Wer in einem Bauprojekt früh plant und entscheidet, ändert später nicht
Die Frühstücksgespräche an der Baukaderschule St.Gallen sind auch in diesem Jahr gut besucht gestartet. Das Hochbauamt des Kanton St.Gallen gab einen Einblick in «BIM aus Besteller-Sicht» und im zweiten Referat erfuhren die Teilnehmenden, wie Laserscans aus der Luft (LiDAR) im Kanton Zürich wertvolle Daten zur Gelände- und Bauwerksanalyse liefern.
Am Donnerstag, 15. Mai 2025, starten die kostenlosen Frühstücksgespräche wieder um 7:30 Uhr an der Schreinerstrasse 5. Gesprochen wird dann über «KI für den digitalen Zwilling» (Referent: Johannes Maunz) und «Gebäudeautomation gestern – heute – morgen» (Referent: Marcel Schöb). Anmeldungen sind noch möglich.
Welche Faktoren machen ein erfolgreiches Bauprojekt aus? Einigkeit, Expertise, Ergebnisorientierung – und von Ralph Hagen dreifach auf derselben Folie aufgeführt: Zusammenarbeit. Der Abteilungsleiter Projektmanagement beim Hochbauamt des Kantons St. Gallen empfiehlt, sich zu Beginn eines Projekts genügend Zeit zu nehmen, um die Planung zu planen. Dafür nehmen alle involvierten Protagonisten an einem Tisch Platz: Bauherrschaft, Planende und Ausführende entwickeln das Projekt gleichzeitig und gemeinsam.
Das St.Galler Hochbauamt macht mit der integrierten und gleichzeitigen Zusammenarbeit positive Erfahrungen. «Durch eine fliessende Projektarbeit werden nachhaltige Entscheide gefällt», sagt Ralph Hagen. Dadurch erfolgen nach Freigabe des Bauprojekts keine durch die Bauherrschaft ausgelösten Projektänderung mehr.
Projekt im Flow
Im Jahr 2018 gab das Hochbauamt des Kanton St.Gallen die erste Version des Pflichtenheft Building Information Modeling (BIM) heraus. Mittlerweile sind zwei BIM-Projekte abgeschlossen und in einer interkantonalen Zusammenarbeit werden Dokumente gemeinsam erarbeitet, um für den Markt einen Widererkennungswert zu schaffen.
Weiter berichtete Ralph Hagen über acht laufende Projekte, die mit der Virtual Design and Construction (VDC) Methode umgesetzt werden. Ziel ist es, die Effizienz, Qualität und Transparenz über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg zu verbessern. «Wir haben uns gefragt, wie ein Bauprojekt gelingt, ohne teure Änderungen und verspätete Termine», äussert sich Ralph Hagen.
Die Antwort darauf: Entscheidungen auf Basis fundierter, früh verfügbarer Informationen treffen, um Planungsänderungen zu vermeiden. Denn solche Korrekturen im Planungsprozess führen fast immer zu Mehrkosten und Terminverschiebungen. Ralph Hagen erklärt: «Wir sprechen nicht mehr von einer rollenden Planung, sondern von einem Projekt im Flow. Das bedeutet, uns stehen die richtigen Informationen zur rechten Zeit zur Verfügung. Anhand dieser können wir die richtigen Entscheidungen treffen und eine rechtzeitige Planung ermöglichen.»
Die LiDAR-Technologie im Einsatz
Von Ralph Hagen am Rednerpult im BauLab folgte ein fliegender Wechsel zu Ueli Mauch, Innovation Engineer beim Amt für Raumentwicklung Abteilung Geoinformation des Kanton Zürich. Der Kanton Zürich lässt in regelmässigen Abständen das gesamte Kantonsgebiet per Laserscan aus der Luft (LiDAR) erfassen. Dabei entstehen präzise 3D-Punktwolken mit Höheninformationen von Gelände, Vegetation und Gebäuden.
Diese Daten werden georeferenziert, bereinigt und klassifiziert. Die Öffentlichkeit kann über das Geoportal des Kantons Zürich, auch bekannt als GIS-Browser, auf die Geodaten und Kartenmaterialien zugreifen. Die Rohdaten werden als Punktwolken im LAZ-Format sogar zur Verfügung gestellt, damit sie mit Tools wie dem Potree-Viewer direkt im Browser in 3D betrachtet werden können.
Ueli Mauch interessierte sich dafür, wer die LiDAR-Technologie von den Teilnehmenden am Frühstücksgespräch bereits angewendet hat. Erst zwei Personen machten erste Erfahrungen, wie der Einsatz von LiDAR-Daten die Bauplanung erleichtern kann. Das erste Frühstücksgespräch im Mai 2025 dürfte nun dazu beitragen, dass diese Anzahl künftig steigt.