Wie in der «Höhle der Löwen»: Lernende pitchen ICT-Innovationen
Zum zweiten Mal verwandelte sich das GBS St.Gallen in eine Manege für Unternehmertum: Im Stil des TV-Formats «Die Höhle der Löwen» pitchten die Informatik-Lernenden des vierten Lehrjahres ihre ICT-Innovationen. Entstanden sind kreative Prototypen, entwickelt mit dem Design-Thinking-Ansatz. Mit spürbarer Begeisterung stellten sich die Lernenden der Jury aus Wirtschaftsvertreter/-innen. Mit ihrem Feuer für die eigenen Projekte zähmten sie während der Fragerunden die Löwen.
Kartoffelstock als Berg und Bratensauce als Lava, kombiniert mit Dino-Chicken-Nuggets. Ausgehend von dieser Menü-Idee entwickelten Adrijana, Fabrice und Lara «EatBuddy». Ihr Produkt begleitet User auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung mit persönlichen, alltagsgerechten Essensplänen, die auf Ziele und Lebensstil abgestimmt sind.
Wer den vollen Mehrwert der App ausschöpfen möchte, dem steht ein Premium-Modell zur Verfügung. «Dieses Abo kostet 9,90 Franken pro Monat und bietet den vollständigen Funktionsumfang ohne Werbung», erklären die «EatBuddy»-Erfinder/-innen. Dazu gehören unbegrenzte personalisierte Wochenpläne, erweiterte Filter, gespeicherte Profile, Einkaufsoptimierung und der Zugriff auf Community-Funktionen.
Von der Idee zum Prototyp und dem finalen Pitch: Im Unterricht von Marcel Weber und Thomas Keller entwickelten die Informatik-Lernenden im letzten Ausbildungsjahr digitale Lösungen zu realen Herausforderungen. Das Themenspektrum reicht von Alltagssorgen über soziale Herausforderungen bis hin zu smarten Musik-Apps für das tägliche Leben. Dabei stand nicht das ausgeklügelte Business-Modell im Vordergrund, sondern die Idee, ihre praktische Umsetzbarkeit und eine überzeugende Präsentation vor einer Fachjury, wie man sie aus «Die Höhle der Löwen» kennt.
Künstliche Intelligenz eingebaut
Raphael, Manuel, Livio und Leotrim haben zum Beispiel eine App entwickelt, mit der Bar-Gäste Musikwünsche einreichen können, ohne zusätzlichen personellen Aufwand für die Betreiber. Ihre Motivation: «Wir gehen alle gerne in Bars und würden uns genau eine solche Software wünschen, um den Besuch noch unterhaltsamer und gemeinschaftlicher zu gestalten.»
Das Team «HeartBeats» will die Playlist von Musikapps um ein System erweitern, das die aktuelle Gefühlslage der Hörenden miteinbezieht. Mit Sensordaten soll die Herzfrequenz erkannt werden, damit der Song der Stimmung entspricht und weniger häufig übersprungen wird.
Mit «Lock Phone» plädierte eine Gruppe für einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone. Das sogenannte «Dumb Phone» enthält nur die wichtigsten Funktionen und hilft, Fokus und Nachhaltigkeit in den Alltag zu bringen. User der App «City-Fix» können derweil Infrastrukturprobleme wie Schlaglöcher oder defekte Strassenlaternen per Foto und Standort melden. Eine eingebaute Künstliche Intelligenz fasst Meldungen automatisch zusammen, erkennt Doppelungen und erstellt übersichtliche Prioritätenlisten für die Gemeinden.
IT-Sicherheit wird garantiert
Auf eine KI-Dokumentenerkennung greifen Linus, Luca, Noah und Mihajlo zurück. Für ihre Geschäftsidee «Avance» sind sie auf eine vollautomatische Bonitäts- und Dokumentenprüfung angewiesen. Mitarbeitende können bei finanziellen Engpässen einen Teil ihres Lohnes vor dem Zahltag beziehen. In seiner Rolle als CEO erklärte Linus der Jury: «Mit Avance schaffen wir eine Liquidität auf Knopfdruck. Diese ist durch eine fixe Servicegebühr und ohne versteckte Zinsfallen transparent.» Avance unterscheide sich insofern von anderen Anbietern, dass Nutzende keinen neuen Kredit aufnehmen, sondern frühzeitig Zugang zu bereits verdientem Einkommen erhalten.
Als bei der Jury Datenschutzbedenken aufkamen, versicherte Mihajlo: «Wir garantieren IT-Sicherheit durch die DMZ-Netzwerkarchitektur, SSH-Tunnel und automatische Verschlüsselung der Dokumente beim Hochladen.»
Verabredung per Match-System
Während ihrer Recherche setzten sich die Teams auch ausgiebig mit der Konkurrenz auseinander. David, Romeo und Ben verfolgen mit «FlipFlair» die Vision einer Welt, in der Bildungsangebote unabhängig von den finanziellen Verhältnissen für alle zugänglich sind. Auf ihrer App tauschen Menschen Skills, Sprachen und Hobbys kostenlos aus. Durch ein einfaches Match-System verabreden sich die Teilnehmenden zum gegenseitigen Lernen. «Wir verbinden das Beste aus Udemy, Duolingo und ChatGPT», werben die drei Informatiker EFZ vor den Löwen.
Udemy basiere auf passiven, oft kostenpflichtigen Videokursen. Duolingo motiviere zwar spielerisch, fokussiere sich aber einzig auf die Sprachen. ChatGPT liefere hochpersonalisierte Erklärungen und schnelle Hilfe, ersetze jedoch keinen praktischen Austausch zwischen Menschen. «Unsere Plattform ermöglicht einen kostenlosen Peer-to-Peer-Skill-Tausch, bei dem Menschen ihre Fähigkeiten direkt miteinander teilen», erklärt das «FlipFlair»-Team mit einer Überzeugung, die imponiert.
Die Wirtschaftsvertreter/-innen kamen während der GBS-Ausgabe von «Die Höhle der Löwen» immer wieder ins Staunen und stellten erfreut fest, dass mit viel Neugier und unternehmerischem Mut gepitcht wurde.