Wo steppte Gallus mit seinem Bären?
St.Gallen-Bodensee Tourismus bietet eine Vielzahl spannender Führungen in der Stadt St.Gallen an. Die angehende Interactive Media Designerin Lea Steiger hat den Prototypen eines digitalen Stadtführers entwickelt, der das Angebot ausbauen könnte: Vestigia Galli – auf Gallus Spuren.
«Was trug Mönch Notker unter seiner Kutte?», will Lea Steiger gleich zu Beginn ihrer Semesterpräsentation an der Schule für Gestaltung St.Gallen wissen. Ihre App «Vestigia Galli» befasst sich mit der St.Galler Geschichte und kennt die Antwort. «St.Gallen hat mehr zu bieten als ihre rumreiche Textilvergangenheit. Meine App bietet eine Übersicht mit fast allen Aspekten und Zeitepochen», wirbt Lea Steiger.
Weil sie selbst keine offenen Fragen und Rätsel stehen lassen kann, bietet die angehende Interactive Media Designerin HF in ihrer App Audioguides an, die alles verständlich machen. Die fiktive Stimme, die auf den Namen Gret hört, führt durch St.Gallen und erzählt Nennenswertes zu einzelnen Stationen. Wer sich auf die Tour begibt, taucht ein in die verschiedenen Epochen. Sprache und Hintergrundgeräusche sind beispielsweise dem Mittelalter oder der Neuzeit angepasst. Ebenso stellt Lea Steiger in ihrer App verschiedene Stadtpläne zur Verfügung. «Wie hat sich St.Gallen seit 830 verändert?», fragt di Beispiele.
Die persönliche Kreativität wird gefördert
Der Entscheid für die HF-Weiterbildung an der Schule für Gestaltung St.Gallen hängt bei Lea Steiger eng mit ihrer beruflichen Karriereplanung zusammen. Sie will mehr über die digitalen Möglichkeiten wissen und diese auch anwenden. «Jetzt lerne ich im Studium Neues wie Prototyping oder das Schneiden von Videos», sagt die gelernte Polygrafin EFZ.
Am Unterricht gefällt ihr, dass die persönliche Kreativität gefördert wird. Der gesamte Lehrgang ist so aufgebaut, dass viel Wert auf kreatives und kritisches Denken gelegt wird. Die Studierenden lernen auch, technologische Neuerungen früh zu erkennen und zu integrieren. Lehrgangsleiter Roland Müller erklärt: «Wenn du dir das Leben erleichtern und gleichzeitig einen hohen Qualitätsanspruch halten willst, bleibt dir gar nichts anders übrig, als dich tagtäglich mit den neusten Technologien auseinanderzusetzen. Und das macht Spass und den gestaltenden Beruf abwechslungsreich.»
Gallus und der Bär
In der App von Lea Steiger dominiert das Grün des St.Galler Kantonswappen. Das Rot der Stadt wollte sie nicht einsetzen, weil es zu aggressiv wirkte. «Grün ist auch die Farbe des oxidierenden Kupfers, das sich mit der Zeit verändert – genau wie Geschichte, die im Laufe der Zeit interpretiert und neu erzählt wird», erklärt sie.
Bestandteil der Semesterarbeit ist auch eine Werbekampagne. Geplant sind gedruckte Stadtpläne, die Lust darauf machen, die App «Vestigia Galli» zu nutzen. Während auf den Social-Media-Kanälen historische Fun Facts gepostet werden, machen die analogen Werbeplakate neugierig. In einer ersten Phase sind darauf Quizfragen wie «Wo steppte Gallus mit seinem Bären?» zu lesen. Die Auflösung folgt erst Tage später mit einem «Call to Action», die App herunterzuladen. Der heilige Gallus soll der Legende nach beim heutigen Naturbecken der Steinach nahe der Talstation der Mühleggbahn einem Bären begegnet sein. Diese Erzählung trug dazu bei, dass der Bär später zum Wappentier des Klosters und der Stadt St.Gallen wurde.
Bleibt noch die anfangs gestellte Frage zu klären. Lea Steiger löst auf: «Es ist zwar nicht eindeutig belegbar, aber aufgrund der klösterlichen Gewohnheiten des Mittelalters kann man eine plausible Annahme treffen: Notker trug nichts unter seiner Kutte.»