Flicken statt Wegwerfen: Mit Visible Mending zum neuen Lieblingsstück
Kleider flicken? Lohnt sich! Weil hinter jedem Stück eine persönliche Geschichte steckt, es Ressourcen schont und nachhaltig ist. Im Kurs «Visible Mending» an der Schule für Gestaltung St.Gallen zeigt Katja Frefel, wie die Teilnehmenden mit kreativen Repair-Methoden ihre beschädigte Kleidung retten können. Jetzt anmelden.
Visible Mending ist im Trend, aber viele können den Begriff noch nicht einordnen. Dabei steckt dahinter eine wunderschöne Idee: Mit kreativen Handstichen lassen sich beschädigte Kleidungsstücke nicht nur retten, sondern in persönliche Unikate verwandeln. Aus Löchern, Flecken oder dünn gewordenen Stellen entstehen kleine Kunstwerke, die Geschichten erzählen.
Im Kurs von Katja Frefel lernen Teilnehmende die wichtigsten Methoden des kreativen Reparierens. Mitbringen darf man Kleidung mit Upcycling-Potenzial und Lust am Ausprobieren. «Geduld ist auch erforderlich», sagt Katja Frefel. «Visible Mending ist eine langsame Tätigkeit in einer schnellen Welt. Beim Reparieren mit der Hand entsteht etwas, das keine Maschine ersetzen kann. Oft genügt es, ohne fixe Idee einfach zu beginnen.»
Schlingstich, Hexenstich, Margeritenstich
In ihrem Atelier im Lattich nimmt Katja Frefel Lieblingsstücke entgegen und haucht ihnen neues Leben ein. Ihre Ergebnisse präsentiert sie jeweils am Wochenende in ihrem «digitalen Schaufenster» (Instagram und Whatsapp-Status). Eines ihrer spannendsten Projekte war ein Jupe aus feinem Tüll, der beim Velofahren ins Speichenrad geraten war. Dort konnte sie ihr ganzes Potenzial ausschöpfen und mehrere Techniken kombinieren.
Die verschiedenen Techniken lernen die Teilnehmenden im Tageskurs an der Schule für Gestaltung St.Gallen kennen: Vom dekorativen Schlingstich über den einfachen Vorstich bis hin zum Maschenstich, der einigen noch vom Sockenstopfen bekannt ist. Daneben kommen eine Vielzahl weiterer Stiche und Stich-Kombinationen zum Einsatz, wie zum Beispiel der Webstich, der ein gewebtes Netz über ein Loch legt, sowie der überkreuzende Zickzack-Hexenstich oder der verspielte Kett- beziehungsweise Margeritenstich.
Reparieren als kreative Gegenbewegung
Wer sich mit Visible Mending auseinandersetzt, stellt fest, dass es mehr als Handwerk ist. Es ist eine Haltung. Wertschätzen statt wegwerfen lautet die Devise. Jedes Kleidungsstück trägt Arbeit, Material und Menschengeschichten in sich. Wer repariert, setzt ein Zeichen gegen den schnellen Konsum. Katja Frefel sagt «Oft höre ich: Dieses Shirt hat nur fünf Franken gekostet – da lohnt sich eine Reparatur nicht. Doch gerade dann lohnt sie sich.» Reparieren schenke dem, was unter oft schwierigen Bedingungen hergestellt wurde, den Respekt, den es verdient.
Visible Mending zeigt: Nachhaltigkeit kann ästhetisch, kreativ und vollkommen individuell sein. Alles beginnt mit dem ersten Stich. Für den Kurs kann man sich unter diesem Link anmelden.