Barcamp: In welcher Phase der IDPA ist der Einsatz von KI sinnvoll?
Auch die aktuelle Barcamp-Woche am GBS St.Gallen stand ganz im Zeichen des Austauschs und der gemeinsamen Weiterentwicklung. Lehrpersonen aus unterschiedlichen Abteilungen teilten ihre Erfahrungen an diesem schulinternen Weiterbildungsformat, das von Prorektor Urs Hehli und seinem Schulentwicklungsteam organisiert wird. Bei der Berufsmaturität ging es um Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze rund um den Einsatz von KI während der interdisziplinären Projektarbeit IDPA.
In welchen Arbeitsschritten einer IDPA – etwa bei der Themenfindung oder der Analyse – bietet KI einen Mehrwert? Ist der Einsatz von ChatGPT, Gemini und Co. für die Recherchekompetenz der Lernenden sogar problematisch? Mit seinen Fragen spielte Manuel Schädler, Lehrperson Berufsmaturität und Mitglied des Schulentwicklungsteams, einen Steilpass in die Diskussionsrunde.
Die Teilnehmenden dieses Barcamps waren sich einig: Es wäre weltfremd, die Nutzung von KI grundsätzlich zu verbieten. Entscheidend ist vielmehr, dass die Lernenden lernen, den gesamten Denkprozess bewusst zu durchlaufen, Probleme eigenständig zu lösen und den Sinn einer wissenschaftlichen Arbeit zu verstehen. Im Unterricht bedeutet das auch, noch bewusster analog gestaltete Lernmomente wie zum Beispiel «Debattenkultur fördern» oder «Arbeiten am Flipchart» zu schaffen.
Am GBS St. Gallen begleitet ein Leitfaden die Lernenden dabei, den Einsatz von KI sinnvoll in ihren Lernalltag zu integrieren. Unter verantwortungsvollem Umgang versteht man beispielsweise, den Einsatz von KI transparent offenzulegen und klar zu kennzeichnen. Bereits an ihrem ersten Schultag wurden die Lernenden zudem darauf hingewiesen, KI-Ergebnisse stets sorgfältig zu prüfen und nicht ungefiltert zu übernehmen.
Lernpfade und Spiele im Unterricht
Das kritische Hinterfragen und das Vergleichen der Ergebnisse mit einer weiteren Quelle wird im IDPA-Leitfaden explizit zusätzlich ausgewiesen. Weiter halten sich die Lehrpersonen an den Rahmenlehrplan der Berufsmaturität. In diesem wird ausdrücklich festgehalten: «Es ist nicht das Ziel, dass die Jugendliche im Unterricht KI-Anwendungen regelmässig nutzen, ohne dass die zuerst die im Rahmenlehrplan definierten Kompetenzen erworben haben.»
An dieser lebendigen Diskussion, die die Lehrpersonen am GBS-Standort Davidstrasse führten, zeigt sich gut, wofür die Weiterbildungsreihe «GBSbarCampBLE» steht. Erneut wurden über mehrere Tage Impulse für den Unterrichtsalltag geboten. Ein Beitrag aus der Vorlehre von Andreas Zanolari beleuchtete beispielsweise den Einsatz von digitalen Lernfördersystem im Unterricht, sei es in Mathematik, Deutsch, Französisch oder Englisch.
Spannend war auch der Erfahrungsaustausch zum Einsatz von Lernpfaden. Diskutiert wurde, wie Lernpfade den Unterricht sinnvoll ergänzen können, wie Lernprozesse strukturiert werden und wie Lernende ihre Ergebnisse sichern.
Ein weiterer Programmpunkt widmet sich dem Thema «Spielen im Unterricht». An diesem Barcamp wurden Spiele gemeinsam ausprobiert und Ideen gesammelt, wie sich diese direkt im Unterricht einsetzen lassen.
Themenvielfalt: Für alle etwas dabei
Mit der Barcamp-Woche wurde am GBS St.Gallen eine neue Möglichkeit geschaffen, damit sich alle gegenseitig austauschen, informieren und weiterbilden können. Zur Premiere im März 2025 gab es unter anderem Einblicke ins Lerncoaching und ein Austausch darüber, wie sich Künstliche Intelligenz gewinnbringend im Unterricht integrieren lässt (mehr dazu).
Im Frühsommer zeigten Inputs zu Blended Learning, digitalem Prüfen und Virtual Reality bewährte und neue Wege für den Schulalltag auf. Am Schlusskonvent am 27. Juni 2025 wurden unter anderem Tools vermittelt, die helfen, aus festgefahrenen Gesprächen mit Lernenden herauszufinden. Im Workshop «Lego Serious Play» erfuhren die Teilnehmenden spielerisch, wie sich Feedbackkultur und Bedürfnisse im analogen Raum sichtbar machen lassen.
Bei dieser Themenvielfalt blicken Prorektor Urs Hehli und das Schulentwicklungsteam zufrieden auf das bisherige Barcamp-Angebot zurück. «Wir sind dabei, Weiterbildung neu zu denken und freuen uns über jede gelungene Session in den GBSbarCampBLE-Wochen. Wir bleiben dran!» , sagt Urs Hehli.