Von St.Gallen nach Calgary und Vancouver – neue internationale Bildungspartnerschaft lanciert
Das Schweizer Berufsbildungssystem gilt aus internationaler Perspektive oft als komplex. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt schnell seine Vielfalt. Eine Delegation aus Vancouver und Calgary tauchte während einer intensiven Woche mitten in diese Welt ein. Die Basis für eine langfristige Partnerschaft mit den Schweizer Projektpartnern GBS St.Gallen und BBZ Olten ist gelegt. Bereits im Herbst heisst es für erste GBS-Lernende: Koffer packen Richtung Calgary.
Auf den Namen «Learning by Going» wurde das Projekt passend getauft, das eine Berufsbildungs-Kooperation zwischen Kanada und der Schweiz zum Ziel hat. Die Gäste aus Übersee erlebten die Bedeutung der Berufsbildung, als sie zum Beispiel die Uhrmacherschule «ZeitZentrum» in Grenchen besuchten. Welchen Stellenwert die verschiedenen Ausbildungen geniessen, erfuhren sie auch in der Ostschweiz bei Stadler Rail und der Starrag AG.
Alan MacLean, Direktor am Southern Alberta Institute of Technology, lobt die Schweizer Gastfreundschaft und die Qualität der Bildung. Er wisse nun, weshalb das Schweizer Berufsbildungssystem als das beste der Welt bezeichnet wird. Ihn in seiner Meinung bestärkt haben Lernende der Gesundheitsberufe am BBZ Olten, die das «Best Bag Project» umgesetzt haben. In der Unterrichtseinheit «Unternehmerisches Denken und Handeln» präsentierten sie neue Tragelösungen für Lernende.
Viele Türen aufgestossen
Das BBZ Olten und das GBS St.Gallen sind «Learning by Going»-Projektpartner. Zusammengearbeitet wird mit drei Berufsbildungsstätten in Vancouver (Provinz British Columbia) und Calgary (Alberta): Southern Alberta Institute of Technology (SAIT), British Columbia Institute of Technology (BCIT) und Douglas College.
Das Projekt wird von Movetia gefördert, die nationale Agentur für Austausch und Mobilität. GBS-Rektor Daniel Kehl leitet das Projekt und erklärt: «Wir haben bei diesem erstmaligen Treffen gleiche Herausforderungen evaluiert, mögliche Lösungen skizziert und Anschlussprojekte diskutiert. Viele Türen für gemeinsame Ausbildungsprogramme sind aufgestossen.»
Etabliert werden sollen auch Austauschmöglichkeiten für Lernende und Lehrpersonen. Schon vereinbart ist, dass im Herbst vier Zeichner:innen der Fachrichtungen Architektur und Ingenieurbau des GBS St.Gallen nach Calgary fliegen und Gast am Southern Alberta Institute of Technology sind.
Begrüssung durch Regierungsrätin Bettina Surber
Der kanadischen Delegation wurden die tragenden Säulen der Berufsbildung während eines Besuchs des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in Bern vorgestellt. Während des Treffens am GBS-Standort Kirchgasse betonte Bettina Surber, Vorsteherin des Bildungsdepartements des Kantons St.Gallen, das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik. Auf politischer Seite werde unter anderem mit Investitionen in moderne Schulinfrastrukturen ein starkes Fundament gelegt. Weiter erklärte die Regierungsrätin: «Ohne das Engagement der Unternehmen, würde das Schweizer Berufsbildungssystem nicht funktionieren. Gemeinsam wird den jungen Menschen der bestmögliche Einstieg in die Arbeitswelt ermöglicht.»
Marco Basile, Mitinhaber der Festland AG, und Oskar Seger von Seger Ingenieure GmbH, stimmten Bettina Surber zu. Beide erklärten, dass die Ausbildung von Lernenden für Firmen ein Investment sei, welches sich ausbezahle.
Oskar Seger gehört der siebenköpfigen Berufsfachschulkommission (BFSK) an, die das Bildungsdepartement bei der Steuerung und Beaufsichtigung des GBS St.Gallen unterstützt. BFSK-Präsident Felix Gemperle erklärte den Anwesenden: «Wir fungieren als Sparringspartner. Wir tragen Mitverantwortung für die Schulstrategie sowie für die Organisationsentwicklung und Qualität.» Felix Gemperle hob ausserdem hervor, wie wertvoll der Austausch mit anderen, internationalen Schulen für alle Beteiligten sei.
Rundgang am GBS-Standort Kirchgasse
Während hierzulande rund zwei Drittel der Jugendlichen eine Berufslehre absolvieren, findet die Berufsbildung in Kanada primär an Community Colleges statt. Arbeitsplatzbasierte Ausbildungen existieren zwar, sind aber weniger verbreitet als in der Schweiz. Deshalb verfolgten die kanadischen Bildungspartner etwa die Vorstellung der Berufsmaturität und den Rundgang durch die Schulräumlichkeiten der Kirchgasse mit Interesse.
GBS-Fachbereichsleiter Christoph Brügger zeigte mehrere Demoräume der verschiedenen Bauberufe. «Wir verbinden hier Theorie und Praxis», begann er die Erklärung und führte weiter aus: «Manchmal ist die Theorie im Buch zu abstrakt. Dank Simulationen können wir zum Beispiel den Gebäudetechnikplaner:innen Sanitär EFZ zeigen, wie das Wasser fliesst.»
Der Gang durch die offene Lernlandschaft in der Kirchgasse, inspirierte die kanadische Delegation anschliessend nicht nur wegen der Aussicht auf die St.Galler Altstadt. Auch in Vancouver und Calgary steht man vor der Herausforderung, moderne Unterrichtsräume zur Verfügung zu stellen, um das Lernen der Zukunft zu ermöglichen. Davon wird sich demnächst eine Delegation des GBS St.Gallen und des BBZ Olten überzeugen.