Künstliche Intelligenz: Architekten und Ingenieure tanzen mit dem Wandel mit
Künstliche Intelligenz kann schon heute in der Architektur und im Ingenieurwesen eingesetzt werden. Welche Möglichkeiten es gibt und geben wird, erklärten Nora Bukovits und Andrés Velasco. Die beiden Gründer der PAZ Academy zündeten zum Abschluss der diesjährigen Frühstücksgespräche der Baukaderschule St.Gallen ein Feuerwerk an Informationen über KI.
Zu einem Experiment wurden die Frühstücksgespräch-Teilnehmenden eingeladen. «Stell dir eine Banane und einen Luftballon vor», begann Nora Bukovits, Compution Designerin und Co-Founder PAZ Academy. Für Menschen ist es kinderleicht und logisch, eine Banane von einem Luftballon zu unterscheiden. Ein Computer hat damit seine liebe Mühe. Es sei denn, man lernt ihn die richtigen Parameter wie Form, Farbe oder Gewicht. «Nur wenn wir verstehen, wie KI funktioniert, können wir sie in der Architektur und im Ingenieurwesen nutzen», so Nora Bukovits.
Mit KI-Unterstützung lassen sich schon heute, 3D-Modelle aus einer Punktwolke erstellen. Ebenso ist es möglich, mit dem Modell zu interagieren und zu fragen, aus wie vielen Fenstern und Wänden es besteht. Die Antwort wird in Sekundenbruchteilen in einem übersichtlichen Diagramm dargestellt. «Auch können wir uns aufzeigen lassen, wo wie viel Material eingespart werden kann», erklärt Nora Bukovits.
KI wird mit rohen Daten gefüttert
Die Gründer der PAZ Academy, Nora Bukovits und Andrés Velasco Muro bieten mit der Eigenentwicklung «PAZGPT» bereits eine massgeschneiderte KI-Lösung für die Baubranche an. Hierfür wurde die künstliche Intelligenz bereits gemäss den gängigen Prozessschritten ausgebildet: Training Data, Deep Learning, Latent Space, Generation Diffusion und Output. Während diesen Schritten lernt ein KI-Modell von rohen Daten und erkennt Muster.
Die Aufmerksamkeit der Anwesenden in der Aula des GBS St.Gallen war dem Duo der PAZ Academy gewiss. Bruno Mitterer, Prorektor Baukaderschule St.Gallen, bilanziert zufrieden: «Erfreulicherweise stellen wir ein zunehmendes Interesse an unseren Frühstücksgesprächen fest. Wir haben die richtige Themenauswahl getroffen, in dem wir den Fokus nicht nur auf BIM alleine gerichtet haben. Mein Dank gilt allen Referenten und dem Organisations-Team um Deborah McInnis, Christina Gut und Daniel Gerber.»
Da die künstliche Intelligenz auch im Arbeitsalltag immer präsenter wird, wurde ihr im Programm der diesjährigen Frühstücksgespräche mehr Platz eingeräumt. Das kam bei den Teilnehmenden gut an, wie die anschliessenden Diskussionen zeigten.
KI verkürzt Sisyphusarbeit
Mike Hersche und Adrian Mesterhazy unterhielten sich darüber, wie sich die künstliche Intelligenz auf die Arbeitsauslastung auswirkt. «Was bedeutet es für einen Mitarbeiter, der heute in einer Sisyphusarbeit eine Punktwolke in ein 3D-Modell überführt? KI braucht dafür nicht so lange», bemerkt Mike Hersche, Softwarelieferant für die Baubranche.
Mit Interesse wird Adrian Mesterhazy verfolgen, wie die Baubranche die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz vorzu für sich nutzen wird. Der Projektleiter Kunstbauten sagt: «KI kommt schneller, als man denkt.» Er habe für seinen Arbeitgeber erst gerade BIM aufgegleist, jetzt würden sich diese Abläufe schon mit KI verknüpfen lassen.
Eintauchen und mittanzen
Wie rasant der Wandel vonstattengeht, wurde auch im Referat von Nora Bukovits und Andrés Velasco deutlich. Daniel Gerber sprach von einem Feuerwerk an Informationen. Der Organisator der Frühstücksgespräche der Baukaderschule St.Gallen sagt: «Wir haben einen Blick in die Zukunft der Bauwirtschaft geworfen. KI ist bereits da, aber wir sind erst am Anfang.»
Diesen Eindruck teilt BIM-Spezialist Lucien Zenners. Er habe das Gefühl, dass mit parametrischem Design und den Algorithmen noch viel mehr möglich sei. «Der Mehrwert wird sich im Verlaufe der nächsten Jahre zeigen, wenn alles noch stärker ausgereift ist», sagt er. Parametrisches Design bedeutet, dass Menschen durch Eingabe von Parametern mithilfe von KI Veränderungen vornehmen. Die nächste Stufe wäre das generative Design, bei welchem aufgrund der Anfrage eine automatische Lösung entsteht.
Das letzte Frühstücksgespräch im Jahr 2024 endete dazu passend mit einem Zitat des Philosophen Alan Watts: «Der einzige Weg, dem Wandel einen Sin zu geben, besteht darin, in ihn einzutauchen, sich mit ihm zu bewegen und mitzutanzen.»