Facility Manager/-innen steuern eine Firma – in einem dynamischen Markt
Planspiel im Lehrgang eidg. dipl. Leiter/-in Facility Management und Maintenance: Die Studierenden der Baukaderschule St.Gallen schlüpften in die Rolle der Geschäftsleitung eines mittelgrossen Facility-Management-Unternehmens. Ziel der Simulation der Neosight AG ist es, wirtschaftliches Denken zu fördern, Zusammenhänge zu erkennen und die Inhalte des Studiums praxisnah anzuwenden – vernetzt, lehrreich, im Team.
Wer im Baukeller an der Schreinerstrasse vorbeischaute, konnte sich zuerst an einem Treffen des Monopoly-Fanclubs wähnen. Bei genauerer Betrachtung wurde rasch klar, dass es um gewichtigere wirtschaftlichere Zusammenhänge geht. Im Rahmen eines realistischen Planspiels trafen die angehenden Facility Manager/-innen der Baukaderschule St.Gallen über zwei Tage verteilt unternehmerische Entscheidungen mit messbaren finanziellen Auswirkungen – von der Strategie bis zum Tagesgeschäft.
Student Damir Tiganj schilderte seine ersten Eindrücke: «Das Planspiel ist spannend. Von Anfang an überlegen wir genau, welchen Schritt wir machen, ohne einen Fehler zu riskieren. Besonders gespannt sind wir auf die Auswirkungen unserer Entscheidungen.»
Die Simulation der Neosight AG bildet vier grosse Geschäftsbereiche ab: Cleaning, Building, Support und Security Services. Dabei geht es nicht nur um operative Führung, sondern auch um Prozessoptimierung, Personalmanagement, Finanzen und die nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens.
Studierende machen neue Erfahrungen
Bis anhin nahmen die Bauführer/-innen der Baukaderschule St.Gallen an einer Betriebswirtschaftswoche teil. Nun entwickelte Lehrgangsleiterin Anna Gisler das Planspiel gemeinsam mit den Dozierenden Stefan Bossard und Jennifer Dali sowie der Firma Neosight massgeschneidert für ihre Weiterbildung eidg. dipl. Leiter/-in Facility Management und Maintenance.
Sie erklärt: «Gegen Ende des dritten Semesters wollten wir die Grundlagenmodule wie Kommunikation, Finanzen, Personalführung, Dienstleistungen erbringen und einkaufen, oder Unternehmensorganisation attraktiv vernetzen. Nicht jede und jeder Studierende kommt im Betrieb mit allen Leitungsaufgaben im Bereich Facility Management in Kontakt.» Einige Studierende haben dank des Planspiels zum ersten Mal an einer Ausschreibung teilgenommen oder Massnahmen gegen Personalmangel umgesetzt.
Menschen machen den Unterschied
Angereichert wurde die Simulation durch Impulsreferate. Severin Blöchlinger von der Emch+Berger ImmoConsult AG verwies zum Beispiel auf die Trends in der Gebäudebewirtschaftung. Trotz aller Dynamiken wie der Arbeitskultur «New Work» oder dem Einsatz von Reinigungsrobotern gilt aus Sicht von Severin Blöchlinger nach wie vor: «Die Basics bleiben zentral – der Mensch steht im Mittelpunkt.» Digitale Tools können dabei unterstützen, sie seien jedoch kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck.
Er machte den Studierenden deutlich, dass nachhaltiger Fortschritt nur gemeinsam gelinge. «Am Ende sind es nicht nur neue Technologien oder Entwicklungen, die den Unterschied machen, sondern Menschen, die Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln», sagte Severin Blöchlinger.
Führung in verschiedenen Rollen erleben
Das Ziel des Planspiels ist dasselbe wie im echten Leben: Die Attraktivität des eigenen Unternehmens durch gezielte Massnahmen steigern, potenzielle Kunden gewinnen und Marktanteile erhöhen. Die Besonderheit: Die Teilnehmenden bewegten sich in einem Veränderungsmarkt. Es konnten jederzeit unvorhergesehene Ereignisse auftreten, auf die sie als Geschäftsleitung reagieren mussten. Beispielsweise standen die Unternehmen, welche in der Vorjahresperiode in gewisse Projekte nicht investiert hatten, plötzlich einem teuren Rechtsstreit gegenüber.
Ein zentraler Aspekt des Planspiels ist zudem die Entwicklung und konsequente Umsetzung einer klaren Unternehmensstrategie, die jedes Team im Vorfeld erarbeitete. Diese strategische Basis bildete den Rahmen für sämtliche unternehmerische Entscheidungen. Das Unternehmen von Damir Tiganj einigte sich auf folgendes Visions-Statement: «Wir schaffen Lebens- und Arbeitsräume, in denen sich Menschen wohlfüllen – durch exzellentes Facility Management mit nachhaltigen Lösungen, zuverlässigem Service und einem Lächeln.» In seiner Rolle als Betriebsleiter trug er die Verantwortung für das operative Geschäft und die Dienstleistungserbringungen.
Bei der Rollenzuteilung wählte das Unternehmen Rheintal FM einen pragmatischen Ansatz, wie Christoph Schwendinger erklärt: «Jeder übernimmt in der Gruppe die Rolle, in der er sattelfest ist. Unser Finanzprofi zum Beispiel hat bei der Buchhaltungsprüfung richtig überzeugt.» Als Leiter Center of Competenc leitete Christoph Schwendinger während der Simulation den Ausbau der Digitalisierung sowie die Einführung neuer Technologien und Systeme zur Effizienzsteigerung. So übernahmen alle Studierenden in diesem realitätsnahen Szenario Verantwortung für ein mittelgrosses Facility-Management-Unternehmens.