Kanton St.Gallen – Gewerbliches Beruf- und Weiterbildungszentrum St.Gallen

12. August 2020

«100 Beste Plakate» erneut in St.Gallen

Die Wanderausstellung «100 Beste Plakate 2019» ist in zahlreichen Bildungsorten und Museen in Deutschland, Österreich, Südkorea und in der Schweiz zu sehen. Vom 3. bis 23. September 2020 macht sie nun als erster Ausstellungsort in der Schweiz in der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen im Riethüsli Halt. Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage am Donnerstag, 3. September, um 19 Uhr.

Philip Kerschbaum, Präsident des Vereins Alumni HF KGD, gab im vergangenen Jahr den Anstoss, die Wanderausstellung nach St.Gallen zu holen und setzte sich auch dieses Mal dafür ein. Kerschbaum absolvierte einst an der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen die Ausbildung zum Grafiker. Heute ist er als Visueller Gestalter tätig und Mitinhaber von Modo GmbH – Design Studio in St.Gallen. Im Interview erzählt er, was es mit der Ausstellung auf sich hat und welchen Stellenwert Plakate aktuell haben.

Philip Kerschbaum, Sie hatten die Wanderausstellung im vergangenen Jahr erstmals nach St.Gallen geholt und nun auch die diesjährige Ausstellung. Was macht diese Ausstellung aus?
Im Bereich visueller Kommunikation zählt diese Wanderausstellung zu den renommiertesten, die es gibt. Dementsprechend gross ist auch die internationale Strahlkraft. Es ist eine Ehre, dass wir die besten Plakate 2019 hier in St.Gallen zeigen dürfen. Die Resonanz bei der letztjährigen Ausstellung war sehr positiv, was bestimmt damit zu tun hat, dass St.Gallen sich durch eine starke Plakate-Kultur auszeichnet. Dementsprechend gross war auch das Interesse an der Ausstellung.

Dann gehören nicht nur Fachleute zu den Besuchern der Ausstellung?
Es ist zwar schon so, dass je tiefer das Wissen, desto tiefer auch das Interesse. Und doch spricht diese Ausstellung ein breites Publikum an. Gerade Plakate zeichnen sich dadurch aus, dass sie massentauglich sind, damit eine direkte Kommunikation mit der Betrachterin und dem Betrachter stattfinden kann. Dazu braucht es kein vertieftes Fachwissen.

Gibt es Plakate in der aktuellen Ausstellung, die Sie besonders faszinieren?
Sehr viele sogar, ja. Es werden wieder zahlreiche spannende Arbeiten präsentiert, die mich inhaltlich oder visuell sehr stark ansprechen.

Zum Beispiel?
Wie ein einfacher Bildvergleich funktionieren kann, zeigt etwa das Plakat von Stephan Bundi zu einem Theaterstück in Bern. Es zeigt eindrücklich, wie einfache stilistische Mittel, wie ein Lippenstift und eine Patronenhülse, ausreichen, damit die erwünschte Assoziationskette ausgelöst wird. Es sind mir auch Plakate aufgefallen, die typografisch raffiniert funktionieren und eine neue Art von Lesen zulassen. Weiter sind schöne Bildverfremdungen festzustellen. Die Gestalter arbeiteten mit Farbüberlagerungen, die unglaubliche Intensität im Ausdruck und expressive Farbigkeit vermitteln. Genau deshalb sind es wahre Perlen, die in dieser Ausstellung gezeigt werden.

Was ist zu beachten beim Erstellen eines Plakates?
Damit das Plakat wirken kann, ist eine Reduktion auf die wichtigsten Botschaften essentiell. Denn je nach Standort des Werbemittels muss die Botschaft innerhalb kurzer Zeit erfasst werden können. Fern- und Nahwirkung sind gleichermassen zu beachten. Im Wesentlichen geht es darum, die formale Qualität und den Inhalt miteinander zu verbinden. Gleichzeitig soll die Art und Weise der Botschaft und deren Duktus das Selbstverständnis des Absenders widerspiegeln, was eine äusserst anspruchsvolle Aufgabe ist.

Mit 52 Gewinnern liegt die Schweiz dieses Jahr vorn. Wie stehen Sie zu diesem Ranking?
Genau, die kleine Schweiz hat die Nase vorn und lässt Deutschland und Österreich hinter sich. Eine Tendenz, die in den vergangenen Jahren stärker geworden ist. Geprägt durch den Swiss Style, beziehungsweise die Schweizer Typografie, auf die wir stolz sein dürfen. Seit den 50er-Jahren besteht hierzulande eine unglaubliche Qualität in der Grafik-Branche, die in der Nachkriegszeit ihren Ursprung hat, uns nachhaltig geprägt hat und weiterwächst. Besonders spannend ist auch, dass die Gestalter der Plakate dieser Ausstellung von jungen Masterstudierenden bis hin zu bekannten Namen aus der Grafikszene reichen. Eine gute Mischung, mit neuen und teils auch überraschenden Impulsen. Es sind starke Plakate, die mich jedes Mal aufs Neue begeistern und exzellente Kreativität sichtbar machen.

Welchen Stellenwert haben in der heutigen digitalen Zeit die Plakate Ihrer Einschätzung nach?
Plakate haben in der heutigen Zeit an Bedeutung sogar zugelegt. Ob nun von der Grösse einer Briefmarke bis hin zu einer Hausfassade – das Bild, auch «key visual» genannt, hat eine hohe Wirkung. Medienübergreifend und mit der Erweiterung des digitalen Raums entsteht ein grosses Potential. So etwa sind animierte Plakate in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und werden an hochwirksamen Orten eingesetzt. Zunehmend folgen auch Interaktionen, die individuell auf den einzelnen Betrachter abgestimmt sind, wobei wir uns hier noch in der Pionierphase befinden.