präsentation stellvertretend für alle Prämierten auf den Punkt: «Wir sind sehr stolz auf unsere Arbeit. Danke, dass sie heute Abend diese Anerkennung bekommt.»
Dieser Blog geht aus Platzgründen auf die erstplatzierten Vertiefungsarbeiten ein. In der Bildstrecke wird pro Kategorie das gesamte Podest abgebildet.
Bei den Danksagungen zeichnet sich in der Regel ein vertrautes Bild ab: Eltern, Berufsbildner:innen, Lehrpersonen und Interviewpartner:innen standen den Lernenden während der Vertiefungsarbeit zur Seite. Für einen Schmunzler sorgte Mercury Barberio, der neben den üblichen Unterstützer:innen auch seinen beiden Katzen dankte, die ihm durch schwierige Phasen geholfen hätten. Der Unterhaltspraktiker EBA hatte für seine Vertiefungsarbeit einen Racing Simulator im Stil einer Mercedes G-Klasse gebaut.
Mercury Barberio erklärt, dass er durch die intensive Arbeit am Simulator ein besseres Bewusstsein für das reale Fahren entwickelt habe. Sein Ziel war es, mit dem Simulator eine praktische Unterstützung zu schaffen, die beim Fahrverhalten und beim Umgang mit Fahrzeugen helfen kann.
Ein exklusiver Kreis
Von insgesamt 985 Lernenden am GBS St.Gallen, die im Rahmen ihres letzten Lehrjahres eine Vertiefungsarbeit schrieben, wurden 37 ausgezeichnet. «Das sind gerade einmal 3,75 Prozent», sagt Reto Künzli vom ABU-Leitungsteam am GBS St.Gallen. «Mit Ihren ausserordentlichen Leistungen tanzen Sie aus der Reihe. Es braucht Glück und vor allem eine gewisse Widerstandsfähigkeit, um zu den prämierten Überfliegern zu gehören.» Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz sei es alles andere als selbstverständlich, den Eigenanteil hochzuhalten. «Ihnen ist das gelungen», gratulierte Reto Künzli, der durch die Feier moderierte und von Carina und Ron musikalisch umrahmt wurde.
Auch Prorektor Jürg Pfeiffer attestierte den Prämierten, es mit ihrer ausserordentlichen Leistung in einen exklusiven Kreis geschafft zu haben. «Ob heute der erste, zweite oder dritte Rang erreicht wird, ist letztlich zweitrangig: Entscheidend sind die Haltung von Demut, Dankbarkeit und die Erkenntnis, dass aussergewöhnliche Leistungen immer im Miteinander entstehen», so Jürg Pfeiffer. Er verwies darauf, dass der Allgemeinbildende Unterricht alle Lernenden unabhängig von ihrem Beruf begleite und Kompetenzen vermittle, die weit über die Ausbildung hinaus fürs Leben wichtig sind. Jürg Pfeiffer würdigte: «Vom Umgang mit Steuern und Verträgen bis zum Zusammenleben in der Gesellschaft. Ein besonderer Dank gilt den über 40 ABU-Lehrpersonen, die dieses Wissen mit grossem Engagement weitergeben.»
Die Jury begeistert
Vor der Aula genau begutachtet wurde das Diorama von Massimiliano Wicki. Der Fachmann Betriebsunterhalt EFZ stellte einen dreidimensionalen Schaukasten in Form einer Autowerkstatt aus. «Die Gestaltung der Inneneinrichtung, vor allem der Bau des Autolifts, machte mir besonders viel Spass», erklärt Massimiliano Wicki. Er habe bei seinem Projekt im Massstab 1:64 gelernt, geduldig und genau zu arbeiten, da Fehler sofort sichtbar wurden. In ihrer Laudatio würdigt ABU-Lehrerin Brigitte Brunner die Liebe zum Detail: «Alles sieht aus wie echt! Sein Interviewpartner, ein in der Hot Wheels-Community weltweit vernetzter Sammler mit eigenen Dioramen, war von so viel Kreativität und Fantasie genauso begeistert wie die Lehrperson und die Jury.»
«Imkern ist grossartig»
ABU-Lehrer Martin Heim fand für die Arbeit von Laborantin Linda Schlegel die passenden Worte. Er sagte: «Durch eine Umfrage in der Bevölkerung zeigt sie, dass das Wissen über Bienen und über deren Rolle in der Natur oft noch Lücken hat. Sie macht deutlich, dass wir das allgemeine Bewusstsein über die wichtige Aufgabe der Bienen weiter schärfen müssen, um der Gefahr des Bienensterbens für unser Ökosystem entgegenzutreten.»
Linda Schlegel setzte sich mit den Aufgaben und Rollen von Bienen in der Natur auseinander und übernahm selbst die Arbeit einer Imkerin. Sie hält fest: «Imkern ist eine grossartige Sache, es ist aber auch mit sehr viel Aufwand verbunden und man muss viel Zeit in die Bienen investieren.» Bei einer Kontrolle stellte Linda Schlegel fest, dass die Bienen das Futter nicht im obersten Bienenstock lagerten. Gemeinsam mit ihrem Götti besorgte sie zwei neue Waben, die passend platziert wurden. Im oberen Teil des Bienenstocks ist das Futter nämlich besser vor Feinden wie Wespen geschützt und Imker:innen gelangen leichter an die Honigwaben.
Offen diskutiert, gemeinsam nach Lösungen gesucht
Viele der prämierten Arbeiten entstanden in Gruppen. Lyandra Graden, Melina Miskos und Julia Sennhauser gingen der Frage nach, wie ein selbst entworfener Feinmotorik-Würfel die feinmotorischen Fähigkeiten von Kindern fördern kann.
Eine Ergotherapeutin hat den entstandenen Feinmotorik-Würfel bereits getestet. «Unsere gute Teamdynamik trug wesentlich zum Erfolg des Projekts bei», bilanziert Melina Miskos. Besonders geschätzt hat sie, dass die Zeichnerinnen Fachrichtung Architektur offen miteinander kommuniziert haben. «Wir haben gemeinsam nach Lösungen gesucht, wenn etwas nicht auf Anhieb funktionierte, beispielsweise der Verschluss beim Würfel.»
Lohnungleichheit in der Schweiz
Während der Prämierungsfeier präsentierten die Plattformentwickler EFZ Roman Ramsauer, Anel Babic und Marko Kojic ihren Dokumentationsfilm. Sie stellten vor, wie Lohnungleichheit in der Schweiz aussieht. Durch eine Umfrage und Interviews mit Betroffenen sowie Politikern verdeutlichen sie, dass Lohn- und Chancengleichheit kein theoretisches Thema ist, sondern viele Menschen direkt betrifft.
Für ihr VA-Thema wurden sie von der Erbschaftssteuer-Abstimmung im November 2025 inspiriert. In ihrer Arbeit schreiben Roman Ramsauer, Anel Babic und Marko Kojic: «Die Abstimmung zur Erbschaftssteuer zeigt gut, wie gespalten die Schweiz bei solchen Fragen ist. Viele reden von Chancengleichheit, lehnen aber konkrete Massnahmen ab. Genau das fanden wir spannend.»
Faszination Silvesterchlausen
Da sie in Urnäsch aufgewachsen ist, war es für Grafikerin Lea Rechsteiner naheliegend, das Silvesterchlausen zu thematisieren. Zwar hat sie den Brauch noch nie aktiv ausgeübt, konnte ihn aber seit klein auf jedes Jahr miterleben. «Das ist jedes Mal ein magischer Moment», sagt Lea Rechsteiner. Sie hat beobachtet, wie tief das Silvesterchlausen in der Dorfgemeinschaft verankert ist und er das Zusammenleben prägt. In Ihrer Arbeit untersucht sie, woher der Brauch kommt, was er heute bedeutet und wie er im Dorf erlebt wird. Dabei interessiert sie sich besonders dafür, welche Rolle die Kleidung, die Hüte und Hauben der Chläuse spielen. Alle Zeichnungen und Skizzen in ihrer Dokumentation hat sie selbst angefertigt.
Ein eigenes Magazin und eine Kommode aus Restholz
Luisa Jäger hat derweil ihr eigenes Magazin erstellt. Alle Artikel hat die Bäckerin-Konditorin-Confiseurin EFZ selbst verfasst sowie in Canva gelayoutet und die Fotoshootings in Eigenregie durchgeführt. Sie schildert: «Ich habe viel Neues gelernt. Wie man mit einer digitalen Spiegelreflexkamera umgeht und wie man Personen am besten fotografiert. Dazu gehört auch, wie man die gemachten Bilder schlussendlich mit Adobe Lightroom bearbeitet.»
Eine Kommode aus Restholz hat Selam Tefera entworfen. Der Küchenangestelltin EBA war von Anfang an wichtig, etwas Handwerkliches zu erstellen. «Ich liebe es, mit meinen Händen zu arbeiten und kreative Ideen praktisch umzusetzen», sagt sie. Für ihr Möbelstück arbeitete sie mit der Schreinerei Huber Fenster in Herisau zusammen. Besonders Freude hatte sie, wenn sie mit der Bohrmaschine, der Fräse oder der Säge arbeiten dürfte. Sie sagt: «Die kleinen Verfeinerungen, die ich während der Arbeit vornehmen musste, sind im Holz noch sichtbar. Da es sich um Restholz handelt, habe ich dies jedoch auch so erwartet.»
«Ein Hoch auf uns»
Das Ende der Prämierungsfeier wurde mit dem Publikumspreis eingeläutet. Bekleidungsgestalterin Melody Maschke überzeugte das Publikum in der Aula mit ihrer Arbeit «Schreiben zwischen Zeilen» und dem vorgetragenen Gedicht. Das Tombola-Losglück für sich beanspruchen konnte Ilirjan Morina, der das HP-Notebook gewann.
Begleitet vom Song «Ein Hoch auf uns» begaben sich alle Prämierten nochmals auf die Bühne und nahmen den letzten wohlverdienten Applaus entgegen.