Industrial Design HF: So gemütlich präsentierte noch keiner
Schaukeln hat eine entspannende Wirkung. Daniel Jeuther entwirft für das Zwischendiplom einen «Rocking office chair». Über sein berufsbegleitendes HF-Studium Industrial Design an der Schule für Gestaltung St.Gallen sagt er: «Als gelernter Zimmermann habe ich eine Weiterbildung gesucht, die Technik und Kreativität vereint.»
Daniel Jeuther hat nach eigenen Worten eine Entspannungsoase fürs Büro entwickelt. Der angehende Industrial Designer machte sich Gedanken über Sinn und Funktion des Schaukelns und recherchierte über die verschiedenen Anwendungen von schaukelnden Objekten. «Schaukeln hat tiefgreifende physiologische und psychologische Vorteile», nennt Daniel Jeuther eine wesentliche Erkenntnis, auf die er während seines Zwischendiplomauftrags gestossen ist. Schaukeln stimuliere das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, reduziere Stresshormone wie Cortisol und könne unterstützen, die Konzentration und die Kreativität zu steigern.
Zum Abschluss des dritten Semesters präsentierten alle Studierende des Lehrgangs Industrial Design HF Schaukelobjekte für Erwachsene, die in einem Fitnessstudio, einem Büro oder einem Raum der Stille eingesetzt werden können. «Im Büro sah ich für meinen Stuhl das grössere Potenzial. Mich motivierte es, ein Produkt zu designen, das Stress am Arbeitsplatz abbaut», sagt Daniel Jeuther.
Um diesen angenehmen Effekt zu erzielen, sei eine Amplitude von mindestens 50 Zentimetern notwendig. Amplitude beschreibt die Grösse der Schaukelbewegung – also wie weit die Schaukel hin und her schwingt. Eine weitere Schaukelbewegung kann aktivierend wirken.
Ein eigenes Portfolio aufbauen
Die Gedanken, die sich Daniel Jeuther während des Designprozesses gemacht hat, unterstreichen: Der gelernte Zimmermann ist in seiner berufsbegleitenden Weiterbildung angekommen. Er hat nach einer beruflichen Perspektive gesucht, in der er sich kreativ ausleben und das CAD-Programm für die Erstellung von 2D- und 3D-Modellen einsetzen kann. Am Infoanlass der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen überzeugte ihn dann Lehrgangsleiter Markus Pawlick. «Der Inhalt dieses Lehrgangs passt zu mir. Hier zu starten, war eine der besten Entscheidungen meines bisherigen Lebens», schwärmt Daniel Jeuther.
Dem HF-Student war vor Beginn seiner Weiterbildung gar nicht bewusst, wie viele Türen den Industrial Designer/-innen auf dem Arbeitsmarkt offenstehen. Markus Pawlick erklärt sich die vielseitigen Berufsperspektiven wie folgt: «Wir bieten eine praxisorientierte Ausbildung an. Es wird den Studierenden beigebracht, mit den verschiedenen Phasen des Designprozesses umzugehen und sie zu meistern.» Sie entwickeln innovative und ästhetisch ansprechende Produkte, die den Bedürfnissen der Nutzer/-innen gerecht wird. Dadurch bauen die Studierenden im Verlaufe der Weiterbildung ein Portfolio auf, das bei einer Bewerbung eine entscheidende Rolle spielen wird.
Im Unternehmen mehr gestalterische Arbeiten übernehmen
Viele der angehenden Industrial Designer/-innen an der Schule für Gestaltung St.Gallen kommen wie Daniel Jeuther aus handwerklichen Berufen, der Holz- oder Metallverarbeitung oder aus planerischen Berufen wie der Konstruktion. Sie alle arbeiten bereits während ihres Studiums in einem Unternehmen, wo sie mit Fragen des Designs und der Gestaltung konfrontiert sind. «Ihr Hauptziel ist es, ihre Kompetenzen in diesem Bereich bei uns weiter auszubauen. Dadurch können sie im Unternehmen immer mehr gestalterische Aufgaben übernehmen», sagt Markus Pawlick.
Daniel Jeuther empfindet es als eine ideale Mischung, dass er sich zusätzlich zur Büroarbeit in der Werkstatt kreativ entfalten kann. «Hier im Studium lerne ich Zeichnen und lese anhand der Skizzen ab, wie ich meine Ideen voranbringen kann. Mittlerweile erkennt man, was ich will», sagt er und lacht.
Ein Funktions- und Designmodell
Die Juroren/-innen des Zwischendiploms wiesen Daniel Jeuther daraufhin, dass bereits seine ersten Skizzen aus Formen bestanden. Hilfreicher ist, wenn noch nicht in Formen gedacht wird. Eine Skizze soll sich weiterentwickeln. Letztlich ist Daniel Jeuther mit seinem Funktionsmodell eines «Rocking office chair» auch noch nicht vollständig zufrieden. Die Zeit bis zur finalen Präsentation wurde knapper, weil er sich unter anderem länger mit den Abholradien auseinandergesetzt hat. Gemeint ist der Radius, innerhalb dessen sich das schwingende Objekt bewegt.
Die zweite Herausforderung war der Einsatz eines Gegengewichts. Damit sich Daniel Jeuther jetzt selbstbewusst in seinen Bürostuhl setzen beziehungsweise liegen kann, musste er das Gegengewicht an einem geeigneten Ort und mit ausreichender Masse platzieren. «Mein Schaukelstuhl ist noch nicht ausgereift. Es ist der Versuch, nach dem Funktions- bereits ein Designmodell mitzubauen», erklärt Daniel Jeuther. Die Juroren/-innen nahmen auf jeden Fall gerne in seinem «Rocking office chair» Platz.