Kreislaufwirtschaft im Bauwesen: Gewohnte Denkmuster hinterfragen
Die Kreislaufwirtschaft im Schweizer Bauwesen ist ein zentrales Element für eine nachhaltige Zukunft. Sie verlangt ein Umdenken bei Planung, Bau, Betrieb und Rückbau, wie am letzten Frühstücksgespräch 2025 der Baukaderschule St.Gallen aufgezeigt wurde.
Das Bauen befindet sich im Umbruch. Die beiden Referenten des Frühstücksgesprächs, Marloes Fischer und Peter Kuhnhenn, zeigten auf, dass neue Technologien und Ideen notwendig sind, um die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen voranzubringen. «Bereits in der Planungsphase sollte die gesamte Wertschöpfungskette stärker mitgedacht werden», sagt Marloes Fischer, Geschäftsführerin von Circular Hub und Vorstandsmitglied von C33 – Schweizer Koordinationsstelle für zirkuläres Bauen. Die Branche sei gefordert, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und alltägliche Prozesse neu zu betrachten.
Besonders im Umgang mit Beton sieht Peter Kuhnhenn einen Paradigmenwechsel. Der stellvertretende Leiter Technik des Verbands Baustoff Kreislauf Schweiz sagt: «Wir müssen die vorhandenen Wertstoffe in unseren Restströmen erkennen und gezielt in den Kreislauf zurückführen.»
Politische und rechtliche Vorgaben
Das bedeutet zum Beispiel, dass Beton möglichst lange in seiner ursprünglichen Form bestehen bleibt und erst danach in den Recyclingkreislauf überführt wird.. Ganze Betonelemente etwa können aus alten Gebäuden ausgebaut und in neuen Projekten wieder eingesetzt werden.
Baustoffkreislauf Schweiz engagiert sich für eine Kreislaufwirtschaft, die den Wert von Baustoffen langfristig erhält. Im Zentrum der Verbandstätigkeit stehen die Interessenvertretung der Branche gegenüber Politik und Behörden sowie die Mitgestaltung verlässlicher Rahmenbedingungen auf politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Ebene für die rund 400 Mitglieder.
Während ihres Inputs verwies Marloes Fischer auf die rechtliche Verankerung der Kreislaufwirtschaft. Seit dem 1. Januar 2025 ist der Artikel 35j im Umweltschutzgesetz zu ressourcenschonendem Bauen in Kraft. Dieser schreibt folgendes vor:
- a) die Verwendung umweltschonender Baustoffe und Bauteile
- b) die Verwendung von Baustoffen, die aus der stofflichen Verwertung von Bauabfällen stammen
- c) die Rückbauarbeit von Bauwerken; und
- d) die Wiederverwendung
Der Blick nach Europa
Auch auf europäischer Ebene ist mit dem «European Green Deal» viel in Bewegung gekommen. «Es ist unglaublich, wie stark die EU in den letzten Jahren beim Thema Kreislaufwirtschaft gesetzlich vorangeschritten ist», sagt Marloes Fischer.
Sie verweist unter anderem auf die Construction Product Regulation, welche Regeln im Marketing von Baumaterialen und Deklarationsnormen festlegt. Marloes Fischer erklärt: «Wir sind in der Schweiz zwar relativ selbstständig unterwegs, aber europäische Normen und Standards betreffen uns auch.»
Frühstücksgespräch: Beliebtes Format mit vielen Impulsen
An den kostenlosen Frühstücksgesprächen werden bewusst Themen aufgegriffen die auch Bestandteil der Lehrgänge der Baukaderschule St.Gallen sind. «Wie etwa die Kreislaufwirtschaft», sagt Daniel Gerber und ergänzt: «Sie ist für viele unserer Studierenden bereits heute Teil ihres Berufsalltags. Bei uns lernen sie, wie sich theoretisches Wissen praxisnah anwenden lässt.»
Die drei Frühstücksgespräche starteten jeweils mit Kaffee und Gipfeli im BauLab der Baukaderschule St.Gallen. «Bei diesem Format geht es auch um den Austausch. Es ist wichtig, dass wir das Baunetzwerk in der Ostschweiz mit solchen Anlässen stärken», sagt Organisator und Dozent Daniel Gerber. Inhaltlich sei die Ausgabe 2025 einmal mehr sehr spannend gewesen – «eine inspirierende Vielfalt an Impulsen.» Der Blick wurde gezielt darauf gerichtet, was künftig auf die Branche zukommt. Bezogen auf die Kreislaufwirtschaft ruft Marloes Fischer in Erinnerung: «Wir sind selbst verantwortlich, für unsere zukünftige Lebensqualität.»