Design ist nie fertig: Im Loop am IMDday 2026
Der 8. Swiss Interactive Media Design Day positioniert St.Gallen einmal mehr als Treffpunkt internationaler Designkulturen. Neben den Vorträgen in der Aula des GBS St.Gallen vor rund 300 Gästen bot der Event Raum für Networking zwischen Studierenden, Branchenvertreter:innen und Unternehmen.
In einer Diskussion zwischen Art Director und Creative Producer prallen zwei typische Realitäten der Kreativbranche aufeinander: Auf der einen Seite der Wunsch nach genügend Zeit, um aus einem Briefing eine starke Idee zu entwickeln. Roman Eltsov und Andrey Sukhoruchkin von «Media.Work» veranschaulichen diesen Konflikt mit einem typischen Agenturdialog: «Ich arbeite an einem neuen Konzept aus dem Briefing, dafür brauche ich etwa drei Tage», sagt der engagierte Art Director. Der Creative Producer spiegelt daraufhin den bekannten Agenturalltag wider: «Aber wir müssen heute noch alles verschicken.»
Das Londoner Studio «Media.Work» ist bekannt für 3D Motion und Branding und brachte am Swiss Interactive Media Design Day (IMDday) eine internationale Studioperspektive nach St.Gallen. Das Team stellte sich die Frage: Was wäre, wenn es keine Grenzen gäbe? Die Antwort: Jede und jeder im Team kann ein Pitch Deck erstellen und eine Idee einreichen. Einmal im Monat wird ein Konzept ausgewählt, an dem anschliessend alle gemeinsam arbeiten. So entsteht Raum für Kreativität, ohne den laufenden Agenturalltag aus den Augen zu verlieren.
«Das Herz der Design Week St.Gallen»
Auch in seinem achten Jahr stand der IMDday für (inter)nationale Design-Impulse während der Design Week St.Gallen. Während der Woche brachten verschiedene Events wie der IMDAward im Pfalzkeller und Ausstellungen wie «Unlocal» die Designszene der Stadt näher zusammen. Die lokale Kreativität wurde so auch für die Öffentlichkeit sichtbar.
Für Anne Treichel vom IMDday-Organisationskomitee des GBS St.Gallen ist klar: «Der IMDday ist das Herz der Design Week. Hier kommen alle in einem Raum zusammen: Studierende, Speaker, Branchenprofis, Alumni, Dozierende und Partner.» In solchen Momenten werde Design lebendig.
Am Samstag, 14. März 2026, endet die Design Week im Square der Universität St.Gallen. In einem spielerischen und interaktiven Workshop mit Expert:innen aus Design, Bildung und Technologie wird der Frage nachgegangen, wie von KI mitgestaltete Zukünfte aussehen könnten.
Der Gegenentwurf zur Künstlichen Intelligenz
Mit Vera van der Burg rückte bereits am IMDday die kritische Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz in den Fokus. Die niederländische Designerin und Forscherin nutzt die Technologie, um die eigene gestalterische Praxis zu hinterfragen. Anstatt KI zur Automatisierung oder Beschleunigung einzusetzen, betrachtet sie diese als formbares Material.
Für ihr Projekt, das sie an der Dutch Design Week in Eindhoven präsentierte, trainierte sie ein KI-Modell mit Fotos ihrer eigenen Tonarbeiten. Daraus generierte sie neue digitale Formen, die sie anschliessend von Hand in Ton nachbaute. So entsteht eine Rückkopplungsschleife zwischen Handwerk und Algorithmus.
Sie erklärte dem St.Galler Publikum: «Keramik ist der Gegenentwurf zur KI: analog, anzufassen und zu riechen – und man kann nichts erzwingen. Ton braucht Zeit zum Trocknen und Brennen.»
Speaker aus Hamburg, London und Paris
Auch Mieke Haase aus Hamburg gab Einblicke in KI-gestützte Kreativprozesse. Mit Joelle Bitton aus Paris erhielt das IMDday-Programm zudem eine forschungsbasierte Perspektive auf Interaction Design und die gesellschaftlichen Dimensionen von Technologie.
Die Westschweiz war mit Elodie Anglade aus Lausanne vertreten, die für ihre Arbeit an der Schnittstelle von 3D, generativen Visuals und Creative Coding bekannt ist. Aus Spanien kam Valerio Monopoli von Pangram Pangram, einer international renommierten Type Foundry mit Hauptsitz in Montreal, die zeitgenössische Schriftgestaltung neu definiert.
Aus Basel reiste der digitale World-Builder Dirk Koy an, dessen Arbeiten sich zwischen analoger und algorithmischer Realität bewegen. Inspiration entsteht bei ihm durch die bewusste Beobachtung der Umgebung. Dirk Koy erklärt: «Dabei dienen Situationen, Objekte, Stimmungen, aber auch Gespräche als zentrale Impulsgeber. Darüber hinaus entstehen im gestalterischen Experimentierprozess teils unerwartete Ideen.»
Designprozess: Schwierige Phasen durchstehen
Der Fachkongress betonte die Bedeutung von Schleifen als kreative und iterative Prozesse, die in Design, Musik, Code und Lernen zentrale Rollen spielen. Das Motto «Loop» steht für ständige Weiterentwicklung und Verfeinerung. Anne Treichel erklärt: «Design ist nie fertig. Es wird verfeinert. Getestet. Neu gedacht.»
Für Dirk Koy entsteht besonders wertvolle gestalterische Tiefe, wenn man schwierige Phasen im Prozess durchsteht und sich im entscheidenden Moment ganz auf den Gestaltungsprozess einlässt.
Während Dirk Koy die Eröffnungsrede vor den rund 300 Personen in der Aula des GBS St.Gallen hielt, gehörte Borja Holke das Schlusswort. Unter dem Namen Holke79 übersetzt er kinetische Typografie und visuelle Sprache in Bewegung.