Schule für Gestaltung belebt das Waaghaus
Im Herzen der St.Galler Innenstadt präsentieren die Abschlussklassen Grafiker/-in EFZ und Interactive Media Designer/-in EFZ ihre praktische Arbeit und die Portfolios. Die Ausstellung im Rahmen des Qualifikationsverfahrens läuft im Waaghaus bis zum 2. Juli und gibt einen Einblick in das gestalterische und technische Können.
Das Waaghaus präsentiert sich herausgeputzt: Bereits auf den Treppenstufen, die vom Erdgeschoss zur Ausstellung führen, sind die Namen aller Absolvierenden aufgelistet. Ehre, wem nach vier Jahren Ausbildung Ehre gebührt. «Ihr habt einen weiteren Meilenstein mit Ausdauer und Kreativität erreicht. Ihr habt gelernt mit Formen, Farben und Konzepten umzugehen», honoriert Beat Lüscher, Fachbereichsleiter der Grafiker/-innen EFZ an der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen.
Die Ausstellung eröffnete Beat Lüscher gemeinsam mit Franziska Eriksen, Fachbereichsleiterin Interactive Media Designer/-innen EFZ. In ihrer Rede wiesen beide daraufhin, dass Kreativität ein Prozess ist. Sie erfordere Mut zur Neuordnung, Mut zu Visionen. «Was man bei diesen ausgestellten Projekten nicht sieht, sind all die verworfenen Ideen, Konzepte und Skizzen», sagte Franziska Eriksen, welche die Lernenden nach den vier absolvierten Ausbildungsjahren bewusst mit «liebe Berufskolleginnen und Berufskollegen» ansprach.
Das Waaghaus – ein Begegnungsort
Das unter Bundesschutz stehende Waaghaus erwacht nicht nur aufgrund der gut besuchten Vernissage zu neuem Leben: In den Sommermonaten soll das Waaghaus zu einem offenen Begegnungsort werden für Kultur, Gastronomie, Kreativwirtschaft und vielfältige Veranstaltungen. Das Waaghaus soll einerseits als lebendiger Treffpunkt in der Innenstand etabliert werden. Andererseits wollen die beiden Agenturen mint&more GmbH und somewhere LAB GmbH wertvolle Impulse für eine langfristige Nutzung gewinnen.
Der Pilotbetrieb, der eine temporäre Nutzung des historischen Gebäudes ermöglicht, ist erst am 14. Juni 2025 gestartet. Elf Tage später lud das GBS St.Gallen mit den Interactive Media Designer/-innen EFZ und den Grafiker/-innen bereits zur Vernissage der Abschlussprojekte. Samuel Ackermann von somewhere LAB ist während der Zwischennutzungsphase Co-Betreiber des Waaghauses und freut sich: «Es ist spannend zusehen, was die Designberufe aus dem oberen Saal machen. Ich finde die Ausstellung mit den vielfältigen Projekten super, sie bringt frischen Wind.»
Zusammenspiel von Schrift-, Farb-, Form- und Bildwelten
Grafiker Loris Altmann bezeichnet die Location als richtig cool: «Auch weil sie doppelstöckig ist. Oben kann man sich in Ruhe die Ausstellung ansehen, unten ist die Bar.» Die Grafiker/-innen entwarfen den visuellen Auftritt für die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» und bewerben diese auf analogen und digitalen Medien. «Mit dem Thema klarzukommen, fiel mir anfangs nicht leicht. Ich musste mich erst einlesen: Was macht diese Stiftung eigentlich genau?», verrät Loris Altmann.
Die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» kombiniert Denkmalpflege mit Tourismus und fördert schweizweit den Erhalt historischer Bauwerke. Sie restauriert bedrohte Baudenkmäler behutsam und nutzt sie als Ferienunterkünfte. Die Absolvierenden zeigen auf, wie die Gestaltungselemente Schrift-, Farb-, Form- und Bildwelten zusammenspielen und berücksichtigen dabei konsequent das von ihnen definierte Zielpublikum und ihre Kommunikationsziele.
In 120 Stunden entstanden
Die Interactive Media Designer/-innen stellen im Waaghaus ihre individuellen praktischen Arbeiten aus, die den zentralen Bestandteil des Qualifikationsverfahrens bildet. Sie dauert in der Regel 120 Stunden und dient dem Nachweis der beruflichen Handlungskompetenz. Sie besteht aus drei Elementen: einer praxisbezogenen Aufgabe, einer schriftlichen Dokumentation und einem Fachgespräch.
Die Bühne ihrer Abschlussausstellung nutzen die Interactive Media Designer/-innen, um über die Webseite imdexpo.ch und den Social-Media-Aktivitäten Sichtbarkeit zu generieren. Viivi Heller, Line Gruber und Oliver Rutz machen etwa darauf aufmerksam, dass sie für Jobangebote offen wären. IMDAward-Gewinner Oliver Rutz sagt: «Meine Stärken liegen im Bereich Webdesign. Ich erbringe auch gerne grafische Dienstleistungen oder kann coden.»
Eine barrierefreie Webseite
Oliver Rutz zeigt im Waaghaus seine Webseite über Zürcher Bauernhofläden. Mit dieser möchte er ein klares Statement zum Fleischkonsum setzen und gleichzeitig eine vollständig barrierefreie Online-Plattform schaffen. Über den Ort der Ausstellung sagt er erfreut: «Coole Location – besser gelegen geht’s kaum. Das Waaghaus ist ideal, weil auch Passanten einfach daran heranlaufen können.»
Die Ausstellung der Grafiker/-innen und Interactive Media Designer/-innen endet am Mittwoch, 2. Juli 2025, um 20 Uhr. Bereits eine Stunde später zeigen die Waaghaus-Betreiber das Eröffnungsspiel Schweiz gegen Norwegen der Frauen Fussballeuropameisterschaft.