Eintauchen in die faszinierende Unterwasserwelt des Bodensees
Ursprünglich hatte Jana Grand ein anderes Thema für ihre Diplomarbeit an der Schule für Gestaltung St.Gallen ins Auge gefasst: Biolumineszenz und Biofluoreszenz im Meer. Während der Themenpräsentation vor ihrer Klasse der Visuellen Gestalter/-innen HF war ihre Begeisterung für das Tauchen und den Bodensee jedoch für alle spürbar. Zum Glück. Entstanden ist das fast 200 Seiten starke Buch «Eintauchen – in die faszinierende Unterwasserwelt des Bodensees».
Jana, es ist wahrscheinlich die Frage, die am meisten interessiert: Ist dein Buch über die Unterwasserwelt des Bodensees schon in den Buchhandlungen erhältlich?
Jana Grand, Absolventin des Lehrgangs Visuelle Gestaltung HF an der Schule für Gestaltung St.Gallen: Die kurze Zeit reichte nicht aus, um im Rahmen der Diplomarbeit ein ausführliches Buch über die Unterwasserwelt des Bodensees, für mich zufriedenstellend, abzuschliessen. Wäre die zeitliche Begrenzung nicht gewesen, wäre möglicherweise selbst der Prototyp noch lange nicht fertig. Für mich ist dies erst der Anfang eines Herzensprojekts. Ich würde gerne in Zukunft an diesen Themen weiterarbeiten und meine Erkenntnisse eines Tages für jeden zugänglich machen. Wer weiss, vielleicht findet sich in einigen Jahren im Buchhandel ein Buch über die faszinierende Unterwasserwelt des Bodensees mit der Autorin Jana Grand.
Worauf bist du bei deiner Diplomarbeit besonders stolz?
Als finales Projekt präsentiere ich ein 190-seitiges Buch, das inhaltlich verschiedene Selbstversuche, Vergleiche und fotografische Dokumentationen zur Flora und Fauna unter Wasser, zu den Bedingungen und Veränderungen enthält. Alle Fotografien sind von mir selbst gemacht. Über den Zeitraum meiner Diplomarbeit habe ich insgesamt 24 Tauchgänge unternommen. Anfangs befürchtete ich, dass ich durch das Projekt vielleicht die Freude am Tauchen verlieren könnte, da das Tauchen durch das zeitlich eng getaktete Projekt zu einem «Müssen» wurde. Stattdessen hat das Projekt meine Faszination für das Leben unter Wasser nur noch verstärkt. Diese Arbeit hat mir grosse Freude bereitet, und es erfüllt mich mit Stolz, dass daraus ein so umfangreiches Buch entstanden ist. Jedes Thema in diesem Buch könnte als eigenes Projekt behandelt werden. Ich habe es geschafft, viele Facetten der Unterwasserwelt in einem Werk zu vereinen. Während des Prozesses konnte ich selbst zahlreiche neue Entdeckungen und Erkenntnisse machen.
Was fasziniert dich am Bodensee?
Für viele ist der Bodensee lediglich ein dunkles Gewässer. Für mich ist er weit mehr als das! Er ist mein zweites Zuhause, ein Ort, der fest in meinem Leben verankert ist und mich seit jeher fasziniert. Schon als Kind fühlte ich mich im und rund um Wasser wohl. Dieses Gefühl hat bis heute nicht nachgelassen. Dank meiner Leidenschaft für das Tauchen bin ich auch mit der geheimnisvollen Welt vertraut, die sich unter der Oberfläche des Bodensees verbirgt. Es ist eine Welt, die den meisten von uns fremd ist. Eine Welt voller Leben, Farben und verborgener Schätze.
Und diese Schätze willst du mit dem Buch zugänglich machen?
Ja. Leider jedoch ist das Bild, das viele von diesem faszinierenden Ökosystem haben, geprägt von Vorurteilen, Schauermärchen und Unwissenheit. Man hört oft Stimmen, die behaupten, der Bodensee sei dunkel und schmutzig. Man fragt sich, was es dort unten zu sehen geben soll. Mit meiner Arbeit möchte ich genau diesen Vorurteilen entgegentreten und die Menschen auf eine spannende Reise in die verborgene Welt des Bodensees mitnehmen. Ich möchte zeigen, wie vielfältig und faszinierend das Leben unter Wasser ist, welche Artenvielfalt es gibt und welche Schätze sich am Grund des Sees verbergen.
Warum hast du dich eigentlich entschieden, ein Buch zu gestalten?
Ein Buch ermöglicht es, direkte Vergleiche auf einen Blick gegenüberzustellen und somit die Vielfalt und Schönheit der Unterwasserwelt anschaulich darzustellen. Durch sorgfältig ausgewählte Fotografien können die Betrachter die Eindrücke und Stimmungen selbst interpretieren und eigene Gedanken und Ideen entwickeln. Zusätzlich zu den visuellen Eindrücken können erläuternde Informationen hinzugefügt werden, die dem Leser helfen, die gezeigten Szenen besser zu verstehen und die Bedeutung des Ökosystems und ihrer Bewohner zu erfassen.
Wie ist das Buch aufgebaut?
Im Kapitel «wirklich» werden verschiedene Bedingungen und deren Einflüsse auf die Wasserqualität und die Sichtweiten beleuchtet. Es wird analysiert, wie unterschiedliche Faktoren die Beschaffenheit des Wassers beeinflussen und welche Auswirkungen diese haben. Oder im Kapitel «lebendig» liegt der Fokus auf den verschiedenen Tieren, Pflanzen und Lebensräumen. Das Thema «besiedelt» erklärt den Leserinnen und Leser zum Beispiel mehr über die invasiven Quaggamuscheln.
Kannst du an einem Beispiel aufzeigen, wie du während deinen insgesamt 24 Tauchgängen Veränderungen festgehalten hast?
Um beispielsweise das Wachstum von Seegras zu dokumentieren, habe ich einen Versuch mit einem präparierten Pfahl durchgeführt. Der Pfahl wurde mit Markierungen versehen, die jeweils im Abstand von zehn Zentimeter angebracht wurden. Dies diente als Massstab, um das Wachstum des Seegrases präzise zu messen und fotografisch festzuhalten. Um die Veränderung der Sichtweiten unter Wasser zu dokumentieren, habe ich eine Tafel in einer Tiefe von zehn Metern versenkt. Die Tafel wurde am unteren Ende mit Blei beschwert, um den Auftrieb zu neutralisieren. Am oberen Ende war eine mit Luft gefüllte PET-Flasche befestigt, damit die Tafel stabil und aufrecht im Wasser stehen bleibt. Die Sichtweiten wurden durch Fotografien aus verschiedenen Abständen zur Tafel erfasst. Die Aufnahmen wurden an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten gemacht, um die Variabilität der Sichtweiten und Lichteinflüsse zu dokumentieren.
Zum Abschluss ganz direkt gefragt: Was hat dir das dreijährige HF-Studium Visuelle Gestaltung gebracht?
Was ich am meisten aus der Weiterbildung mitnehme, ist das Motto der Schule für Gestaltung St.Gallen: «Think outside the Box». Manchmal ist der naheliegendste Gedanke der beste, manchmal aber auch nicht. Das Studium hat mich gelehrt, gross zu denken und weiterzudenken. Eine ausführliche Recherche und ein weiter Blickwinkel können zu erstaunlichen Ergebnissen führen. Zudem konnte ich über die Zeit ein gutes Netzwerk aufbauen, das für meine beruflichen und persönlichen Entwicklung sehr wertvoll ist.